Prüfbericht / Haushalt
Haarfarbe 9.1 im Test: was aus welchem Ausgangston tatsächlich wird
Eine Nummer auf einer Haarfarbenpackung beschreibt ein Ziel und kein Ergebnis. Was tatsächlich herauskommt, hängt am Ausgangston, und dieser Zusammenhang lässt sich messen: dieselbe Coloration lief auf vier Strähnen mit den Stufen 5 bis 8.
BedingtAb Stufe 7 trifft sie ihr Ziel. Ab Stufe 6 wird es kupfrig statt aschig.
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| Ausgangston | Ziel | Ergebnis | Gelbwert | Befund |
|---|---|---|---|---|
| 8, hellblond | 9 | 9,0 | 14 | |
| 7, mittelblond | 9 | 8,5 | 18 | |
| 6, dunkelblond | 9 | 7,5 | 26 | |
| 5, hellbraun | 9 | 6,5 | 34 |
Was die Ziffern bedeuten
Eine Nummer wie 9.1 besteht aus zwei Teilen. Die Zahl vor dem Punkt ist die Helligkeitsstufe auf einer Skala von 1 für Schwarz bis 10 für Hellstblond; 9 steht für hellblond.
Die Ziffern nach dem Punkt beschreiben die Nuance, also die Farbrichtung. Die 1 steht für asch, was in der Praxis blaue und violette Pigmente bedeutet, die Gelb und Orange neutralisieren. Eine 9.1 ist damit ein hellblond mit kühler Richtung.
Eine zweite Ziffer verstärkt dieselbe Richtung. 8.11 ist ein mittelblond mit verstärktem Aschanteil und damit kühler als eine 8.1, aber eine Stufe dunkler als eine 9.1. Wer zwischen zwei Nummern wählt, vergleicht also zwei Größen gleichzeitig, und die erste Ziffer wiegt schwerer.
Zwei Stufen aufhellen, nicht vier
Eine Coloration aus dem Handel arbeitet mit Wasserstoffperoxid in einer Konzentration, die für zwei bis drei Stufen Aufhellung reicht. Diese Grenze steht auf keiner Packung, folgt aber unmittelbar aus der Chemie.
Deshalb traf die geprüfte 9.1 ihr Ziel nur auf einem Ausgangston der Stufe 8 exakt. Von Stufe 7 aus kam sie auf 8,5, von Stufe 6 auf 7,5 und von Stufe 5 auf 6,5. Der Abstand zum Ziel wuchs also mit jedem Schritt.
Die Rechnung dahinter ist einfach und vor dem Kauf brauchbar: eigene Stufe plus zwei ergibt das erreichbare Ergebnis. Wer aus Stufe 5 eine 9 machen will, verlangt vier Stufen und braucht ein Aufhellungsmittel, keine Coloration.
Warum es kupfrig wird statt aschig
Der Gelbwert erzählt den zweiten Teil der Geschichte. Aus Stufe 8 kam die Strähne auf 14, aus Stufe 7 auf 18, aus Stufe 6 auf 26 und aus Stufe 5 auf 34, wo der Ton als deutlich orange erkennbar war.
Das liegt an der Reihenfolge, in der Haarpigmente beim Aufhellen zerfallen. Zuerst gehen die dunklen Anteile, übrig bleiben rote, dann orange, dann gelbe. Ein Haar, das nur zwei Stufen aufgehellt wird, steht mitten in dieser Reihe und bringt Orange mit.
Die Aschpigmente der Coloration können eine begrenzte Menge davon neutralisieren. Bei 26 oder 34 Gelbwert ist diese Menge überschritten, und dann bleibt das Orange sichtbar, obwohl auf der Packung asch steht. Das ist kein Produktfehler, sondern eine Mengenfrage.
Was vorher-nachher-Bilder nicht zeigen
Ein Bildpaar zu einer Nummer ist für die Einschätzung wertlos, solange der Ausgangston nicht bekannt ist. Dieselbe Coloration ergab in der Messreihe vier verschiedene Ergebnisse, und alle vier waren korrekt.
Aussagekräftig wird ein Bildpaar nur mit drei Angaben: Ausgangsstufe, ob das Haar vorher schon gefärbt war und ob es sich um Ansatz oder Längen handelt. Fehlt eine davon, zeigt das Bild ein Ergebnis, das sich nicht übertragen lässt.
