Prüfbericht / Haushalt
Glasreiniger mit Lotuseffekt im Test: Randwinkel und Abperlen
Lotuseffekt heißt, dass Wasser als Kugel abrollt und Schmutz mitnimmt. Ob ein Produkt das leistet, hängt an einer einzigen messbaren Größe: dem Randwinkel eines Wassertropfens auf der Oberfläche. Vier Fensterreiniger und zwei Glasversiegelungen wurden daran gemessen, dazu am Abrollwinkel und an der Haltbarkeit über vier Wochen im Freien.
GrenzenDer Reiniger hebt den Randwinkel auf 78 Grad, Abperlen beginnt bei 90. Nach vier Wochen im Freien sind es 41.
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| Behandlung | Randwinkel | Abrollwinkel | Perlt ab | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Unbehandeltes Fensterglas | 28° | 62° | nein | |
| Glasreiniger A, mit Lotus-Auszeichnung | 78° | 34° | nein | |
| Glasreiniger B, mit Lotus-Auszeichnung | 71° | 39° | nein | |
| Glasreiniger C, Standard mit Alkohol | 44° | 55° | nein | |
| Glasversiegelung, Wischauftrag | 102° | 18° | ja | |
| Glasversiegelung, Zweikomponenten | 111° | 12° | ja |
Der Randwinkel ist die ganze Frage
Ein Wassertropfen auf einer Oberfläche bildet mit ihr einen Winkel. Bei sauberem Fensterglas liegt er bei etwa 28 Grad, gemessen an einem 20-Mikroliter-Tropfen, der von der Seite fotografiert und am Bild ausgewertet wurde. Der Tropfen läuft dann breit und flach und hinterlässt beim Trocknen einen Rand.
Ab 90 Grad gilt eine Oberfläche als wasserabweisend, ab etwa 150 Grad als superhydrophob, und erst dort liegt der Effekt, der beim Lotusblatt beobachtet wird. Die beiden Reiniger mit entsprechender Auszeichnung erreichten 78 und 71 Grad. Der Unterschied zu unbehandeltem Glas ist deutlich, die Schwelle zum Abperlen wird aber nicht überschritten, und das ist keine Meinung, sondern eine Zahl.
Was das Lotusblatt anders macht
Der Effekt am Blatt entsteht aus zwei Dingen gleichzeitig: einer wasserabweisenden Wachsschicht und einer Oberflächenstruktur mit Erhebungen im Bereich von zehn Mikrometern. Der Tropfen sitzt auf Luftpolstern zwischen diesen Erhebungen und berührt nur einen kleinen Teil der Fläche, weshalb der Randwinkel über 150 Grad steigt.
Ein Reiniger, der auf glattes Glas aufgetragen wird, kann diese Struktur nicht erzeugen; er kann nur die chemische Seite beitragen, also die wasserabweisende Schicht. Deshalb liegt die technische Obergrenze für eine Behandlung auf glattem Glas bei etwa 110 Grad, und genau dort landeten die beiden Versiegelungen. Der Begriff auf der Flasche beschreibt eine Richtung, nicht das Vorbild.
Der Abrollwinkel entscheidet über Regen
Praktisch wichtiger als der Randwinkel ist der Winkel, bei dem ein Tropfen von selbst abrollt. Eine Glasplatte wurde langsam gekippt, bis ein 50-Mikroliter-Tropfen ins Rollen kam: auf unbehandeltem Glas bei 62 Grad, nach dem Reiniger bei 34, nach der Zweikomponenten-Versiegelung bei 12. Ein senkrechtes Fenster steht bei 90 Grad, und dort rollt jeder Tropfen. Bei einem Dachfenster mit 35 Grad Neigung sieht es anders aus: dort bleibt Wasser auf unbehandeltem Glas und auf dem mit Reiniger behandelten stehen, auf der versiegelten Fläche läuft es ab. Für Dachfenster, Wintergartendächer und geneigte Verglasungen ist der Abrollwinkel deshalb die Zahl, auf die es ankommt.
Nach vier Wochen ist der Effekt weg
Die behandelten Flächen blieben vier Wochen an der Südseite eines Fensters, mit elf Regentagen im Zeitraum, und wurden jede Woche neu gemessen. Der Randwinkel der mit Reiniger behandelten Fläche fiel von 78 über 62 und 51 auf 41 Grad. Die Wischversiegelung fiel von 102 auf 88, die Zweikomponenten-Versiegelung von 111 auf 105.
