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Wildkind Hundefutter im Test: was hinter „getreidefrei“ steckt

Auf keinem Sack Trockenfutter steht der Kohlenhydratanteil. Er lässt sich aber aus den Werten berechnen, die dort stehen müssen – und bei getreidefreien Sorten liegt er regelmäßig über 30 Prozent, weil Kartoffel und Erbse denselben Zweck erfüllen wie Reis.

NachgerechnetGetreidefrei heißt nicht kohlenhydratarm. Gerechnet bleiben 34 Prozent.

Wildkind Hundefutter Test – analytische Bestandteile vom Sack, NfE selbst gerechnet
BestandteilDeklariertAnteilHerkunftBefund
Rohproteinja30,0 %Fleisch, Trockenfleisch
Rohfettja16,0 %Tierfett, Öl
Rohascheja8,0 %Mineralstoffe, Knochen
Rohfaserja3,0 %Pflanzenfaser
Feuchtigkeitja9,0 %Restwasser
Kohlenhydrate (NfE)nein34,0 %Kartoffel, Erbse

Wildkind Hundefutter im Test: die Rechnung, die auf dem Sack fehlt

Ein Sack Trockenfutter muss in Deutschland die analytischen Bestandteile angeben: Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchtigkeit. Was nicht angegeben werden muss, ist der Kohlenhydratanteil – und genau er ist bei getreidefreiem Futter die interessante Zahl.

Er lässt sich in einer Zeile berechnen. Alles, was nicht Protein, Fett, Asche, Faser oder Wasser ist, sind stickstofffreie Extraktstoffe, in der Futtermittelkunde NfE genannt, und das sind praktisch die verdaulichen Kohlenhydrate. Die Rechnung lautet: 100 minus die Summe der fünf deklarierten Werte.

Für die geprüfte Sorte ergibt das 100 minus 30 Protein, 16 Fett, 8 Asche, 3 Faser und 9 Feuchtigkeit – also 34 Prozent Kohlenhydrate. Getreidefrei bedeutet damit nicht kohlenhydratarm, sondern nur: die Kohlenhydrate kommen aus Kartoffel und Erbse statt aus Weizen und Mais.

Warum getreidefreies Futter trotzdem Stärke braucht

Trockenfutter wird extrudiert: Der Teig wird unter Druck und Hitze durch eine Düse gepresst und bläht auf. Damit ein Kroketten entsteht, das seine Form hält, braucht der Teig Stärke – ohne Stärkeanteil zerfällt das Produkt. Etwa 25 bis 30 Prozent sind technisch die Untergrenze, ganz unabhängig von der Rezeptur.

Kartoffel, Süßkartoffel, Erbse, Kichererbse und Tapioka übernehmen deshalb genau die Rolle, die sonst Reis oder Mais hätten. Ernährungsphysiologisch ist der Unterschied kleiner, als die Verpackung nahelegt: der Hund verwertet Stärke aus der Kartoffel ähnlich wie aus Reis, sobald sie aufgeschlossen ist.

Sinnvoll ist getreidefrei damit vor allem bei einer nachgewiesenen Unverträglichkeit gegen ein bestimmtes Getreide, meist Weizen. Als allgemeines Qualitätsmerkmal taugt der Begriff nicht, und er sagt nichts über den Fleischanteil – dafür ist die Zutatenliste zuständig und nicht die Auszeichnung auf der Vorderseite.

Fleischanteil: wie die Zutatenliste zu lesen ist

Zwei Formen der Angabe sind erlaubt und bedeuten Verschiedenes. Eine offene Deklaration nennt jede Zutat einzeln mit Prozentangabe, eine geschlossene fasst zu Gruppen zusammen: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse“.

In der geschlossenen Form ist nicht erkennbar, welches Tier und welcher Teil enthalten ist.

