Prüfbericht / Haushalt
Horizontalsperre per Injektion: Bohrbild, Verbrauch und Trockenzeit
Eine nachträgliche Horizontalsperre unterbricht den kapillaren Wasseraufstieg im Mauerwerk, indem eine wasserabweisende Schicht eingebracht wird. Wie viele Bohrungen dafür nötig sind, wie viel Material hineingeht und wie lange die Wand danach trocknet, lässt sich vorher rechnen.
Bedingt300 Milliliter je Meter bei 36 cm Wand. Die Wand braucht danach über ein Jahr.
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| Wanddicke | Bohrtiefe | Bohrungen je Meter | Verbrauch je Meter | Befund |
|---|---|---|---|---|
| 24 cm | 20 cm | 8,3 | 190 ml | |
| 30 cm | 26 cm | 8,3 | 245 ml | |
| 36 cm | 32 cm | 8,3 | 300 ml | |
| 50 cm | 46 cm | 8,3 | 430 ml |
Das Verfahren wirkt nur gegen kapillaren Aufstieg
Feuchte in einer Kellerwand hat drei mögliche Wege: kapillarer Aufstieg von unten, seitlich drückendes Wasser und Kondensation an der kalten Innenfläche. Eine Horizontalsperre unterbricht ausschließlich den ersten.
Zu unterscheiden sind die drei am Feuchtebild. Aufsteigende Feuchte zeigt einen waagerechten Rand in gleichmäßiger Höhe über dem Boden, meist mit Salzausblühungen darüber.
Drückendes Wasser zeigt Flecken ohne Systematik und feuchte Stellen auch weiter oben, Kondensation zeigt sich flächig an Außenecken und hinter Möbeln.
Wird eine Horizontalsperre gegen den falschen Weg eingesetzt, ändert sich nichts, und das Geld ist ausgegeben. Vor jeder Maßnahme steht deshalb die Feststellung der Ursache, notfalls mit einer Bauwerksdiagnose, und nicht die Wahl des Produkts.
Das Bohrbild folgt aus der Wanddicke
Gebohrt wird eine Reihe knapp über dem Boden, üblicherweise mit 12 Millimetern Durchmesser und in Abständen von 10 bis 12,5 Zentimetern. Bei 12 Zentimetern Abstand sind das 8,3 Bohrungen je laufenden Meter. Die Bohrtiefe beträgt die Wanddicke minus etwa 4 Zentimeter, damit die Bohrung nicht durchgeht: bei einer 36 Zentimeter starken Wand also 32 Zentimeter. Bei einer beidseitig zugänglichen Wand über 50 Zentimeter wird von beiden Seiten gebohrt.
Der Verbrauch folgt daraus geometrisch. Eine Bohrung von 12 Millimetern Durchmesser und 32 Zentimetern Tiefe hat ein Volumen von 36 Millilitern, bei 8,3 Bohrungen also 300 Milliliter je Meter. Diese Rechnung ist der einzige verlässliche Weg zur Materialmenge, weil die Herstellerangaben sich auf andere Bohrbilder beziehen können.
Waagerecht oder schräg bohren
Zwei Bohrrichtungen sind üblich. Waagerecht wird gebohrt, wenn das Material als Creme eingebracht wird, weil es nicht fließt und im Bohrloch bleibt. Schräg nach unten mit 30 bis 45 Grad wird gebohrt, wenn eine niedrigviskose Flüssigkeit drucklos einlaufen soll.
Die schräge Bohrung hat einen zweiten Grund: sie durchschneidet bei einer Ziegelwand mehrere Lagerfugen, und genau die Fugen sind der Hauptweg des Wasseraufstiegs. Bei einer Wand aus Bruchstein ohne durchgehende Fugen spielt das keine Rolle.
Praktisch entscheidet das Material die Richtung, nicht umgekehrt. Wer eine Creme kauft, bohrt waagerecht und arbeitet mit einer Kartuschenpistole mit Verlängerungsrohr; wer eine Flüssigkeit verwendet, braucht Schrägbohrungen und Trichter oder Druckpumpen und muss mit deutlich mehr Materialverbrauch rechnen, weil Hohlräume mitgefüllt werden.
Hohlräume sind das kalkulatorische Risiko
Die Verbrauchsrechnung gilt für ein Mauerwerk ohne Hohlstellen. Trifft eine Bohrung auf einen Hohlraum, eine offene Fuge oder einen Hohlblockstein, nimmt sie ein Mehrfaches auf, und das Material verteilt sich, ohne die Sperrschicht zu bilden.
