Prüfbericht / Elektronik
Cholesterin-Messgerät: LDL wird gerechnet, nicht gemessen
Kombigeräte zeigen vier Werte an: Gesamtcholesterin, HDL, Triglyceride und LDL. Drei davon werden gemessen, der vierte wird gerechnet, und das ist der interessante Teil. Wie die Formel arbeitet, wie sich die Einzelfehler darin fortpflanzen und was ein Teststreifen kostet, lässt sich vollständig nachrechnen.
GrenzenDer LDL-Wert wird aus drei Messungen gerechnet. Bei je 7 Prozent Einzelfehler steht am Ende eine Spanne von 21 mg/dl.
Tabelle scrollen
| Wert | Gemessen oder gerechnet | Messbereich | Angegebene Genauigkeit | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Gesamtcholesterin | gemessen | 100 bis 400 mg/dl | ±7 % | |
| HDL | gemessen | 20 bis 100 mg/dl | ±7 % | |
| Triglyceride | gemessen | 50 bis 500 mg/dl | ±10 % | |
| LDL | gerechnet | entfällt | keine Angabe | |
| Verhältnis Gesamt zu HDL | gerechnet | entfällt | keine Angabe |
Drei Messungen, vier Zahlen
Das Gerät zeigt vier Werte, arbeitet aber mit drei Teststreifen beziehungsweise drei Messfeldern. Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceride werden über eine Farbreaktion im Streifen bestimmt, LDL erscheint danach ohne eigene Messung auf dem Bildschirm.
Dahinter steht eine Formel, die seit Jahrzehnten in Laboren verwendet wird: LDL ergibt sich als Gesamtcholesterin minus HDL minus dem Fünftel der Triglyceride, alle Werte in Milligramm je Deziliter. Bei 220, 50 und 150 sind das 220 minus 50 minus 30, also 140. Diese Rechnung lässt sich mit jedem Taschenrechner nachvollziehen, und genau das sollte man einmal tun, weil sie erklärt, warum der vierte Wert unsicherer ist als die drei anderen.
Wie sich drei Fehler addieren
Das Gerät gibt für Gesamtcholesterin und HDL eine Genauigkeit von 7 Prozent an, für Triglyceride 10. Auf die Anzeigewerte 220, 50 und 150 angewendet ergeben sich Spannen von 205 bis 235, 46 bis 54 und 135 bis 165.
Im ungünstigsten Fall summieren sich die Abweichungen: 235 minus 46 minus 27 ergibt 162, und 205 minus 54 minus 33 ergibt 118. Der gerechnete LDL-Wert von 140 kann also zwischen 118 und 162 liegen, eine Spanne von 44 Milligramm je Deziliter. Der Laborwert derselben Probe lag bei 134. Für eine Verlaufsbeobachtung über Monate ist das brauchbar, für die Frage, ob ein einzelner Wert über oder unter einer Grenze liegt, nicht.
Wann die Formel gar nicht gilt
Die Formel hat eine bekannte Grenze: ab Triglyceridwerten von etwa 400 Milligramm je Deziliter liefert sie falsche LDL-Werte, weil das Fünftel dann den Anteil der triglyceridreichen Lipoproteine nicht mehr richtig abbildet. Labore rechnen dort anders oder messen LDL direkt.
Nachgeprüft am Gerät: bei einem eingegebenen Triglyceridwert von 450 zeigte es weiterhin einen LDL-Wert an, ohne Hinweis auf diese Einschränkung. Wer solche Werte hat, bekommt also eine Zahl, die nichts bedeutet. Ein zweiter Punkt betrifft die Vorbereitung: Triglyceride steigen nach dem Essen deutlich, und für die Formel wird eine Nüchternprobe von 8 bis 12 Stunden vorausgesetzt.
Milligramm oder Millimol
Das Gerät lässt sich zwischen zwei Einheiten umschalten, und die Umrechnung ist unterschiedlich je Stoff. Für Cholesterin gilt: Millimol je Liter mal 38,67 ergibt Milligramm je Deziliter. Für Triglyceride lautet der Faktor 88,57, weil die Molmasse eine andere ist.
Wer die Einheit verwechselt, verrechnet sich um den Faktor 39 oder 89. Aus 5,7 Millimol je Liter Gesamtcholesterin werden 220 Milligramm je Deziliter, und aus 1,7 Millimol Triglyceride 150.
Die Formel aus Abschnitt 01 funktioniert in beiden Einheiten, aber nur, wenn alle drei Werte in derselben stehen: in Millimol je Liter lautet sie Gesamt minus HDL minus Triglyceride durch 2,2.
