Prüfbericht / Sport & Freizeit
Casco Roadster Plus im Test: Gewicht, Visier und Lüftung gemessen
An einem Fahrradhelm ist die Schutzwirkung das Einzige, was ohne Prüflabor nicht zu messen ist; dafür steht die Prüfnorm auf dem Etikett. Alles andere lässt sich bestimmen: Gewicht, der Lichtdurchlass des mitgelieferten Visiers, die Temperatur unter der Schale während der Fahrt, der Verstellbereich des Kopfrings, die Fläche, die die Schale abdeckt, und die Kraft, mit der der Kinnriemen hält. Geprüft wurde ein Modell in Größe M gegen zwei Vergleichshelme.
Geprüft322 Gramm mit Visier, und das Visier hält 84 Prozent Licht durch. Nach einem Sturz ist der Helm Ausschuss.
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| Größe | Prüfmuster | Vergleichshelm A | Vergleichshelm B | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Gewicht ohne Visier | 268 g | 241 g | 310 g | |
| Gewicht mit Visier | 322 g | kein Visier | kein Visier | |
| Visier allein | 54 g | entfällt | entfällt | |
| Lüftungsöffnungen | 17 | 24 | 12 | |
| Offene Fläche der Öffnungen | 84 cm² | 126 cm² | 58 cm² | |
| Verstellweg des Kopfrings | 21 mm | 18 mm | 26 mm | |
| Prüfzeichen im Innenfutter | EN 1078 vorhanden | vorhanden | vorhanden |
322 Gramm mit Visier, 268 ohne
Auf der Küchenwaage wog der Helm in Größe M ohne Visier 268 Gramm, das Visier 54, zusammen 322. Zwei Vergleichshelme lagen bei 241 und 310 Gramm ohne Visier.
Achtzig Gramm Unterschied zwischen dem leichtesten und dem schwersten Helm entsprechen etwa einem Drittel des Gewichts eines Trinkbechers und sind auf einer Fahrt von zwei Stunden am Nacken zu spüren, nicht in der ersten Minute. Wichtiger als das Gewicht selbst ist seine Verteilung: das Visier sitzt vorn und erzeugt ein Kippmoment, das im Prüfaufbau mit einer Federwaage an der Helmvorderkante 0,42 Newtonmeter betrug. Nachgeprüft ließ sich das durch stärkeres Anziehen des Kopfrings ausgleichen, und dann war der Unterschied beim Fahren nicht mehr wahrnehmbar.
84 Prozent Lichtdurchlass, und was das bedeutet
Hinter dem klaren Visier zeigte das Luxmeter 84 Prozent der Beleuchtungsstärke ohne Visier, hinter dem als Zubehör angebotenen getönten Visier 31 Prozent. Zum Vergleich lässt eine Sonnenbrille der Kategorie 2 etwa 18 bis 43 Prozent durch, eine ungetönte Brille 90 bis 92.
Vierundachtzig Prozent sind für Dämmerung und Nacht unbedenklich, und darin liegt der Zweck eines klaren Visiers: es hält Fahrtwind, Insekten und Regen vom Auge, ohne die Sicht zu verschlechtern. Das getönte Visier mit 31 Prozent ist eine Sonnenbrille und für Fahrten in die Dämmerung nicht geeignet. Ein Wechsel dauerte über die Magnethalterung 6 Sekunden, ohne Werkzeug und ohne Absetzen des Helms, und das ist der praktische Vorteil dieser Bauart gegenüber einer Brille.
Drei Kelvin unter der Schale
Mit einem Fühler zwischen Kopf und Polster wurde bei 24 Grad Außentemperatur und 25 Kilometern je Stunde über je 15 Minuten gemessen: 27,1 Grad unter dem Prüfmuster, 26,2 unter dem Helm mit 126 Quadratzentimetern offener Fläche und 29,4 unter dem geschlosseneren mit 58.
Der Zusammenhang mit der offenen Fläche ist deutlich, aber nicht linear: von 58 auf 84 Quadratzentimeter sinkt der Aufschlag um 2,3 Kelvin, von 84 auf 126 nur noch um 0,9. Ohne Helm lag der Wert 0,8 Kelvin über der Außentemperatur. Ein Helm mit 84 Quadratzentimetern offener Fläche liegt damit näher am bestbelüfteten als am geschlossenen Modell, und die Verpackungsangabe zur Zahl der Öffnungen sagt darüber wenig: 17 große Öffnungen ergaben mehr offene Fläche als 12 und weniger als 24 kleine.
21 Millimeter Verstellweg reichen nicht für jeden Kopf
Der Kopfring ließ sich über 21 Millimeter Umfang verstellen, gemessen als Differenz zwischen weitester und engster Stellung am Innenumfang. Die Größe M ist für 54 bis 58 Zentimeter Kopfumfang angegeben, was einer Spanne von 40 Millimetern entspricht.
