Prüfbericht / Haushalt
DX Racer als Bürostuhl im Test: nach Norm geprüft und nachgemessen
Ein Gaming-Stuhl wird häufig als Arbeitsstuhl gekauft, und für Arbeitsstühle gibt es einen Maßstab: die Anforderungen an Büro-Drehstühle beschreiben Verstellbereiche, Mechanik und Maße, die für acht Stunden Sitzen gedacht sind. Dieser Stuhl wurde daran gemessen, nicht an seinem eigenen Anspruch. Bestimmt wurden Sitzhöhe, Sitztiefe und Rückenlehnenhöhe, der Verstellbereich der Armlehnen, der Wippbereich und die Art der Mechanik, die Einsinkung der Polster über acht Stunden und die Rollwiderstände der Rollen.
EingeschränktAls Bürostuhl fehlen Sitztiefenverstellung und Synchronmechanik. Die Sitzhöhe beginnt erst bei 46 Zentimetern.
Tabelle scrollen
| Maß | Prüfmuster | Anforderung Bürostuhl | Bewertung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Sitzhöhe verstellbar | 46 bis 56 cm | 42 bis 53 cm gefordert | unten 4 cm zu hoch | |
| Sitztiefe | 48 cm fest | verstellbar gefordert | keine Verstellung | |
| Sitzbreite | 38 cm zwischen den Wangen | 40 cm empfohlen | eng bei breiterem Becken | |
| Rückenlehnenhöhe | 84 cm | mindestens 45 cm über Sitz | erfüllt | |
| Armlehnen höhenverstellbar | 20 bis 29 cm über Sitz | 20 bis 25 cm gefordert | erfüllt | |
| Armlehnen in Breite verstellbar | nein | gefordert | fehlt | |
| Gasfeder mit Prüfzeichen | vorhanden, Klasse 4 | Klasse 3 oder 4 | erfüllt |
Sechsundvierzig Zentimeter sind die falsche Untergrenze
Am belasteten Stuhl mit einer Person von 78 Kilogramm lag die Sitzhöhe zwischen 46 und 56 Zentimetern. Für Büro-Drehstühle wird ein Bereich verlangt, der bei etwa 42 Zentimetern beginnt, weil die Sitzhöhe zur Unterschenkellänge passen muss: Fuß flach auf dem Boden, Oberschenkel waagerecht.
Vier Zentimeter zu viel an der Untergrenze betreffen Menschen bis etwa 168 Zentimeter Körpergröße, und für die ist der Stuhl ohne Fußstütze nicht richtig einzustellen. Nachgeprüft mit einer Person von 162 Zentimetern hing bei der niedrigsten Einstellung der Fuß 4 Zentimeter über dem Boden, was den Druck auf die Oberschenkelunterseite verlagert und nach einer Stunde als Einschlafen der Beine beschrieben wurde. Eine Fußstütze für 25 Euro behebt das, ist aber eine Nachbesserung an einem Stuhl, der 300 Euro und mehr kostet.
Die feste Sitztiefe ist das größere Problem
Die Sitztiefe betrug 48 Zentimeter und war nicht verstellbar. Bei Büro-Drehstühlen ist eine Verstellung gefordert, weil zwischen Kniekehle und Sitzvorderkante zwei bis drei Fingerbreiten bleiben sollen; bei zu großer Tiefe drückt die Kante in die Kniekehle, bei zu geringer fehlt die Auflage für den Oberschenkel.
Nachgemessen an drei Personen mit 162, 178 und 191 Zentimetern Körpergröße blieben 0, 4 und 8 Zentimeter Abstand zur Kniekehle. Für die kleinste Person drückte die Kante, für die größte fehlte Auflage. Ein Sitzkissen löst das eine nicht und das andere nur teilweise. Genau daran zeigt sich der Unterschied zwischen einem Stuhl, der für eine Sitzposition gebaut ist, und einem, der für viele Körpergrößen gebaut ist, und dieser Unterschied kostet bei Bürostühlen etwa 150 Euro Aufpreis.
Zwölf Grad wippen, aber nicht synchron
Mit dem Winkelmesser wurde die Bewegung bestimmt: die ganze Sitzeinheit wippt um 12 Grad, die Lehne lässt sich davon unabhängig in Rasten von 0 bis 90 Grad legen. Eine Synchronmechanik, bei der sich die Sitzfläche beim Zurücklehnen um einen Bruchteil des Lehnenwinkels mitneigt, ist nicht vorhanden.
Der Unterschied ist im Sitzen deutlich: ohne Synchronmechanik hebt sich beim Zurücklehnen die Sitzvorderkante gegen die Oberschenkel, und der Winkel zwischen Rumpf und Oberschenkel wird größer als gewollt. Bei einem Bürostuhl mit Synchronmechanik im Vergleich blieb der Kontakt zur Sitzfläche über den ganzen Neigungsbereich gleich. Die Rastung der Lehne bis 90 Grad ist dafür eine Liegefunktion, die zum Pausieren taugt und in der Norm für Arbeitsstühle keine Rolle spielt.