Was ein Satz Streifen kostet
Für eine vollständige Bestimmung aller drei Messwerte waren drei Streifen nötig, in einem Kombipack für 24,90 Euro mit je zehn Stück. Eine komplette Messung kostet damit 2,49 Euro plus eine Lanzette für 8 Cent, also 2,57 Euro.
Bei einer Kontrolle im Vierteljahr sind das 10,30 Euro im Jahr, bei monatlicher Kontrolle 31. Das Gerät selbst kostete 79 Euro. Zum Vergleich: ein Lipidprofil im Labor wird in Deutschland bei entsprechender Fragestellung über die Krankenversicherung abgerechnet, als Selbstzahlerleistung liegt es bei 15 bis 30 Euro. Der Heimtest lohnt sich damit nicht über den Preis, sondern über die Möglichkeit, häufiger zu messen.
Blutzucker, Ketone, Cholesterin
Dieselbe Gerätefamilie bietet Streifen für Blutzucker und Ketone an, und die Verfahren unterscheiden sich in ihrer Zuverlässigkeit deutlich. Blutzuckermessgeräte für Menschen mit Diabetes müssen eine genormte Systemgenauigkeit einhalten, nach der 95 Prozent der Werte innerhalb von 15 Milligramm je Deziliter beziehungsweise 15 Prozent des Referenzwerts liegen müssen.
Für Cholesterin-Heimgeräte gibt es diese Norm in dieser Form nicht. Nachgeprüft an je zehn Paarmessungen lag das Blutzuckerfeld dieses Geräts im Mittel 4 Prozent neben dem Laborwert, das Cholesterinfeld 7 und das Triglyceridfeld 11. Wer ein Kombigerät kauft, sollte deshalb wissen, dass die vier Anzeigen nicht dieselbe Verlässlichkeit haben, und die Rangfolge ist immer die gleiche.
Blutmenge, Temperatur, Anbruch
Drei Handhabungsfehler wurden bewusst herbeigeführt. Mit zu wenig Blut, also etwa 25 statt 35 Mikrolitern, brach die Messung in vier von fünf Fällen mit einer Fehlermeldung ab, im fünften erschien ein um 18 Prozent zu niedriger Wert. Bei 12 Grad Umgebungstemperatur, also unterhalb des angegebenen Bereichs, lagen die Werte 9 Prozent zu hoch.
Die dritte Fehlerquelle ist die Dose: Streifen, die vier Wochen nach dem Anbruch verwendet wurden, lagen 6 Prozent unter den Werten frischer Streifen aus derselben Charge, obwohl das Verfallsdatum noch neun Monate entfernt war. Auf der Dose steht dafür eine Frist von drei Monaten nach Anbruch. Wer viermal im Jahr messen will, kauft deshalb die kleinere Packung.
Die Lanzette und der Blutstropfen
Der Streifen braucht 35 Mikroliter Blut, was einem Tropfen von 4 Millimetern Durchmesser entspricht und damit deutlich mehr ist als die 0,5 bis 1 Mikroliter eines Blutzuckerstreifens. Die beiliegende Stechhilfe hat fünf Einstichtiefen zwischen 0,8 und 2,3 Millimetern; erst ab Stufe 4, also 1,8 Millimetern, kam in fünf von fünf Versuchen genug Blut ohne Nachdrücken.
Nachgedrückt verfälscht die Messung, weil Gewebeflüssigkeit mit in den Tropfen gelangt: an derselben Fingerbeere ergab die Messung mit gequetschtem Tropfen einen um 12 Prozent niedrigeren Gesamtcholesterinwert. Bewährt hat sich die seitliche Fingerbeere statt der Mitte, warme Hände und die Hand vor dem Stechen nach unten hängen zu lassen. Lanzetten sind Einmalprodukte, kosten im Hunderterpack 8 Euro und werden nach dem Gebrauch im Abwurfbehälter gesammelt, nicht im Hausmüll.
Wofür der Wert überhaupt gebraucht wird
Ein einzelner Cholesterinwert beantwortet keine Frage. Die Einschätzung des kardiovaskulären Risikos erfolgt über Rechenmodelle, in die neben den Blutfetten Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchen und Vorerkrankungen eingehen, und die Zielwerte hängen von diesem Gesamtrisiko ab: für eine Person nach einem Herzinfarkt gelten andere als für eine gesunde Vierzigjährige.
Deshalb ist ein Heimgerät kein Ersatz für die Bestimmung in der Praxis, sondern höchstens ein Werkzeug dazwischen. Sinnvoll einsetzbar ist es für den Verlauf: wer eine Ernährungsumstellung begleitet, sieht über sechs Messungen in sechs Monaten eine Richtung, die ein Einzelwert nicht zeigt. Jede Entscheidung über eine Behandlung gehört in die hausärztliche oder kardiologische Praxis, und das Gerät liefert dafür bestenfalls einen Anlass zum Gespräch.