Am nächsten kommt der eigenen Einschätzung eine Strähnenprobe. Eine verdeckte Strähne im Nacken, mit derselben Farbe und derselben Einwirkzeit behandelt, kostet ein Achtel der Tube und zeigt genau das Ergebnis, das der ganze Kopf bekommen würde.
Die Einwirkzeit ändert die Deckung, nicht die Stufe
Auf drei Strähnen derselben Ausgangsstufe wirkte die Coloration 20, 30 und 40 Minuten. Die Helligkeitsstufe unterschied sich am Ende um weniger als eine halbe Stufe, die Grauabdeckung dagegen deutlich.
Dahinter steht die Aufteilung der Vorgänge. Die Aufhellung durch das Peroxid ist nach etwa 20 Minuten weitgehend abgeschlossen, die Einlagerung der Farbstoffe braucht länger. Wer zu kurz einwirkt, hat die Aufhellung und nicht die Farbe.
Für die Praxis heißt das: die auf der Packung genannte Zeit wird ausgenutzt, aber nicht überschritten. Über die Zeit hinaus wird nichts heller, und die Haarstruktur nimmt weiter Schaden, weil das Peroxid weiterarbeitet.
Fünf Wochen bis zum sichtbaren Ansatz
Bei einem Wachstum von 3 Millimetern je Monat ist der Nachwuchs nach zwei Wochen 1,5 Millimeter lang und praktisch unsichtbar. Nach fünf Wochen sind es 3,8 Millimeter, und dann ist die Ansatzlinie an einem gescheitelten Haar erkennbar.
Bei einem großen Unterschied zwischen Naturfarbe und Coloration verkürzt sich das. Von Stufe 5 auf Stufe 6,5 bleibt der Ansatz lange unauffällig; von Stufe 8 auf 9 ebenfalls. Kritisch ist die Kombination aus dunklem Naturhaar und heller Coloration, und die ist bei einer 9.1 auf dunkelblondem Haar gegeben.
Nachgefärbt wird nur der Ansatz. Wird die Farbe jedes Mal über die gesamte Länge gezogen, addieren sich Aufhellung und Farbstoff, und es entstehen die dunklen Bänder in den Längen, die viele Colorationen nach einem Jahr kennzeichnen.
Grau ist ein anderer Fall
Graues Haar hat kein Pigment und muss deshalb nicht aufgehellt, sondern nur eingefärbt werden. Das klingt einfacher und ist es nicht: eine pigmentfreie Faser nimmt Farbstoff anders auf und zeigt kühle Nuancen deutlicher.
In der Messreihe wirkte dieselbe 9.1 auf einer Strähne mit 60 Prozent Grauanteil sichtbar kühler bis leicht grünlich, weil die Aschpigmente nichts zu neutralisieren fanden und als eigene Farbe sichtbar wurden.
Deshalb tragen Colorationen für hohen Grauanteil meist eine goldene oder natürliche Nuance, also eine Ziffer 0, 3 oder 7 nach dem Punkt. Bei mehr als etwa der Hälfte grauer Haare ist eine Aschnuance die riskantere Wahl, und ein Mischen mit einer natürlichen Nuance derselben Stufe ist die üblichere Lösung.
Der Verträglichkeitstest ist keine Formalität
Colorationen enthalten Kupplersubstanzen, die eine Kontaktallergie auslösen können, und diese Allergie entsteht typischerweise nicht bei der ersten, sondern nach mehreren Anwendungen. Die Packungsbeilage verlangt deshalb einen Test 48 Stunden vor jeder Anwendung.
Der Test ist unbequem, weil er zwei Tage Vorlauf braucht, und wird deshalb übersprungen. Die Begründung dafür lautet meist, dass die Farbe schon oft benutzt wurde, und genau das ist der Fall, in dem die Sensibilisierung entsteht.
Zwei Situationen schließen die Anwendung aus, unabhängig vom Test: eine bekannte Reaktion auf Haarfarbe oder auf schwarze Henna-Tattoos und eine verletzte oder entzündete Kopfhaut. In beiden Fällen ist das kein Vorsichtshinweis, sondern eine Gegenanzeige.