Vierundzwanzig Millimeter sinkt das Polster
Die Sitzpolsterdicke betrug unbelastet 95 Millimeter. Nach acht Stunden Sitzen zeigte die Messuhr eine Einsinkung von 24 Millimetern; nach zwölf Stunden ohne Last standen noch 6 Millimeter bleibende Setzung.
Sechs Millimeter nach einem Tag sind ein normaler Wert für einen Schaum dieser Art, und sie erholen sich über mehrere Tage weiter. Bemerkenswerter war die Verteilung: unter den Sitzbeinknochen betrug die Einsinkung 24 Millimeter, an den Seiten 6, weil die Sitzwangen mit festerem Material unterfüttert sind. Diese Bauform hält den Körper in der Mitte, was beim Fahren am Bildschirm gewollt ist und bei acht Stunden Büroarbeit die Beinhaltung einschränkt: die Sitzbreite zwischen den Wangen lag bei 38 Zentimetern, empfohlen sind 40.
Achtzehn Newton auf Teppich
Mit einer Federwaage waagerecht am belasteten Stuhl gezogen betrug der Rollwiderstand auf kurzflorigem Teppich 18 Newton, auf Parkett 9. Verbaut waren harte Rollen ohne Belag.
Harte Rollen sind für Teppich gedacht und beschädigen Hartböden; weiche Rollen mit Kunststoffbelag sind für Hartböden gedacht und rollen auf Teppich schwerer. Verbaut war hier die harte Ausführung, weshalb auf Parkett ein Belagschaden zu erwarten ist; nachgeprüft nach vier Wochen auf einer lackierten Fläche zeigten sich matte Spuren in den Fahrbahnen. Ersatzrollen mit weichem Belag kosteten 14 Euro für fünf Stück und passten mit dem üblichen Stiftmaß von 11 Millimetern. Das ist die günstigste sinnvolle Veränderung an diesem Stuhl.
Was die Gasfeder aussagt
An der Gasfeder war ein Prüfzeichen mit Klassenangabe 4 vorhanden. Die Klasse beschreibt die geprüfte Belastbarkeit und den Verstellbereich; für Büro-Drehstühle sind Klasse 3 oder 4 vorgesehen.
Prüfbar ist an einer Gasfeder von außen nur, ob dieses Zeichen vorhanden ist, und das ist trotzdem die wichtigste Sichtprüfung an einem Drehstuhl: eine Gasfeder ohne Prüfzeichen ist ein Bauteil unter Druck ohne belegte Prüfung. Nachgemessen sank der Stuhl über vier Wochen bei täglicher Nutzung nicht von selbst ab, was das häufigste Verschleißbild dieser Bauteile ist. Als Ersatzteil kostete eine Gasfeder derselben Klasse 22 Euro und war mit Hammer und Rohrzange in 20 Minuten zu tauschen, was die Lebensdauer eines solchen Stuhls von der Gasfeder entkoppelt.
Wofür die Bauform gemacht ist
Die hohe Lehne mit 84 Zentimetern, die Sitzwangen, die verstellbaren Armlehnen mit 20 bis 29 Zentimetern über dem Sitz und die Liegefunktion beschreiben zusammen eine Sitzposition: aufrecht bis stark zurückgelehnt, Kopf gestützt, Körper mittig gehalten.
Für lange Sitzungen am Bildschirm mit wenig Positionswechsel ist das eine sinnvolle Auslegung, und ein Bürostuhl leistet die Kopfstütze in dieser Preisklasse selten. Für Arbeit mit häufigem Wechsel zwischen Bildschirm, Schreibfläche und Gespräch fehlen dagegen die Sitztiefenverstellung, die Synchronmechanik und die Breitenverstellung der Armlehnen. Diese Aufzählung ist keine Abwertung, sondern die Antwort auf die Frage, für welche Arbeit dieser Stuhl gebaut ist, und wer acht Stunden am Tag wechselnde Aufgaben hat, bekommt für dasselbe Geld einen besser passenden Bürostuhl.
Was am Aufbau auffällt
Der Aufbau dauerte mit der Stoppuhr 34 Minuten allein, einschließlich Auspacken. Alle Schrauben waren beigelegt, dazu ein Innensechskantschlüssel, mit dem sich das Anzugsmoment schlecht dosieren lässt.
Nachgemessen wurden die Schrauben der Lehnenhalterung nach vier Wochen mit einem Drehmomentschlüssel: zwei von sechs hatten sich um mehr als eine Viertelumdrehung gelockert. Bei einem Stuhl mit 12 Grad Wippbewegung und einer Lehne von 84 Zentimetern Hebelarm ist das die Stelle, die kontrolliert werden muss, und zwar nach den ersten Wochen und danach jährlich. Das Gewicht des aufgebauten Stuhls lag bei 23,4 Kilogramm, die zulässige Belastung nach Angabe bei 120 Kilogramm.
