Prüfbericht / Garten
Holzleim im Test: Festigkeit, Offenzeit und Wasserfestigkeit
Ein Holzleim hält, wenn die Fuge stärker ist als das Holz daneben, und dieser Punkt ist bei modernen Weißleimen längst erreicht. Interessant sind daher andere Größen: wie lange nach dem Auftragen noch ausgerichtet werden kann, wie lange gepresst werden muss, was nach 24 Stunden im Wasser übrig bleibt und was die Kennzeichnung D2, D3 und D4 tatsächlich zusagt. Fünf Leime von 4,50 bis 16,90 Euro je Kilogramm wurden an je zwölf Fichtenproben geprüft.
GeprüftDer Bruch lag bei allen fünf im Holz, nicht in der Klebefuge. Der Unterschied liegt beim Wasser.
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| Leim | Gruppe | Scherfestigkeit | Bruchbild | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Leim A, 4,50 €/kg | D2 | 9,4 N/mm² | 80 % Holzbruch | |
| Leim B, 7,20 €/kg | D3 | 12,6 N/mm² | 95 % Holzbruch | |
| Leim C, 9,80 €/kg | D3 | 13,2 N/mm² | 100 % Holzbruch | |
| Leim D, 16,90 €/kg | D4 | 14,1 N/mm² | 100 % Holzbruch | |
| Leim E, Express, 8,40 €/kg | D2 | 10,8 N/mm² | 85 % Holzbruch | |
| Fichte längs zum Vergleich | entfällt | etwa 9 bis 14 N/mm² | entfällt |
Der Bruch liegt im Holz
Zwölf Proben je Leim mit 20 mal 50 Millimetern Klebefläche wurden 24 Stunden mit 0,6 Newton je Quadratmillimeter gepresst, sieben Tage gelagert und dann bis zum Bruch belastet. Die Scherfestigkeit lag zwischen 9,4 und 14,1 Newton je Quadratmillimeter. Fichte selbst hält in Faserrichtung etwa 9 bis 14, sodass alle fünf Leime im Bereich des Holzes liegen.
Sichtbar wird das am Bruchbild: bei drei der fünf Leime brachen 95 bis 100 Prozent der Fläche im Holz und nicht in der Fuge. Wo das Holz bricht, ist der Leim nicht die schwächste Stelle, und eine höhere Zahl bringt nichts mehr. Wer einen Leim danach auswählt, welcher am festesten klebt, wählt eine Eigenschaft aus, die bei sauberer Verarbeitung an derselben Grenze endet, nämlich am Holz.
Was D2, D3 und D4 zusagen
Die Kennzeichnung nach der europäischen Beanspruchungsgruppe steht auf jeder Flasche und ist die eigentliche Auskunft. D2 gilt für Innenbereiche mit gelegentlich kurzer Einwirkung von Wasser, D3 für Innenbereiche mit häufiger kurzer Einwirkung und für Außenbereiche ohne Bewitterung, D4 für häufige starke Einwirkung und für Außenbereiche mit Bewitterung.
Nachgeprüft wurde das mit 24 Stunden Tauchen und anschließendem Scherversuch. Der D2-Leim behielt 1,1 Newton je Quadratmillimeter, also gut ein Zehntel; bei 9 von 12 Proben ging die Fuge nach dem Trocknen wieder auf. Der D3-Leim behielt 6,8, der D4-Leim 11,3 Newton je Quadratmillimeter, und bei D4 öffnete sich keine Fuge. Die Gruppen sind also keine Werbeaussage, sondern der Unterschied, der im Versuch zu sehen ist.
Zwölf Minuten zum Ausrichten
Die Offenzeit wurde bestimmt, indem zwei Bretter nach 2, 4, 6, 8, 10, 12 und 15 Minuten noch gegeneinander verschoben und danach verpresst wurden; die letzte Zeit, nach der die Probe noch ihre volle Festigkeit erreichte, gilt hier als Offenzeit. Leim C erreichte 12 Minuten, Leim A 8, ein Express-Leim 4.
Bei einer Verleimung von fünf Brettern zu einer Platte ist das die Größe, die über Erfolg oder Ausschuss entscheidet: Leim auftragen, Bretter fügen, Zwingen ansetzen und ausrichten dauerte im Prüfaufbau 6:30 Minuten. Mit einem Express-Leim bei 4 Minuten Offenzeit war die Platte an zwei Fugen nicht mehr sauber zu schließen, und die Fuge blieb sichtbar. Ein schneller Leim ist damit nur für kleine, kurze Arbeiten der richtige, für eine Plattenverleimung ist er das falsche Werkzeug.
35 Minuten pressen, 24 Stunden warten
Die Presszeit bis zur handfesten Verbindung lag bei 35 bis 60 Minuten, die Zeit bis zur Endfestigkeit bei 24 Stunden für die beiden D2- und D3-Leime und bei 72 Stunden für den D4-Leim. Nachgeprüft mit Proben, die nach 12 Stunden belastet wurden: der D4-Leim erreichte dort 9,2 statt 14,1 Newton je Quadratmillimeter, also zwei Drittel.