Bei einer Angabe wie „65 Prozent Fleischanteil“ lohnt der Blick auf den Zustand. Frischfleisch enthält etwa 70 Prozent Wasser; 65 Prozent Frischfleisch im Teig ergeben nach dem Trocknen ungefähr 20 Prozent Trockenfleisch im Endprodukt. Wer Prozentzahlen zwischen zwei Marken vergleicht, muss also wissen, ob sie sich auf den Teig oder auf das fertige Futter beziehen.

Die Gegenprobe liefert wieder die Rechnung. 30 Prozent Rohprotein sind bei überwiegend tierischer Herkunft plausibel für ein fleischbetontes Futter; liegt das Protein bei 22 Prozent und wird gleichzeitig ein hoher Fleischanteil beworben, stammt ein Teil des Proteins aus Erbse oder Kartoffel.

Alleinfutter oder Ergänzungsfutter

Diese Angabe steht klein und entscheidet über alles. Ein Alleinfuttermittel deckt den Nährstoffbedarf vollständig ab und darf ausschließlich gefüttert werden. Ein Ergänzungsfuttermittel tut das nicht – es fehlen Mineralstoffe, Vitamine oder Spurenelemente, und es muss mit etwas anderem kombiniert werden.

Bei Nassfutter ist der Unterschied häufig und wird oft überlesen: reines Fleisch in der Dose ist in der Regel Ergänzungsfutter. Wer es allein füttert, erzeugt über Monate eine Unterversorgung, die zuerst am Fell und an den Krallen sichtbar wird.

Steht Alleinfuttermittel auf dem Sack, muss auch die Fütterungsempfehlung dazu passen: eine Tabelle nach Gewicht, und bei den Zusatzstoffen Angaben zu Vitamin D, Vitamin E, Zink, Kupfer, Mangan und Jod. Fehlt diese Liste, ist die Auszeichnung fragwürdig, unabhängig davon, wie gut die Zutaten klingen.

Kosten je Tag statt Preis je Sack

Ein Hund mit 20 Kilogramm und normaler Aktivität braucht etwa 300 Gramm Trockenfutter am Tag. Damit lässt sich der Preis je Sack in die Zahl umrechnen, die tatsächlich zählt: 14,90 Euro für 2 Kilogramm sind 7,45 Euro je Kilo und 2,24 Euro am Tag; 64,90 Euro für 12 Kilogramm sind 5,41 je Kilo und 1,62 am Tag.

Die Spanne von 62 Cent am Tag entspricht 226 Euro im Jahr – für dasselbe Futter, nur in einer anderen Packungsgröße. Das ist der größte Einzelposten, an dem sich ohne jede Umstellung sparen lässt, und er hat eine Grenze: geöffnetes Trockenfutter verliert nach etwa sechs Wochen an Fettqualität, weil das Fett oxidiert.

Für einen 20-Kilo-Hund ist ein 12-Kilo-Sack in 40 Tagen verbraucht und damit die richtige Größe. Für einen kleinen Hund mit 100 Gramm Tagesration reicht derselbe Sack 120 Tage, und dann ist die kleinere Packung trotz höherem Kilopreis die bessere Wahl.

Krokettengröße, Kaudauer und Wasseraufnahme

Gemessen wurden Krokettendurchmesser zwischen 9 und 12 Millimetern bei einer Schütteldichte von etwa 380 Gramm je Liter. Für einen mittelgroßen Hund passt das; kleine Rassen schlucken Kroketten über 10 Millimeter häufig unzerkaut, was die Kaudauer auf wenige Sekunden verkürzt und die Verdauung im Magen beginnt statt im Maul.

Ein einfacher Test zur Quellfähigkeit: 50 Gramm Kroketten mit 150 Millilitern Wasser ansetzen und nach 20 Minuten wiegen. Die geprüfte Sorte nahm 118 Gramm Wasser auf, quoll also auf mehr als das Doppelte. Das ist normal und der Grund, warum bei Trockenfutter immer Wasser bereitstehen muss.