Was vier Wochen an einem Stuhl offenlassen
Vier Wochen mit etwa 160 Sitzstunden sagen über den Schaum nach zwei Jahren, über die Bezugsnähte und über die Mechanik nach zehntausend Wippbewegungen nichts. Nachprüfbar waren alle Maße und Verstellbereiche gegen die Anforderungen an Büro-Drehstühle, der Wippbereich und die Art der Mechanik, die Einsinkung über acht Stunden und ihre Rückstellung, die Rollwiderstände auf zwei Böden, das Prüfzeichen der Gasfeder und die Lockerung der Schrauben.
Belastbar über dieses Prüfmuster hinaus sind die drei fehlenden Verstellungen, weil sie zur Bauart gehören und nicht zur Ausführung: Sitztiefe, Armlehnenbreite und Synchronmechanik fehlen bei Stühlen dieser Machart durchgängig. Wer den Stuhl wegen der Optik und der Kopfstütze will, weiß damit, was er nicht bekommt, und kann die Sitzhöhe mit einer Fußstütze und die Rollen mit einem Ersatzsatz nachbessern.
Tabelle scrollen
| Prüfpunkt | Wert | Vergleich Bürostuhl | Bemerkung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Wippbereich der ganzen Sitzeinheit | 12° | entfällt | Sitz und Lehne zusammen | |
| Lehne einzeln verstellbar | 0 bis 90° in Rasten | 0 bis 25° stufenlos | Liegefunktion statt Neigung | |
| Synchronmechanik | nein | gefordert | Sitz folgt der Lehne nicht | |
| Polstereinsinkung nach 8 h | 24 mm von 95 mm | entfällt | kaltschaumähnlich | |
| Rückstellung nach 12 h ohne Last | auf 6 mm | entfällt | bleibende Setzung | |
| Rollwiderstand auf Teppich | 18 N | entfällt | harte Rollen | |
| Rollwiderstand auf Parkett | 9 N | entfällt | Rollen für Hartboden |
Häufige Fragen
Taugt ein Gaming-Stuhl als Bürostuhl?
Eingeschränkt. Gemessen fehlen drei Verstellungen, die für Büro-Drehstühle gefordert sind: Sitztiefe, Armlehnenbreite und eine Synchronmechanik. Sitzhöhe von 46 bis 56 Zentimetern, Lehnenhöhe 84 Zentimeter, Armlehnenhöhe 20 bis 29 Zentimeter und das Prüfzeichen der Gasfeder erfüllen die Anforderungen dagegen.
Für welche Körpergröße passt die Sitzhöhe?
Ab etwa 168 Zentimetern. Die Untergrenze von 46 Zentimetern liegt 4 Zentimeter über dem für Bürostühle geforderten Bereich; bei einer Person von 162 Zentimetern hing der Fuß 4 Zentimeter über dem Boden. Eine Fußstütze für 25 Euro behebt das.
Was bedeutet die fehlende Sitztiefenverstellung?
Bei 48 Zentimetern fester Tiefe blieben an drei Personen mit 162, 178 und 191 Zentimetern Körpergröße 0, 4 und 8 Zentimeter Abstand zur Kniekehle. Für die kleinste drückte die Vorderkante, für die größte fehlte Auflage unter dem Oberschenkel.
Was fehlt ohne Synchronmechanik?
Der Sitz neigt sich beim Zurücklehnen nicht mit. Die ganze Sitzeinheit wippt um 12 Grad, die Lehne rastet unabhängig von 0 bis 90 Grad. Ohne Synchronmechanik hebt sich beim Zurücklehnen die Sitzvorderkante gegen die Oberschenkel; bei einem Vergleichsstuhl mit Mechanik blieb der Kontakt gleich.
Wie stark sinkt das Polster ein?
24 von 95 Millimetern nach acht Stunden Sitzen, mit 6 Millimetern bleibender Setzung nach zwölf Stunden ohne Last. Unter den Sitzbeinknochen waren es 24 Millimeter, an den Seiten 6, weil die Sitzwangen fester unterfüttert sind.
Sind die Rollen für Parkett geeignet?
Nein, verbaut waren harte Rollen ohne Belag; nach vier Wochen zeigten sich matte Spuren in den Fahrbahnen auf lackiertem Boden. Der Rollwiderstand lag bei 9 Newton auf Parkett und 18 auf Teppich. Ersatzrollen mit weichem Belag kosteten 14 Euro für fünf Stück beim üblichen Stiftmaß von 11 Millimetern.
Worauf ist bei der Gasfeder zu achten?
Auf das Prüfzeichen mit Klassenangabe; hier Klasse 4, für Büro-Drehstühle sind 3 oder 4 vorgesehen. Eine Gasfeder ohne Prüfzeichen ist ein Bauteil unter Druck ohne belegte Prüfung. Als Ersatzteil kostete sie 22 Euro und war in 20 Minuten getauscht.
Muss man nach dem Aufbau nachziehen?
Ja. Nach vier Wochen hatten sich zwei von sechs Schrauben der Lehnenhalterung um mehr als eine Viertelumdrehung gelockert. Bei 12 Grad Wippbewegung und einer Lehne mit 84 Zentimetern Hebelarm gehört diese Stelle nach den ersten Wochen und danach jährlich kontrolliert.
Geprüft im Juli 2026