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Prüfbericht  /  Haushalt

Abmattierung der Haare im Test: Gegenfarbe, Einwirkzeit, Haltbarkeit

Abmattieren heißt, eine Farbe mit ihrer Gegenfarbe zu neutralisieren, und das ist ein Vorgang mit Messwerten. Der Gelbanteil von aufgehellten Haarsträhnen wurde über die Einwirkzeit und über sechs Wäschen mit einem Farbmessgerät verfolgt.

Geprüft15 Minuten senken den Gelbwert um 57 Prozent. Nach sechs Wäschen ist er zurück.

Gelbwert auf der Blau-Gelb-Achse, violettes Pigment auf aufgehelltem Haar, Strähne je Zeitstufe
EinwirkzeitGelbwertRückgangSichtbarer TonBefund
0 min28,4–deutlich gelb
5 min22,6−20 %gelb, leicht gedämpft
10 min16,3−43 %neutral bis leicht kühl
15 min12,1−57 %aschig
20 min9,4−67 %aschig mit violettem Schimmer

Abmattieren ist Gegenfarbe und kein Aufhellen

Zwei Vorgänge werden regelmäßig verwechselt. Aufhellen entfernt Pigment aus dem Haar und ist eine chemische Zerstörung des Farbstoffs. Abmattieren legt Pigment auf das Haar und verändert nichts an dem, was darunter liegt.

Daraus folgt die wichtigste Einschränkung: eine Abmattierung kann einen Gelbstich neutralisieren, aber keine Stufe heller machen. Wer auf einem dunkelblonden Ausgangshaar Aschblond erwartet, verlangt vom Pigment eine Aufgabe, für die es nicht gemacht ist.

Umgekehrt ist die Abmattierung der einzige Weg, ein bereits aufgehelltes Haar kühl aussehen zu lassen. Weiter aufzuhellen macht es heller, aber nicht kühler, weil beim Aufhellen die gelben und orangen Anteile am längsten überstehen.

Der Farbkreis liefert die Zuordnung

Auf dem Farbkreis liegen Gelb und Violett einander gegenüber, ebenso Orange und Blau sowie Rot und Grün. Zwei gegenüberliegende Farben heben sich zu einem Grau auf, und genau das ist der Effekt, den eine Abmattierung erzeugt.

Für die Praxis heißt das eine kurze Zuordnung. Ein gelber Ton verlangt violettes Pigment, ein orangefarbener Ton blaues, ein rötlicher Ton grünes. Wer bei orangefarbenem Haar zu Violett greift, korrigiert an der falschen Achse und erhält einen schmutzigen Ton.

Die Farbe der Flüssigkeit in der Flasche ist dabei der Hinweis. Ein Produkt für Gelbstich sieht violett bis fast schwarz aus, ein Produkt gegen Kupfertöne blau. Das ist keine Aufmachung, sondern die Wirkweise des Inhalts.

Fünf Zeitstufen, fünf Ergebnisse

Auf fünf gleichen Strähnen mit einem Ausgangsgelbwert von 28,4 wirkte dasselbe violette Pigment 0, 5, 10, 15 und 20 Minuten. Der Gelbwert fiel dabei auf 22,6, 16,3, 12,1 und 9,4.

Der Rückgang verläuft nicht linear. Die ersten fünf Minuten nahmen 20 % des Gelbanteils, die zweiten weitere 23 Punkte, danach flachte die Kurve ab. Wer die Einwirkzeit verdoppelt, verdoppelt also nicht den Effekt.

Nach zwanzig Minuten kippte das Ergebnis in die andere Richtung. Der Gelbwert war mit 9,4 am niedrigsten, gleichzeitig stieg der Rotanteil an, was als violetter Schimmer sichtbar wurde. Das ist der Punkt, an dem aus Neutralisieren ein Einfärben wird.

Praktikabel lag das Fenster damit zwischen 10 und 15 Minuten. Auf porösem, mehrfach aufgehelltem Haar sind es weniger, weil das Pigment schneller eindringt, und dort empfiehlt sich eine Kontrolle nach fünf Minuten an einer verdeckten Stelle.