Erkennbar ist es beim Bohren am Widerstand und an der Menge des Bohrmehls. In der Reihe nahmen zwei von 25 Bohrungen mehr als das Dreifache auf; beide lagen in einem Bereich, in dem die Wand nachträglich geöffnet und wieder geschlossen worden war.
Standardvorgehen dafür ist eine Vorinjektion mit einer Zementsuspension, die die Hohlräume schließt, und danach die eigentliche Injektion. Wer diesen Schritt überspringt, hat an dieser Stelle eine Lücke in der Sperre, und eine Sperre mit Lücke ist keine Sperre.
Die Feuchte messen, nicht schätzen
Ein handelsübliches Feuchtemessgerät mit zwei Spitzen misst den elektrischen Widerstand und wird von Salzen im Mauerwerk stark beeinflusst. Eine durchfeuchtete Wand mit Salzausblühungen zeigt darauf Werte, die keinen Bezug zur tatsächlichen Feuchte haben.
Belastbar ist die Darrprobe: Bohrmehl aus 15 Zentimetern Tiefe wird gewogen, bei 105 °C getrocknet und erneut gewogen. Die Differenz durch das Trockengewicht ergibt die Feuchte in Masseprozent, und diese Zahl ist vergleichbar.
In der begleiteten Maßnahme lag die Wand vor der Injektion bei 8,2 Masseprozent. Als trocken gilt Ziegelmauerwerk unterhalb von etwa 3 bis 4 Prozent, und dieser Wert wurde nach 14 Monaten erreicht.
Über ein Jahr Trockenzeit
Die Sperre verhindert neues Wasser, sie entfernt kein vorhandenes. Die Wand trocknet danach nach außen und innen ab, und diese Trocknung läuft langsam: nach drei Monaten lag die Feuchte bei 6,4, nach sechs bei 4,7 und nach 14 Monaten bei 3,1 Masseprozent.
Die Größenordnung folgt aus der Diffusion: eine Wand trocknet je Monat etwa einen bis zwei Zentimeter ihrer Dicke aus, und bei 36 Zentimetern von beiden Seiten sind das rechnerisch 9 bis 18 Monate. Die Messung lag genau in dieser Spanne.
Daraus folgt der wichtigste Terminpunkt der ganzen Maßnahme: neuer Putz und neue Farbe erst nach Erreichen des Trockenwerts. Wird zu früh geschlossen, sitzt die Restfeuchte hinter dem neuen Putz, drückt ihn ab und die Arbeit wird ein zweites Mal fällig.
Salze bleiben und brauchen einen eigenen Putz
Mit dem aufgestiegenen Wasser sind über Jahre Salze in die Wand gelangt, und die bleiben nach der Trocknung dort. Sie sind hygroskopisch, ziehen also Luftfeuchte an, und deshalb kann eine trockene Wand mit hoher Salzlast weiterhin feucht wirken.
Die übliche Antwort darauf ist ein Sanierputz: ein Putz mit hohem Porenvolumen, in dem die Salze kristallisieren können, ohne die Oberfläche abzusprengen. Ein normaler Kalkzementputz auf einer salzbelasteten Wand zeigt nach einem bis zwei Jahren wieder Ausblühungen.
Zu prüfen ist die Salzbelastung mit einfachen Teststreifen für Nitrat, Sulfat und Chlorid aus dem Bohrmehl. Das kostet wenig und entscheidet über einen Materialaufwand, der bei größeren Flächen im vierstelligen Bereich liegt.
Selbst machen oder beauftragen
Handwerklich ist das Verfahren überschaubar: bohren, ausblasen, Creme einbringen, Bohrlöcher verschließen. Eine Bohrmaschine mit Staubabsaugung, ein 12-Millimeter-Bohrer von 40 Zentimetern Länge und eine Kartuschenpistole reichen aus.
Die Schwierigkeit liegt vor und nach der Injektion. Vorher die Ursache richtig zuzuordnen, die Salzbelastung zu erfassen und Hohlräume zu erkennen; nachher den Trocknungsverlauf zu messen und den richtigen Zeitpunkt für den neuen Putz zu bestimmen.
Ein sachlicher Grund für eine Beauftragung ist außerdem die Gewährleistung. Bei einer Wand, hinter der ein Wohnraum liegt, ist ein Schaden aus einer misslungenen Maßnahme deutlich teurer als der Unterschied zwischen Eigenleistung und Fachbetrieb, der bei 15 Metern Wand im mittleren dreistelligen Bereich liegt.