Einundzwanzig Millimeter Verstellweg deckt diese Spanne also nicht ab, und das ist bei Helmen üblich: die Größenangabe beruht darauf, dass die Polster in unterschiedlichen Dicken beiliegen. Beim Prüfmuster waren zwei Polstersätze mit 5 und 9 Millimetern dabei, was weitere 25 Millimeter Umfang ausmacht. Wer einen Helm ohne Anprobe kauft, sollte daher in der Mitte der angegebenen Spanne liegen; bei 54 oder 58 Zentimetern gemessenem Kopfumfang ist die Nachbargröße die bessere Wahl, und der Umfang wird eine Fingerbreite über den Ohren gemessen.
Was die Prüfnorm zusagt und was nicht
Im Innenfutter aller drei Helme stand die Prüfnorm EN 1078. Sie verlangt unter anderem einen Falltest auf ebene und kantige Prüfkörper, bei dem die Beschleunigung am Prüfkopf einen Grenzwert nicht überschreiten darf, einen Test der Riemenfestigkeit und der Abziehsicherheit.
Was sie nicht abdeckt, sind Aufprallgeschwindigkeiten oberhalb der Prüfbedingungen und Drehbeschleunigungen, die bei einem schrägen Aufprall entstehen. Genau dafür gibt es zusätzliche Systeme, die eine Gleitschicht im Helm einbauen, und beim Prüfmuster war keine vorhanden. Belegbar ist an dieser Stelle nur, was im Helm steht; eine eigene Prüfung der Schutzwirkung ist ohne Fallturm und Prüfkopf nicht möglich, und ein Helm, der einen Sturz hatte, ist unabhängig von seinem Aussehen zu ersetzen, weil das Hartschaumgefüge bleibend verformt ist.
Wie viel Kopf die Schale abdeckt
Über eine Papierschablone wurde die abgedeckte Fläche bestimmt: die Schale reichte im Prüfmuster 34 Millimeter unter die Höhe der Augenbrauen an der Stirn und 51 Millimeter über die Höhe des Hinterhauptbeins hinunter. Bei Vergleichshelm A waren es 28 und 42 Millimeter.
Mehr Abdeckung am Hinterkopf ist bei Stürzen über das Vorderrad die relevante Richtung, und die Unterschiede von 9 Millimetern sind an dieser Stelle nicht zu vernachlässigen. Erkennbar ist das ohne Schablone im Spiegel: der Helm sitzt richtig, wenn die Vorderkante zwei Fingerbreiten über der Augenbraue liegt und der Hinterkopf nicht frei bleibt. Bei zu weit nach hinten geschobenem Helm, wie er häufig zu sehen ist, liegt die Stirn frei, und genau dort trifft der Aufprall bei einem Sturz nach vorn.
Der Riemen, das Schloss und die Prüfung zu Hause
Am Kinnriemen wurde mit der Federwaage senkrecht nach unten gezogen: bis über 300 Newton gab weder Riemen noch Schloss nach, was dem Zug von 30 Kilogramm entspricht. Das ist kein Sturztest und ersetzt keine Normprüfung, zeigt aber, dass Naht und Schnalle im Gebrauch nicht die schwache Stelle sind.
Praktisch prüfbar ist die Sitzkontrolle mit drei Handgriffen: Helm aufsetzen, Kopfring anziehen bis er ohne Riemen hält, Riemen so einstellen, dass zwischen Kinn und Riemen ein Finger passt, dann mit geschlossenem Riemen den Helm nach vorn und nach hinten drücken. Verschiebt er sich um mehr als etwa zwei Zentimeter, sitzt er falsch. Beim Prüfmuster ließ sich mit richtig eingestelltem Kopfring eine Verschiebung von 12 Millimetern erreichen, was innerhalb liegt.
Wann ein Helm ersetzt wird
Zwei Anlässe sind unstrittig. Nach einem Sturz mit Kopfaufprall gehört der Helm ersetzt, weil der Hartschaum die Energie durch bleibende Verformung aufnimmt und diese Verformung von außen nicht sichtbar sein muss; die Schale kann unbeschädigt aussehen, während der Schaum darunter bereits gearbeitet hat. Zweitens altert der Schaum durch Sonnenlicht und Temperatur.
Die Hersteller nennen für den zweiten Fall Zeiträume zwischen drei und acht Jahren; beim Prüfmuster stand fünf Jahre in der Anleitung, gerechnet ab dem im Helm eingeprägten Herstelldatum. Nachgesehen war dieses Datum als Uhrsymbol mit Jahr und Monat auf der Innenseite eingeprägt, was bei einem Gebrauchtkauf die erste Stelle ist, an die man sehen sollte. Ein Helm ohne lesbares Herstelldatum und ohne Prüfzeichen ist unabhängig vom Preis kein Kauf.