Aschblond braucht eine Grundlage

Ein aschblondes Ergebnis setzt einen hellen, gleichmäßigen Untergrund voraus. Liegt der Ausgangston noch im mittleren Blond mit starkem Orangeanteil, ergibt violettes Pigment darauf einen graubraunen bis schmutzigen Ton.

Dahinter steht die Achse: Orange wird von Blau neutralisiert, nicht von Violett. Ein Haar mit gemischtem Gelb- und Orangeanteil braucht deshalb entweder ein Produkt mit beiden Pigmenten oder eine weitere Aufhellstufe, bevor abmattiert wird.

Prüfen lässt sich das am nassen Haar bei Tageslicht am Fenster. Sieht der Ansatz gelb und die Spitze orange aus, ergibt eine gleichmäßige Abmattierung zwei verschiedene Ergebnisse in einem Kopf, und das ist der häufigste Grund für ein fleckiges Resultat.

Silbershampoo, Tönung oder reines Pigment

Drei Produktarten liegen im Regal und unterscheiden sich in der Pigmentmenge. Silbershampoo enthält am wenigsten, wirkt in der Dusche mit ein bis drei Minuten und ist für die Erhaltung gemacht.

In der Messreihe senkte Silbershampoo den Gelbwert von 28,4 auf 19,8, also um 30 %, gegenüber 57 % bei der Tönung mit 15 Minuten. Es kommt damit an die Wirkung einer Tönung nicht heran und ist auch nicht dafür gedacht.

Reines Direktpigment zum Anmischen in den Conditioner ist die dritte Variante und die am besten steuerbare, weil die Dosis frei wählbar ist. Sie verlangt dafür Erfahrung: ein Tropfen zu viel auf hellem Haar ist ein sichtbarer Farbton und keine Korrektur.

Nach sechs Wäschen ist es zurück

Die getönten Strähnen wurden sechsmal mit mildem Shampoo bei 38 °C gewaschen. Der Gelbwert stieg von 12,1 über 14,6 und 17,9 auf 21,8 und lag damit nach sechs Wäschen nahe am unbehandelten Ausgangswert.

Das liegt an der Bauart des Verfahrens: Direktpigmente lagern sich an und in die äußeren Schichten ein, ohne dauerhaft gebunden zu werden. Jede Wäsche trägt einen Teil davon ab, und heißes Wasser trägt mehr ab als lauwarmes.

Für den Alltag heißt das, mit einer Erhaltungsroutine zu rechnen statt mit einer einmaligen Behandlung. Eine Wäsche mit Silbershampoo alle zwei bis drei Haarwäschen hielt den Gelbwert in der Reihe unter 16, was optisch neutral blieb.

Violette Strähnen und graue Spitzen

Zwei Fehler treten regelmäßig auf, und beide haben mit ungleicher Aufnahmefähigkeit zu tun. Poröse Spitzen nehmen Pigment schneller auf als der gesunde Ansatz, weshalb ein gleichmäßiger Auftrag ungleichmäßig endet: Spitzen grau bis violett, Ansatz noch gelb.

Die Gegenmaßnahme ist die Reihenfolge. Erst den Ansatz auftragen, die Spitzen die letzten drei bis fünf Minuten mitnehmen. Diese Aufteilung glich in der Reihe einen Unterschied von 4,2 Gelbwertpunkten zwischen Ansatz und Spitze fast vollständig aus.

Der zweite Fehler ist zu viel Pigment auf sehr hellem Haar. Bei einem Ausgangsgelbwert unter 12, also bereits kühlem Blond, führte dieselbe Tönung nach 15 Minuten zu einem sichtbaren Lila. Auf solchem Haar gehört das Produkt verdünnt in den Conditioner und nicht pur aufs Haar.

Wann der Weg über den Friseur kürzer ist

Abmattieren selbst ist ein risikoarmer Vorgang, weil kein Aufhellungsmittel im Spiel ist. Der pH-Wert der geprüften Tönung lag bei 4,5, also im leicht sauren Bereich, gegenüber einem Aufhellungsmittel bei etwa 10.

Riskant wird der Schritt davor. Wer aufhellen muss, um den nötigen Untergrund zu erreichen, arbeitet mit einem Mittel, das die Haarstruktur angreift, und bei mehrfach behandeltem Haar steht Haarbruch am Ende. Diese Einschätzung braucht einen Blick auf das Haar und keine Anleitung.