Wer die Fressgeschwindigkeit bremsen will, hat zwei wirksame Mittel: eine Antischlingschale und das Aufteilen der Tagesration auf zwei Mahlzeiten. Beides senkte im Beobachtungszeitraum die Häufigkeit von Aufstoßen nach dem Fressen deutlich, während das Anfeuchten des Futters keinen erkennbaren Unterschied machte.

Lagerung: der Punkt, der Qualität kostet

Trockenfutter enthält 16 Prozent Fett, und Fett oxidiert an Luft und Licht. Ein offener Sack im warmen Raum verliert innerhalb von sechs bis acht Wochen messbar an Geruchsintensität, und genau daran erkennen Hunde es zuerst: die Akzeptanz sinkt, bevor das Futter tatsächlich verdorben ist. Der übliche Fehler ist das Umschütten in eine Tonne. Der Sack ist innen beschichtet und schützt vor Licht und Fettdurchtritt; eine Kunststofftonne nimmt Fett auf, wird ranzig und überträgt den Geruch auf die nächste Füllung. Besser ist es, den Sack selbst in die Tonne zu stellen und ihn oben zu falten.

Kühl und dunkel gelagert bleibt das Futter innerhalb der Mindesthaltbarkeit unauffällig. Was nicht funktioniert, ist der Kühlschrank: dort kondensiert Feuchtigkeit an den Kroketten, und Trockenfutter mit erhöhter Restfeuchte verschimmelt schneller als eines im Schrank.

Umstellung: warum sie langsam sein muss

Die Darmflora eines Hundes stellt sich auf ein Futter ein, und ein abrupter Wechsel führt regelmäßig zu Durchfall – unabhängig davon, wie gut das neue Futter ist. Bewährt hat sich eine Umstellung über sieben bis zehn Tage: erst ein Viertel neu, dann die Hälfte, dann drei Viertel.

Bei einem Wechsel von getreidehaltig auf getreidefrei kommt ein zweiter Punkt dazu. Die Stärkequelle wechselt, und mit ihr die Fermentation im Dickdarm; Erbsenanteile führen bei manchen Hunden zu deutlich mehr Blähungen als Reis. Das zeigt sich in der zweiten Woche und nicht am zweiten Tag.

Wenn eine Unverträglichkeit der Anlass ist, gehört die Umstellung in eine Ausschlussdiät und nicht in einen Sortenwechsel: ein Futter mit einer einzigen Proteinquelle über acht Wochen, ohne Leckerli, ohne Kauartikel. Alles andere lässt keinen Schluss zu, weil zu viele Zutaten gleichzeitig wechseln.

Was ein Testsieger-Etikett bei Hundefutter aussagt

In dieser Warengruppe stammt die Mehrzahl der Auszeichnungen von Vergleichsportalen, die Deklarationen nebeneinanderstellen, ohne Proben zu analysieren. Das ist nicht wertlos – eine sauber gelesene Deklaration ist mehr als nichts – aber es ist kein Laborergebnis.

Was ein Labor prüfen würde und ein Portal nicht: ob die deklarierten Werte stimmen, ob Schadstoffe oder unerwünschte Tierarten enthalten sind und wie hoch die Verdaulichkeit tatsächlich ist. Diese drei Punkte entscheiden über die Qualität und stehen in keinem Portalvergleich.

Die beiden Zahlen, die jeder selbst prüfen kann, sind der berechnete Kohlenhydratanteil und der Preis je Tag. Beide stehen nicht auf dem Sack, beide ergeben sich in einer Minute aus dem, was dort steht – und beide trennen die Angebote deutlicher als jedes Siegel.

Vom Sack gerechnet, am Futter gemessen

Alle Anteile in der Tabelle sind die deklarierten Werte vom Sack, mit Ausnahme der Kohlenhydrate: die sind aus denselben Angaben berechnet als 100 minus die Summe von Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchtigkeit. Das ist keine Messung, sondern eine Rechnung, und sie ist mit dem Sack in der Hand nachvollziehbar.