Was zehn Paarmessungen nicht klären
Alle Prozentangaben stammen aus je zehn Paarmessungen an einer Person mit einer Charge Streifen. Die Streuung zwischen Chargen ist damit nicht erfasst, und sie ist bei Trockenchemie eine bekannte Fehlerquelle: unterschiedliche Produktionslose können systematisch um mehrere Prozent voneinander abweichen, weshalb manche Geräte eine Chargennummer verlangen.
Über die Genauigkeit der HDL-Messung im unteren Bereich lässt sich ebenfalls nichts sagen, weil bei der Testperson keine Werte unter 40 Milligramm je Deziliter auftraten. Gerade dort ist die Aussage klinisch am interessantesten.
Was diese Seite leistet, ist die Fehlerrechnung aus Abschnitt 02, und die gilt unabhängig von Charge und Person: drei Messungen mit je 7 bis 10 Prozent Unsicherheit ergeben einen gerechneten vierten Wert mit einer Spanne von über 40 Milligramm je Deziliter.
Tabelle scrollen
| Größe | Angezeigt | Möglicher Bereich | Beitrag zum LDL-Fehler | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Gesamtcholesterin | 220 | 205 bis 235 | ±15 | |
| HDL | 50 | 46 bis 54 | ±4 | |
| Triglyceride | 150 | 135 bis 165 | ±3 | |
| LDL gerechnet | 140 | 119 bis 161 | ±21 | |
| Laborwert derselben Probe | 134 | entfällt | entfällt |
Häufige Fragen
Wird der LDL-Wert gemessen oder gerechnet?
Gerechnet. Gemessen werden Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceride; LDL ergibt sich als Gesamtcholesterin minus HDL minus einem Fünftel der Triglyceride, alle Werte in Milligramm je Deziliter. Bei 220, 50 und 150 sind das 140.
Wie groß ist der Fehler des gerechneten LDL-Werts?
Bei den angegebenen Genauigkeiten von 7, 7 und 10 Prozent kann ein angezeigter LDL-Wert von 140 zwischen 118 und 162 Milligramm je Deziliter liegen. Der Laborwert derselben Probe lag bei 134.
Wann gilt die LDL-Formel nicht?
Ab Triglyceridwerten von etwa 400 Milligramm je Deziliter, weil das Fünftel dann den Anteil der triglyceridreichen Lipoproteine nicht mehr abbildet. Das Gerät zeigte auch bei 450 einen LDL-Wert an, ohne darauf hinzuweisen. Außerdem setzt die Formel eine Nüchternprobe von 8 bis 12 Stunden voraus.
Wie rechnet man Millimol in Milligramm um?
Für Cholesterin mit dem Faktor 38,67, für Triglyceride mit 88,57, weil die Molmassen verschieden sind. Aus 5,7 Millimol je Liter Gesamtcholesterin werden 220 Milligramm je Deziliter, aus 1,7 Millimol Triglyceride 150.
Was kostet eine Messung?
2,57 Euro: drei Streifen für zusammen 2,49 Euro plus eine Lanzette für 8 Cent. Bei vierteljährlicher Kontrolle sind das 10,30 Euro im Jahr, das Gerät kostete 79 Euro. Ein Lipidprofil als Selbstzahlerleistung im Labor liegt bei 15 bis 30 Euro.
Ist die Blutzuckermessung im gleichen Gerät genauer?
Ja. Blutzuckermessgeräte müssen eine genormte Systemgenauigkeit einhalten, nach der 95 Prozent der Werte innerhalb von 15 Milligramm je Deziliter oder 15 Prozent liegen. In je zehn Paarmessungen lag das Blutzuckerfeld 4 Prozent neben dem Laborwert, das Cholesterinfeld 7 und das Triglyceridfeld 11.
Welche Handhabungsfehler verfälschen das Ergebnis?
Zu wenig Blut brach die Messung in vier von fünf Fällen ab und ergab im fünften einen 18 Prozent zu niedrigen Wert. Bei 12 Grad Umgebungstemperatur lagen die Werte 9 Prozent zu hoch, und vier Wochen nach Anbruch verwendete Streifen 6 Prozent unter frischen derselben Charge.
Ersetzt das Gerät die Bestimmung in der Praxis?
Nein. Die Einschätzung des Risikos erfolgt über Rechenmodelle mit Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchen und Vorerkrankungen, und die Zielwerte hängen davon ab. Sinnvoll ist das Gerät für den Verlauf über Monate; jede Entscheidung über eine Behandlung gehört in die hausärztliche oder kardiologische Praxis.
Geprüft im Juli 2026