Drei Fälle gehören deshalb in den Salon: ein ungleichmäßiger Ansatz über mehrere Farbgenerationen, ein geplanter Sprung von mehr als zwei Aufhellstufen, und Haar, das sich nass gummiartig anfühlt. In den übrigen Fällen ist die Abmattierung eine Sache von zwanzig Minuten am Waschbecken.

Farbmessgerät an zehn gleichen Strähnen

Gearbeitet wurde mit Echthaarsträhnen derselben Charge, aufgehellt in einem Durchgang, damit der Ausgangswert übereinstimmt. Die Streuung des Gelbwerts lag vor der Behandlung bei 0,6 Punkten.

Der Gelbwert ist die Blau-Gelb-Achse einer Farbmessung nach dem üblichen dreiachsigen System, abgelesen mit einem Handmessgerät auf der trockenen, glatt gelegten Strähne, drei Messpunkte je Strähne gemittelt.

Zur Wirkung auf gefärbtem oder chemisch behandeltem Haar fehlt hier die Grundlage über längere Zeiträume, und nicht geprüft wurden Verträglichkeit und Allergiepotenzial der Rezepturen. Beides verlangt andere Mittel als ein Farbmessgerät.

Haltbarkeit über Haarwäschen – dieselben Strähnen, Wäsche mit mildem Shampoo bei 38 °C
WäschenNach 15 min TönungNach SilbershampooBemerkungBefund
012,119,8Ausgangspunkt nach der Behandlung
214,623,1erste Rückkehr sichtbar
417,926,0deutlich wärmer
621,827,9nahe am unbehandelten Wert

Häufige Fragen

Was bedeutet Abmattieren?

Eine Farbe mit ihrer Gegenfarbe zu neutralisieren. Gelb wird von Violett aufgehoben, Orange von Blau, Rot von Grün. Es wird Pigment aufgelegt, nicht entfernt, weshalb eine Abmattierung nicht aufhellt.

Wie lange muss eine Abmattierung einwirken?

Zehn bis fünfzehn Minuten. Der Gelbwert fiel von 28,4 auf 16,3 nach zehn und auf 12,1 nach fünfzehn Minuten. Nach zwanzig Minuten stieg der Rotanteil, was als violetter Schimmer sichtbar wurde.

Warum wird das Ergebnis manchmal schmutzig statt aschig?

Weil an der falschen Achse korrigiert wurde. Violettes Pigment neutralisiert Gelb, nicht Orange. Ein Haar mit Orangeanteil braucht blaues Pigment oder eine weitere Aufhellstufe, bevor abmattiert wird.

Wie lange hält die Abmattierung?

Etwa vier bis sechs Haarwäschen. Der Gelbwert stieg von 12,1 über 17,9 nach vier auf 21,8 nach sechs Wäschen und lag damit nahe am unbehandelten Wert. Direktpigmente werden nicht dauerhaft gebunden.

Reicht Silbershampoo aus?

Für die Erhaltung ja, für die Korrektur nicht. Es senkte den Gelbwert um 30 %, die Tönung mit 15 Minuten um 57 %. Eine Wäsche alle zwei bis drei Haarwäschen hielt den Wert unter 16 und damit optisch neutral.

Warum werden die Spitzen violett und der Ansatz bleibt gelb?

Poröse Spitzen nehmen Pigment schneller auf. Die Lösung ist die Reihenfolge: erst den Ansatz auftragen, die Spitzen nur die letzten drei bis fünf Minuten mitnehmen. Das glich einen Unterschied von 4,2 Punkten fast vollständig aus.

Schädigt Abmattieren das Haar?

Kaum, weil kein Aufhellungsmittel im Spiel ist: der pH der geprüften Tönung lag bei 4,5 gegen etwa 10 bei einem Aufhellungsmittel. Riskant ist der Schritt davor, wenn zuvor aufgehellt werden muss.

Wann sollte ein Salon übernehmen?

Bei ungleichmäßigem Ansatz über mehrere Farbgenerationen, bei einem geplanten Sprung von mehr als zwei Aufhellstufen und bei Haar, das sich nass gummiartig anfühlt. Sonst ist es eine Sache von zwanzig Minuten am Waschbecken.

Geprüft im August 2026