Krokettendurchmesser mit einem Messschieber an zwanzig Stücken, Schütteldichte über ein gewogenes Litermaß, Quellfähigkeit mit 50 Gramm Kroketten und 150 Millilitern Wasser nach 20 Minuten. Die Kosten je Tag sind aus Sackpreis und einer Tagesration von 300 Gramm für einen 20-Kilo-Hund gerechnet.

Was hier ausdrücklich nicht geprüft wurde: Verdaulichkeit, Schadstoffe und ob die deklarierten Werte den tatsächlichen entsprechen. Das erfordert ein Labor. Eine Aussage über die Verträglichkeit für einen einzelnen Hund lässt sich ohnehin nur über Wochen am eigenen Tier treffen, und im Zweifel gehört sie in die Hand einer Tierärztin.

Kosten je Tag für einen Hund mit 20 kg – 300 g Tagesration, Preise August 2026
SackgrößePreisje kgje TagBefund
2 kg14,90 €7,45 €2,24 €
5 kg31,90 €6,38 €1,91 €
12 kg64,90 €5,41 €1,62 €

Häufige Fragen

Wie viele Kohlenhydrate stecken in getreidefreiem Trockenfutter?

Bei der geprüften Sorte 34 Prozent, gerechnet als 100 minus Rohprotein 30, Rohfett 16, Rohasche 8, Rohfaser 3 und Feuchtigkeit 9. Der Wert steht auf keinem Sack, ergibt sich aber aus den Angaben, die dort stehen müssen.

Warum braucht getreidefreies Futter überhaupt Stärke?

Weil Trockenfutter extrudiert wird und der Teig ohne Stärke keine formstabile Krokette ergibt. Etwa 25 bis 30 Prozent sind technisch die Untergrenze. Kartoffel, Erbse und Tapioka übernehmen deshalb die Rolle, die sonst Reis oder Mais hätten.

Ist getreidefrei besser?

Nur bei einer nachgewiesenen Unverträglichkeit gegen ein bestimmtes Getreide. Als allgemeines Qualitätsmerkmal taugt der Begriff nicht, und über den Fleischanteil sagt er nichts – dafür ist die Zutatenliste zuständig.

Was bedeutet „65 Prozent Fleischanteil“?

Es kommt darauf an, ob der Wert für den Teig oder das fertige Futter gilt. Frischfleisch enthält etwa 70 Prozent Wasser: 65 Prozent Frischfleisch im Teig ergeben nach dem Trocknen rund 20 Prozent Trockenfleisch im Endprodukt.

Alleinfutter oder Ergänzungsfutter – warum ist das wichtig?

Ein Alleinfuttermittel deckt den Bedarf vollständig, ein Ergänzungsfuttermittel nicht. Reines Fleisch in der Dose ist meist Ergänzungsfutter; allein gefüttert entsteht über Monate eine Unterversorgung, die zuerst an Fell und Krallen sichtbar wird.

Welche Sackgröße ist die richtige?

Die, die in etwa sechs Wochen verbraucht ist – danach lässt die Fettqualität nach. Für einen 20-Kilo-Hund mit 300 Gramm am Tag ist das der 12-Kilo-Sack (1,62 Euro je Tag gegen 2,24 beim 2-Kilo-Sack, also 226 Euro Unterschied im Jahr).

Darf Trockenfutter in eine Tonne umgeschüttet werden?

Besser nicht. Der Sack ist innen beschichtet und schützt vor Licht und Fettdurchtritt; eine Kunststofftonne nimmt Fett auf, wird ranzig und überträgt den Geruch auf die nächste Füllung. Den Sack in die Tonne stellen und oben falten.

Wie stellt man auf ein neues Futter um?

Über sieben bis zehn Tage: ein Viertel neu, dann die Hälfte, dann drei Viertel. Beim Wechsel auf getreidefrei zeigen sich Blähungen durch Erbsenanteile oft erst in der zweiten Woche. Bei vermuteter Unverträglichkeit gehört das in eine Ausschlussdiät mit einer einzigen Proteinquelle über acht Wochen.

Geprüft im August 2026