Der Reiniger verliert damit mehr als die Hälfte seines Effekts, die Versiegelungen wenig. Der Grund liegt in der Bindung: der Reiniger legt eine Schicht auf, die Versiegelung reagiert chemisch mit der Glasoberfläche. Nach einer erneuten Reinigung lag der Reiniger wieder bei 78 Grad, und darin liegt seine Logik: er wirkt bis zur nächsten Fensterreinigung und nicht länger.
Schlieren beim Trocknen
Schlieren entstehen, wenn ein Wasserfilm ungleichmäßig abtrocknet und dabei gelöste Stoffe zurücklässt. Geprüft wurde auf einer Fläche von 40 mal 60 Zentimetern in vier Durchgängen mit Abzieher und Mikrofasertuch, bewertet über den Trübungswert gegen einen schwarzen Hintergrund.
Der alkoholhaltige Standardreiniger trocknete am gleichmäßigsten, weil Alkohol schneller verdunstet als Wasser und den Film nicht in Tropfen zerfallen lässt. Die beiden Lotus-Reiniger zeigten bei zwei von vier Durchgängen sichtbare Streifen, jeweils dort, wo nachgewischt wurde. Wer nachwischt, verteilt die eben aufgelegte Schicht ungleichmäßig, und genau das ist bei einem Produkt, dessen Wirkung auf einer Schicht beruht, der Fehler.
Was die Behandlung je Quadratmeter kostet
Der Verbrauch wurde durch Wiegen der Sprühflasche vor und nach der Behandlung bestimmt: 9 Milliliter je Quadratmeter Glasfläche für die Reiniger, 4 Milliliter für die Wischversiegelung. Bei Preisen von 3,95 € für 500 Milliliter Reiniger und 14,90 € für 100 Milliliter Versiegelung kostet der Quadratmeter 7 Cent beziehungsweise 60 Cent.
Über ein Jahr mit acht Fensterreinigungen kostet der Reiniger damit 56 Cent je Quadratmeter, die Versiegelung bei zwei Anwendungen im Jahr 1,20 €. Bei 20 Quadratmetern Fensterfläche sind das 11 gegen 24 Euro. Der Unterschied ist gering, der messbare Effekt nicht, und für geneigte Verglasung ist die Rechnung damit eindeutig.
Essig, Spülmittel und Zeitungspapier
Drei Hausmittel wurden mitgemessen. Wasser mit einem Spritzer Spülmittel ergab einen Randwinkel von 22 Grad, also unter dem von blankem Glas, weil das Tensid die Oberflächenspannung senkt. Essigwasser im Verhältnis eins zu zehn kam auf 31 Grad, reines Wasser mit Zeitungspapier abgezogen auf 29.
Alle drei reinigen, keines wirkt wasserabweisend, und das war zu erwarten. Interessant ist der Spülmittelwert: eine mit Spülmittelrest behandelte Scheibe zieht Wasser stärker an als eine unbehandelte, und deshalb entstehen dort mehr Wasserflecken. Wer mit Spülmittel putzt, spült deshalb nach, und dieser eine Schritt wirkt messbar mehr als jede Auszeichnung auf einer Flasche.
Kalkflecken sind das eigentliche Problem
Wasserflecken auf Glas sind meist Kalk, und Kalk hat mit dem Randwinkel nichts zu tun. Auf einer Testfläche wurden 5 Milliliter Leitungswasser mit 14 Grad deutscher Härte antrocknen gelassen: der zurückbleibende Rand enthielt rechnerisch 12 Milligramm Calciumcarbonat, was als sichtbarer weißer Ring erschien. Auf der versiegelten Fläche war der Ring kleiner, weil der Tropfen weniger Fläche berührte, aber genauso hell.
Entfernen ließ er sich mit Essigreiniger und drei Minuten Einwirkzeit vollständig, mit Glasreiniger nicht. Eine Versiegelung verhindert also nicht die Kalkflecken, sondern verkleinert sie, und wer im Hartwasserbereich wohnt, hat mit einem sauren Reiniger alle vier Wochen mehr gewonnen als mit jeder wasserabweisenden Schicht. Scheuermittel und Klingen bleiben außen vor: eine Rasierklinge entfernte den Ring, hinterließ aber unter der Lupe feine Kratzer, die den Trübungswert dauerhaft um 4 Prozent erhöhten.
Vorher gründlich entfetten
Die Versiegelungen wurden zweimal aufgetragen, einmal auf entfettetes und einmal auf normal geputztes Glas. Auf der entfetteten Fläche lag der Randwinkel bei 102 Grad, auf der nur geputzten bei 84. Entfettet wurde mit Isopropanol und einem fusselfreien Tuch, was zwei Minuten je Quadratmeter dauerte.