Darrprobe, Bohrmehl, 25 Bohrungen
Die Feuchtewerte stammen aus Darrproben: Bohrmehl aus 15 Zentimetern Tiefe, in einem geschlossenen Gefäß transportiert, auf 0,01 Gramm gewogen, 24 Stunden bei 105 °C getrocknet und erneut gewogen. Je Zeitpunkt drei Proben an derselben Wand, gemittelt.
Der Verbrauch wurde je Bohrung über die Gewichtsdifferenz der Kartusche bestimmt, 25 Bohrungen an einer 36 Zentimeter starken Ziegelwand. Die zwei Bohrungen mit dem Mehrfachen des Verbrauchs sind in dieser Mittelung nicht enthalten und getrennt genannt.
Nicht geprüft wurde die Dauerhaftigkeit der Sperre über Jahrzehnte, und der Verlauf beruht auf einer Wand über 14 Monate. Die Zuordnung zwischen Feuchtequelle und Feuchtebild ist Erfahrungswissen aus der Bauwerksdiagnose und ersetzt keine Untersuchung am eigenen Objekt.
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| Zeitpunkt | Feuchte in Masseprozent | Bewertung | Sichtbar | Befund |
|---|---|---|---|---|
| vor der Maßnahme | 8,2 % | durchfeuchtet | Salzausblühungen | |
| nach 3 Monaten | 6,4 % | noch feucht | unverändert | |
| nach 6 Monaten | 4,7 % | trocknend | keine neuen Ausblühungen | |
| nach 14 Monaten | 3,1 % | trocken | Putz kann erneuert werden |
Häufige Fragen
Wogegen wirkt eine Horizontalsperre?
Nur gegen kapillar aufsteigende Feuchte, erkennbar an einem waagerechten Rand in gleichmäßiger Höhe über dem Boden mit Salzausblühungen darüber. Gegen drückendes Wasser und gegen Kondensation an kalten Innenflächen wirkt sie nicht.
Wie viele Bohrungen sind nötig?
Bei 12 Zentimetern Abstand 8,3 je laufenden Meter, mit 12 Millimetern Durchmesser. Die Bohrtiefe beträgt die Wanddicke minus etwa 4 Zentimeter, bei einer 36-Zentimeter-Wand also 32.
Wie viel Material geht hinein?
Etwa 300 Milliliter je Meter bei 36 Zentimetern Wanddicke. Die Rechnung: eine Bohrung von 12 Millimetern und 32 Zentimetern hat 36 Milliliter Volumen, mal 8,3 Bohrungen. Bei 24 Zentimetern sind es 190, bei 50 Zentimetern 430 Milliliter.
Waagerecht oder schräg bohren?
Das Material entscheidet. Eine Creme bleibt in einer waagerechten Bohrung; eine niedrigviskose Flüssigkeit braucht Schrägbohrungen mit 30 bis 45 Grad, die zugleich mehrere Lagerfugen durchschneiden, dafür aber mehr Material verbrauchen.
Was passiert bei Hohlräumen im Mauerwerk?
Die Bohrung nimmt ein Mehrfaches auf, ohne eine Sperrschicht zu bilden: zwei von 25 Bohrungen lagen über dem Dreifachen. Abhilfe ist eine Vorinjektion mit Zementsuspension; ohne sie bleibt an dieser Stelle eine Lücke.
Wie wird die Feuchte richtig gemessen?
Mit der Darrprobe: Bohrmehl aus 15 Zentimetern Tiefe wiegen, 24 Stunden bei 105 °C trocknen, erneut wiegen. Ein Widerstandsmessgerät wird von Salzen im Mauerwerk stark verfälscht. Trocken heißt bei Ziegel unter etwa 3 bis 4 Masseprozent.
Wie lange dauert die Trocknung?
Über ein Jahr. Gemessen 8,2 Masseprozent vorher, 6,4 nach drei Monaten, 4,7 nach sechs und 3,1 nach 14. Eine Wand trocknet etwa einen bis zwei Zentimeter Dicke je Monat, bei 36 Zentimetern von beiden Seiten also 9 bis 18 Monate.
Warum bleibt die Wand nach dem Trocknen feucht wirken?
Wegen der Salze, die über Jahre eingetragen wurden und Luftfeuchte anziehen. Dagegen hilft ein Sanierputz mit hohem Porenvolumen; ein normaler Kalkzementputz zeigt nach einem bis zwei Jahren wieder Ausblühungen.
Geprüft im August 2026