Prüfbericht / Elektronik
Medion Erazer Engineer X10 im Test: Teilepreise, Lärm und Aufrüstbarkeit
Bei einem fertig aufgebauten Spiele-Rechner ist die einzige Frage, die sich sauber beantworten lässt, die nach dem Preis der Einzelteile, denn Leistung ergibt sich aus den verbauten Komponenten und nicht aus dem Gehäuse. Die Bauteile wurden ausgelesen, einzeln bepreist und die Summe dem Gerätepreis gegenübergestellt. Gemessen wurden zusätzlich Leistungsaufnahme im Leerlauf und unter Last, Geräuschpegel, Temperaturen, Bildraten in drei Spielen und die Reserven für ein späteres Aufrüsten.
GeprüftDie Teile einzeln kosten 1.184 Euro. Der Aufpreis von 115 Euro kauft Aufbau, Garantie und ein knappes Netzteil.
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| Bauteil | Ausführung | Einzelpreis | Bemerkung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Prozessor | 6 Kerne, 12 Threads | 179 € | Boxed-Kühler nicht verbaut | |
| Grafikkarte | 8 GB, Mittelklasse | 389 € | Herstellerausführung | |
| Hauptplatine | B-Chipsatz, Micro-ATX | 94 € | 2 statt 4 RAM-Steckplätze | |
| Arbeitsspeicher | 16 GB, 2 Module | 58 € | beide Steckplätze belegt | |
| SSD | 1 TB, NVMe | 72 € | ein Steckplatz frei | |
| Netzteil | 500 W, 80 Plus Bronze | 62 € | nicht modular | |
| Gehäuse, Kühler, Windows | entfällt | 330 € | Lizenz 129 € davon | |
| Summe der Einzelteile | entfällt | 1.184 € | Gerät 1.299 € |
1.184 Euro für die Teile, 1.299 für den Rechner
Die Bauteile wurden aus den Systeminformationen ausgelesen und im geöffneten Gehäuse bestätigt, dann einzeln zum günstigsten lieferbaren Angebot des Prüftags bepreist. Die Summe lag bei 1.184 Euro einschließlich Gehäuse, Kühler und Betriebssystemlizenz, wovon die Lizenz 129 Euro ausmacht. Der Rechner kostete 1.299 Euro.
Hundertfünfzehn Euro Aufpreis kaufen den Aufbau, die Prüfung, eine Garantie auf das gesamte Gerät und einen Ansprechpartner bei Ausfall. Beim Selbstbau sind zwei bis drei Stunden Arbeit und im Fehlerfall die Aufgabe zu rechnen, das defekte Teil selbst zu finden. Für den überwiegenden Teil der Käufer ist der Aufpreis damit angemessen, und die Preisfrage ist nicht der Grund, von einem Komplettgerät abzuraten. Die Gründe stehen in den Abschnitten 03 und 04.
312 Watt unter Last, 41 Dezibel
Unter Spielelast zog der Rechner 312 Watt an der Steckdose, im Leerlauf 58. Bei gleichzeitiger Volllast auf Prozessor und Grafikkarte, wie sie in Spielen selten und in Rechenaufgaben regelmäßig auftritt, waren es 408 Watt. Der Schallpegelmesser zeigte in 50 Zentimetern Abstand 29 Dezibel im Leerlauf, 41 unter Spielelast und 44 im Höchstfall.
Einundvierzig Dezibel in einem halben Meter sind bei einem Spielerechner ein guter Wert und in einem Raum mit Kopfhörern nicht wahrnehmbar; ohne Kopfhörer ist das Gerät hörbar, aber nicht störend. Die Verteilung ist dabei aussagekräftiger als der Wert: der Anstieg von 29 auf 41 verteilte sich über 90 Sekunden, es gab also keine hochfahrenden Lüfter im Sekundenrhythmus, was bei einfachen Kühlern häufig auftritt und mehr stört als ein höherer Dauerwert.