Achtzehn Grad Unterschied allein durch die Vorbereitung sind mehr, als zwischen zwei Produkten liegt. Eine Versiegelung bindet chemisch an die Glasoberfläche, und wo eine Fettschicht dazwischen liegt, bindet sie nicht. Wer eine solche Behandlung ohne Entfettung aufbringt, bezahlt das Produkt und bekommt die Hälfte, und dieselbe Regel gilt in kleinerem Maßstab auch für die Reiniger mit Lotus-Auszeichnung.
Was am Küchenfenster nicht messbar ist
Der Randwinkel wurde fotografisch bestimmt, was für Werte zwischen 20 und 120 Grad zuverlässig funktioniert und eine Genauigkeit von etwa zwei Grad erreicht. Für höhere Werte bräuchte es ein Messgerät, und da keines der geprüften Produkte in diese Region kommt, ist das ohne Belang.
Ungeklärt bleibt die Frage nach dem Schmutz. Ob eine wasserabweisende Fläche über Monate weniger verschmutzt, hängt an Staubart, Standort und Regenmenge und ließe sich nur über einen Sommer mit mehreren Fenstern beantworten.
Die Messreihe zeigt, wie Wasser sich verhält; sie zeigt nicht, wie oft das Fenster geputzt werden muss, und Aussagen dazu wären an dieser Stelle geraten.
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| Zeitpunkt | Glasreiniger A | Versiegelung Wischauftrag | Zweikomponenten | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Direkt nach dem Auftrag | 78° | 102° | 111° | |
| Nach 1 Woche | 62° | 99° | 110° | |
| Nach 2 Wochen | 51° | 94° | 108° | |
| Nach 4 Wochen | 41° | 88° | 105° | |
| Nach 4 Wochen und einer Reinigung | 78° | 85° | 104° |
Häufige Fragen
Erzeugt ein Glasreiniger einen echten Lotuseffekt?
Nein. Er hob den Randwinkel eines Wassertropfens von 28 auf 78 Grad, Abperlen beginnt bei 90 Grad und der Effekt am Lotusblatt liegt über 150. Dafür braucht es zusätzlich eine Mikrostruktur, die auf glattem Glas nicht entsteht.
Was leistet eine Glasversiegelung mehr?
Sie erreichte 102 bis 111 Grad Randwinkel und damit echtes Abperlen, und der Abrollwinkel sank von 62 auf 12 bis 18 Grad. Nach vier Wochen im Freien lag sie noch bei 88 bis 105 Grad, der Reiniger nur noch bei 41.
Wie lange hält der Effekt des Reinigers?
Bis zur nächsten Reinigung. Der Randwinkel fiel über vier Wochen von 78 über 62 und 51 auf 41 Grad. Nach einer erneuten Behandlung lag er wieder bei 78.
Für welche Fenster lohnt eine Versiegelung?
Für geneigte Verglasung. Bei einem Dachfenster mit 35 Grad Neigung bleibt Wasser auf unbehandeltem und auf mit Reiniger behandeltem Glas stehen, weil der Abrollwinkel 62 beziehungsweise 34 Grad beträgt; auf der Versiegelung mit 12 bis 18 Grad läuft es ab.
Warum entstehen Schlieren?
Weil der Wasserfilm ungleichmäßig abtrocknet. Der alkoholhaltige Standardreiniger trocknete am gleichmäßigsten. Die beiden Lotus-Reiniger zeigten bei zwei von vier Durchgängen Streifen, jeweils an den nachgewischten Stellen: Nachwischen verteilt die frisch aufgelegte Schicht ungleichmäßig.
Taugt Spülmittel als Fensterreiniger?
Zum Reinigen ja, danach entstehen aber mehr Wasserflecken. Eine mit Spülmittelrest behandelte Scheibe erreichte einen Randwinkel von 22 Grad, also unter den 28 Grad von blankem Glas, weil das Tensid die Oberflächenspannung senkt. Nachspülen behebt das.
Muss man vor einer Versiegelung entfetten?
Ja, und der Unterschied ist größer als der zwischen zwei Produkten. Auf entfettetem Glas lag der Randwinkel bei 102 Grad, auf nur geputztem bei 84. Entfetten mit Isopropanol und fusselfreiem Tuch dauert zwei Minuten je Quadratmeter.
Was kostet die Behandlung je Quadratmeter?
7 Cent für den Reiniger bei 9 ml Verbrauch und 3,95 € je 500 ml, 60 Cent für die Wischversiegelung bei 4 ml und 14,90 € je 100 ml. Über ein Jahr bei 20 Quadratmetern Fensterfläche sind das 11 gegen 24 Euro.
Geprüft im Juli 2026