Wer eine belastete Verbindung baut, etwa eine Stuhlzarge oder eine Gartenbank, rechnet mit der vollen Wartezeit und nicht mit der Presszeit auf der Flasche. Der Unterschied zwischen handfest und endfest ist bei einem Kunstharzleim keine Formalität, weil das Wasser aus dem Leim in das Holz und aus dem Holz in die Luft wandern muss, und dieser Weg braucht bei einer dicken Fuge länger als bei einer dünnen. Bei einer Werkstatt mit 12 Grad Temperatur verdoppelten sich die Presszeiten im Prüfaufbau.
148 Gramm je Quadratmeter Fuge
Gewogen wurde die Flasche vor und nach dem Auftragen auf definierte Flächen: 148 bis 161 Gramm je Quadratmeter Klebefläche bei beidseitigem Auftrag mit dem Zahnspachtel und einseitigem Verteilen mit der Rolle.
Bei einer Plattenverleimung aus fünf Brettern von je 1 Meter Länge und 20 Millimetern Dicke ergibt das vier Fugen mit zusammen 0,08 Quadratmetern und damit 12 Gramm Leim. Eine Flasche mit 750 Gramm reicht folglich für gut 60 solche Platten, was die Kostenfrage relativiert: der teuerste Leim kostet je Quadratmeter Fuge 2,72 Euro gegen 0,67 beim günstigsten, und bei einem Möbelstück mit einem halben Quadratmeter Fugenfläche ist das ein Unterschied von einem Euro. An dieser Stelle nach Preis zu wählen, ist die falsche Sparsamkeit.
Der Pressdruck ist wichtiger als der Leim
Je zwölf Proben wurden mit 0,2, 0,6 und 1,2 Newton je Quadratmillimeter gepresst, sonst identisch behandelt. Bei 0,2 lag die Scherfestigkeit bei 8,1, bei 0,6 bei 13,2 und bei 1,2 bei 13,4 Newton je Quadratmillimeter.
Ein zu geringer Pressdruck kostet also mehr Festigkeit als die Wahl zwischen zwei Leimen, und ein höherer bringt oberhalb von 0,6 nichts mehr. Umgerechnet auf eine Fuge von 20 mal 500 Millimetern entsprechen 0,6 Newton je Quadratmillimeter 600 Kilogramm Presskraft, also drei bis vier kräftig angezogene Schraubzwingen. Wer mit zwei Zwingen eine lange Fuge presst, arbeitet in der Mitte mit deutlich weniger Druck, und dort sitzt später der Riss. Diese Zahl erklärt mehr Fehlschläge als jede Leimeigenschaft.
Fugenbreite und was sie kostet
Mit Distanzfolien wurden Fugen von 0,05, 0,2 und 0,5 Millimetern hergestellt. Die Scherfestigkeit fiel von 13,2 auf 11,4 und 7,9 Newton je Quadratmillimeter.
Weißleim ist kein Spaltfüller: er schrumpft beim Trocknen, weil das Wasser verschwindet, und in einer breiten Fuge entstehen dabei Spannungen und Hohlräume. Praktikabel ist deshalb eine gehobelte oder gefräste Passung, und bei einer sichtbaren Lücke die mechanische Nacharbeit statt mehr Leim. Für echte Spalten gibt es Konstruktionsklebstoffe auf anderer Grundlage; ein Holzleim, egal welcher Gruppe, ist dafür das falsche Mittel, und keine Zahl auf der Flasche sagt das.
Was mit Resten und Kälte passiert
Zwei Flaschen wurden nach dem Öffnen sechs Monate gelagert, eine bei 20 Grad und eine in einer unbeheizten Garage mit Temperaturen bis minus 4 Grad. Die warm gelagerte Flasche ergab 12,9 Newton je Quadratmillimeter, die kalt gelagerte 6,2 und zeigte Klümpchen, die sich nicht mehr verrühren ließen.
Weißleim ist eine Dispersion, und Frost zerstört sie unwiderruflich; die Flasche sieht danach aus wie vorher und klebt nur noch zur Hälfte. Nachprüfbar ist das ohne Presse: eine gefrostete Dispersion fühlt sich beim Verrühren körnig an und zieht keinen glatten Film. Wer im Winter in einer kalten Werkstatt arbeitet, nimmt die Flasche mit ins Haus, und das ist keine Sorgfaltsfrage, sondern der Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem unbrauchbaren Leim.
Was 60 Proben nicht beantworten
Sechzig Proben aus Fichte über sieben Tage sagen über Eiche, Buche, ölhaltige Tropenhölzer und über eine Verbindung nach zehn Jahren nichts. Prüfbar waren Scherfestigkeit, Bruchbild, Offen- und Presszeit, Verhalten im Wasser, Einfluss von Pressdruck, Fugenbreite und Lagerung.