Was ohne Fallturm offenbleibt
Zwei Wochen und etwa 300 Kilometer sagen über die Schutzwirkung nichts, und dieser Teil bleibt der Normprüfung überlassen. Nachprüfbar waren Gewicht und Gewichtsverteilung, Lichtdurchlass beider Visiere, Temperatur unter der Schale gegen zwei Vergleichshelme, Verstellbereich, abgedeckte Fläche, Riemenfestigkeit im Zugversuch und die Angaben im Innenfutter.
Bemerkenswert bleibt an diesem Vergleich, wie wenig die Zahl der Lüftungsöffnungen aussagt und wie viel die offene Fläche: 17 Öffnungen belüfteten besser als 12 und fast so gut wie 24. Wer einen Helm im Laden vergleicht, hält deshalb besser die Hand über die Öffnungen und schätzt die Fläche, statt Öffnungen zu zählen.
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| Prüfpunkt | Wert | Vergleich | Bemerkung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Temperatur unter der Schale | 27,1 °C | Außen 24 °C | plus 3,1 K | |
| Vergleichshelm A, 126 cm² offen | 26,2 °C | plus 2,2 K | besser belüftet | |
| Vergleichshelm B, 58 cm² offen | 29,4 °C | plus 5,4 K | geschlossener | |
| Ohne Helm zum Vergleich | 24,8 °C | plus 0,8 K | Fahrtwind | |
| Lichtdurchlass Visier klar | 84 % | entfällt | Luxmeter | |
| Lichtdurchlass Visier getönt | 31 % | entfällt | Zubehör | |
| Haltekraft des Kinnriemens | über 300 N ohne Nachgeben | entfällt | Federwaage, kein Sturztest |
Häufige Fragen
Wie schwer ist der Helm?
268 Gramm in Größe M ohne Visier, mit Visier 322; das Visier allein wiegt 54 Gramm. Zwei Vergleichshelme lagen bei 241 und 310 Gramm. Das Visier sitzt vorn und erzeugt ein Kippmoment von 0,42 Newtonmetern, das sich durch strafferen Kopfring ausgleichen ließ.
Verschlechtert das Visier die Sicht?
Kaum. Das klare Visier ließ 84 Prozent der Beleuchtungsstärke durch, eine ungetönte Brille 90 bis 92. Das getönte Zubehörvisier kam auf 31 Prozent und ist damit eine Sonnenbrille, für die Dämmerung also nicht geeignet. Der Wechsel über die Magnethalterung dauerte 6 Sekunden.
Wie gut ist die Belüftung?
3,1 Kelvin über der Außentemperatur unter der Schale, bei 24 Grad und 25 Kilometern je Stunde. Ein Helm mit 126 Quadratzentimetern offener Fläche lag bei 2,2 Kelvin, einer mit 58 bei 5,4. Ohne Helm waren es 0,8 Kelvin.
Sagt die Zahl der Lüftungsöffnungen etwas aus?
Wenig. 17 große Öffnungen ergaben 84 Quadratzentimeter offene Fläche und belüfteten besser als 12 Öffnungen mit 58 und fast so gut wie 24 mit 126. Im Laden hilft es mehr, die Fläche abzuschätzen, als Öffnungen zu zählen.
Welche Größe ist richtig?
Die, deren Mitte dem gemessenen Kopfumfang entspricht. Der Kopfring verstellt nur 21 Millimeter Umfang, die Größenangabe von 54 bis 58 Zentimetern deckt aber 40 Millimeter ab; der Rest kommt aus den beiliegenden Polstern mit 5 und 9 Millimetern Dicke. Der Umfang wird eine Fingerbreite über den Ohren gemessen.
Was sagt die Prüfnorm EN 1078 aus?
Sie verlangt Falltests auf ebene und kantige Prüfkörper mit einem Grenzwert für die Beschleunigung am Prüfkopf sowie Prüfungen von Riemenfestigkeit und Abziehsicherheit. Nicht abgedeckt sind höhere Aufprallgeschwindigkeiten und Drehbeschleunigungen bei schrägem Aufprall; ein System mit Gleitschicht dafür war beim Prüfmuster nicht vorhanden.
Wie prüft man den Sitz?
Kopfring anziehen, bis der Helm ohne Riemen hält, Riemen so einstellen, dass ein Finger zwischen Kinn und Riemen passt, dann den Helm bei geschlossenem Riemen nach vorn und hinten drücken. Mehr als etwa zwei Zentimeter Verschiebung heißt falscher Sitz; beim Prüfmuster waren es 12 Millimeter.
Wann muss ein Helm ersetzt werden?
Nach jedem Sturz mit Kopfaufprall, weil der Hartschaum durch bleibende Verformung arbeitet und diese von außen nicht sichtbar sein muss. Dazu nach Ablauf des vom Hersteller genannten Zeitraums, hier fünf Jahre ab dem eingeprägten Herstelldatum. Ein Helm ohne lesbares Datum und ohne Prüfzeichen ist kein Kauf.
Geprüft im Juli 2026