Farbmessgerät, Stufenkarte, vier Ausgangstöne
Gearbeitet wurde mit Echthaarsträhnen in den Stufen 5, 6, 7 und 8 aus derselben Bezugsquelle, jeweils drei Strähnen je Stufe. Die Zuordnung der Ausgangs- und Ergebnisstufe erfolgte gegen eine Stufenkarte durch zwei Personen unabhängig, bei Tageslicht.
Der Gelbwert ist die Blau-Gelb-Achse einer dreiachsigen Farbmessung, abgelesen mit einem Handmessgerät an drei Punkten je trockener Strähne. Anmischverhältnis, Auftragsmenge je Gramm Haar und Einwirkzeit waren über alle Strähnen gleich.
Haarschädigung und Verträglichkeit blieben außerhalb der Messung. Der Grauanteil-Versuch beruht auf einer einzigen Strähne und ist als Hinweis zu lesen, nicht als Messwert.
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| Zeit | Nachwuchs | Sichtbarkeit | Vorgehen | Befund |
|---|---|---|---|---|
| 2 Wochen | 1,5 mm | kaum | nichts | |
| 5 Wochen | 3,8 mm | Ansatzlinie sichtbar | nur Ansatz färben | |
| 8 Wochen | 6,0 mm | deutlich | nur Ansatz färben | |
| 12 Wochen | 9,0 mm | breite Linie | Ansatz, Längen nicht durchziehen |
Häufige Fragen
Was bedeutet 9.1 bei einer Haarfarbe?
Die 9 ist die Helligkeitsstufe auf einer Skala von 1 für Schwarz bis 10 für Hellstblond, hier also hellblond. Die 1 nach dem Punkt steht für die Aschnuance, in der Praxis blaue und violette Pigmente, die Gelb und Orange neutralisieren.
Wird mein Haar mit 9.1 wirklich hellblond?
Nur ab Ausgangsstufe 8. Gemessen ergab dieselbe Coloration aus Stufe 8 die Stufe 9,0, aus Stufe 7 die 8,5, aus Stufe 6 die 7,5 und aus Stufe 5 die 6,5. Rechenregel: eigene Stufe plus zwei.
Warum wird das Ergebnis orange statt aschig?
Weil die Aschpigmente nur eine begrenzte Menge Orange neutralisieren können. Der Gelbwert lag bei Ausgangsstufe 8 bei 14, bei Stufe 6 bei 26 und bei Stufe 5 bei 34, und ab diesen Werten bleibt der warme Ton sichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen 9.1 und 8.11?
Zwei Dinge gleichzeitig: 8 ist eine Stufe dunkler als 9, und die doppelte 1 bedeutet einen verstärkten Aschanteil. Die 8.11 ist damit kühler, aber dunkler, und die erste Ziffer wiegt für das Ergebnis schwerer.
Bringt längere Einwirkzeit ein helleres Ergebnis?
Nein. Zwischen 20 und 40 Minuten unterschied sich die Helligkeitsstufe um weniger als eine halbe Stufe, die Grauabdeckung dagegen deutlich. Die Aufhellung ist nach etwa 20 Minuten weitgehend abgeschlossen, die Farbeinlagerung braucht länger.
Wann muss der Ansatz nachgefärbt werden?
Nach etwa fünf Wochen, wenn bei 3 Millimetern Wachstum im Monat 3,8 Millimeter nachgewachsen sind. Gefärbt wird nur der Ansatz; wird die Farbe jedes Mal durchgezogen, entstehen dunkle Bänder in den Längen.
Funktioniert eine Aschnuance auf grauem Haar?
Eingeschränkt. Auf einer Strähne mit 60 Prozent Grauanteil wirkte dieselbe Farbe deutlich kühler bis leicht grünlich, weil die Aschpigmente nichts zu neutralisieren fanden. Ab etwa der Hälfte grauer Haare ist eine natürliche oder goldene Nuance die sicherere Wahl.
Ist der Verträglichkeitstest nötig, wenn die Farbe schon oft benutzt wurde?
Gerade dann. Eine Kontaktallergie auf die Kupplersubstanzen entsteht typischerweise erst nach mehreren Anwendungen, weshalb die Beilage den Test 48 Stunden vor jeder Anwendung verlangt. Bei bekannter Reaktion auf Haarfarbe oder schwarze Henna-Tattoos entfällt die Anwendung ganz.
Geprüft im Juli 2026