Offen bleibt vor allem die Bewitterung über Jahre, die für eine D4-Verleimung im Garten die eigentliche Frage ist. Vierundzwanzig Stunden Tauchen sind ein Kurzversuch und keine Bewitterung; die Zusage der Gruppe D4 beruht auf genormten Prüfverfahren mit Kochwasser und Wechselzyklen, die eine Werkstattprüfung nicht nachstellen kann. Für eine Gartenbank ist die Kennzeichnung auf der Flasche daher die belastbarere Auskunft als jeder eigene Versuch.
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| Prüfpunkt | Leim A (D2) | Leim C (D3) | Leim D (D4) | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Offenzeit bei 20 °C | 8 min | 12 min | 10 min | |
| Presszeit handfest | 35 min | 45 min | 60 min | |
| Endfestigkeit erreicht nach | 24 h | 24 h | 72 h | |
| Restfestigkeit nach 24 h Wasser | 1,1 N/mm² | 6,8 N/mm² | 11,3 N/mm² | |
| Fugen nach dem Trocknen wieder offen | 9 von 12 | 1 von 12 | 0 von 12 | |
| Verbrauch je Quadratmeter Fuge | 148 g | 152 g | 161 g | |
| Kosten je Quadratmeter Fuge | 0,67 € | 1,49 € | 2,72 € |
Häufige Fragen
Welcher Holzleim ist der festeste?
Die Frage führt in die Irre: bei allen fünf geprüften Leimen lag die Scherfestigkeit zwischen 9,4 und 14,1 Newton je Quadratmillimeter, und Fichte selbst hält in Faserrichtung 9 bis 14. Bei drei Leimen brachen 95 bis 100 Prozent der Fläche im Holz, nicht in der Fuge.
Was bedeuten D2, D3 und D4?
Beanspruchungsgruppen: D2 für Innenbereiche mit gelegentlich kurzer Nässe, D3 für häufige kurze Nässe und Außenbereiche ohne Bewitterung, D4 für starke Nässe und bewitterte Außenbereiche. Nach 24 Stunden im Wasser blieben 1,1, 6,8 und 11,3 Newton je Quadratmillimeter Restfestigkeit; bei D2 öffneten sich 9 von 12 Fugen.
Wie lange kann nach dem Auftragen ausgerichtet werden?
8 bis 12 Minuten bei den normalen Leimen, 4 Minuten bei einem Express-Leim. Eine Plattenverleimung aus fünf Brettern brauchte 6:30 Minuten bis zur letzten Zwinge, sodass mit 4 Minuten Offenzeit zwei Fugen sichtbar blieben.
Wie lange muss gepresst werden?
35 bis 60 Minuten bis handfest, 24 Stunden bis zur Endfestigkeit, beim D4-Leim 72. Nach 12 Stunden belastete Proben erreichten beim D4-Leim 9,2 statt 14,1 Newton je Quadratmillimeter. Bei 12 Grad Werkstatttemperatur verdoppelten sich die Presszeiten.
Wie viel Pressdruck ist nötig?
0,6 Newton je Quadratmillimeter; darunter fiel die Festigkeit von 13,2 auf 8,1, darüber stieg sie nicht mehr. Auf eine Fuge von 20 mal 500 Millimetern gerechnet sind das 600 Kilogramm Presskraft, also drei bis vier kräftig angezogene Schraubzwingen.
Füllt Holzleim einen Spalt?
Nein. Bei Fugenbreiten von 0,05, 0,2 und 0,5 Millimetern fiel die Festigkeit von 13,2 auf 11,4 und 7,9 Newton je Quadratmillimeter, weil der Leim beim Trocknen schrumpft. Eine Lücke wird mechanisch nachgearbeitet, nicht mit mehr Leim.
Wie viel Leim braucht eine Verleimung?
148 bis 161 Gramm je Quadratmeter Klebefläche. Eine Platte aus fünf Brettern von einem Meter Länge und 20 Millimetern Dicke hat vier Fugen mit 0,08 Quadratmetern, also 12 Gramm; eine Flasche mit 750 Gramm reicht für gut 60 solche Platten.
Übersteht Holzleim Frost?
Nein. Eine sechs Monate in einer Garage bis minus 4 Grad gelagerte Flasche ergab 6,2 statt 12,9 Newton je Quadratmillimeter und zeigte nicht verrührbare Klümpchen. Die Dispersion wird durch Frost unwiderruflich zerstört, und die Flasche sieht danach unverändert aus.
Lohnt der teure Leim?
Nach Preis je Fuge ist die Frage klein: 0,67 gegen 2,72 Euro je Quadratmeter Klebefläche, bei einem Möbelstück mit einem halben Quadratmeter Fuge also etwa ein Euro Unterschied. Entscheidend ist die Beanspruchungsgruppe, nicht der Preis.
Geprüft im Juli 2026