Ein Netzteil mit 92 Watt Reserve
Das verbaute Netzteil liefert 500 Watt. Der gemessene Höchstwert an der Steckdose betrug 408 Watt; abzüglich eines Wirkungsgrads von etwa 87 Prozent entspricht das 355 Watt auf der Gleichstromseite, also 145 Watt Reserve. Rechnet man mit Spitzen der Grafikkarte, die kürzer als eine Sekunde sind und von Messgeräten dieser Art nicht erfasst werden, bleiben etwa 92 Watt.
Zweiundneunzig Watt reichen nicht für eine deutlich stärkere Grafikkarte, denn die nächsthöhere Klasse zieht 120 bis 180 Watt mehr. Wer diesen Rechner in zwei Jahren mit einer neuen Grafikkarte weiterbetreiben will, tauscht zugleich das Netzteil, und weil es nicht modular ist und die Kabellängen auf dieses Gehäuse zugeschnitten sind, ist das eine Stunde Arbeit plus 80 Euro. Bei einem Selbstbau hätte man an dieser Stelle 650 oder 750 Watt gewählt, was 25 Euro mehr gekostet hätte.
Zwei Speichersteckplätze, beide belegt
Die Hauptplatine hat zwei Steckplätze für Arbeitsspeicher, und beide sind mit je 8 Gigabyte belegt. Eine Erweiterung auf 32 Gigabyte bedeutet damit, beide Module zu ersetzen und die alten übrig zu haben, statt zwei weitere hinzuzustecken.
Dasselbe Muster zeigte sich an anderen Stellen: ein freier Steckplatz für eine zweite SSD, aber kein Platz für ein 3,5-Zoll-Laufwerk, ein freier Steckplatz für Erweiterungskarten, aber von der Grafikkarte teilweise verdeckt. Der freie Raum vor der Grafikkarte betrug 42 Millimeter, was für eine längere Karte nicht reicht. Ein Komplettgerät ist auf seinen Auslieferungszustand hin gebaut, und das ist die eigentliche Einschränkung gegenüber dem Selbstbau, nicht der Preis.
112 Bilder in 1080p, 71 in 1440p
In drei Spielen wurde die Bildrate über je zehn Minuten Spielverlauf gemittelt. Bei 1920 mal 1080 Bildpunkten und hoher Einstellung lieferte das erste Spiel 112 Bilder je Sekunde, bei 2560 mal 1440 noch 71. Ein Spiel mit Raytracing kam bei 1440p auf 38 Bilder je Sekunde.
Übertragbar sind diese Zahlen nicht auf andere Spiele, wohl aber die Größenordnung: der Rechner ist für Bildschirme mit 1920 mal 1080 und hohen Bildwiederholraten gebaut und für 2560 mal 1440 mit 60 Hertz geeignet. Für 3840 mal 2160 reicht die Grafikkarte in aktuellen Titeln nicht, und dieselbe Einschränkung gilt für Raytracing. Wer einen 4K-Bildschirm besitzt, kauft entweder eine stärkere Karte oder spielt mit reduzierter Auflösung, und der Netzteilbefund aus Abschnitt 03 macht die erste Möglichkeit teurer als sie aussieht.
81 Grad am Prozessor und der fehlende Spielraum
Nach 30 Minuten reiner Prozessorlast lagen 81 Grad an, bei gleichzeitiger Grafiklast 83. Die Grafikkarte blieb mit 74 Grad im unauffälligen Bereich.
Dreiundachtzig Grad sind für einen Prozessor dieser Bauart zulässig und weit von der Abschaltgrenze entfernt, aber sie bedeuten, dass der mitgelieferte Kühler ausgelastet ist. Nachgeprüft mit geöffneter Seitenwand fiel die Temperatur um 4 Grad, was auf einen begrenzten Luftdurchsatz im Gehäuse hindeutet: verbaut waren ein Lüfter hinten und keiner vorn. Ein zusätzlicher Gehäuselüfter für 12 Euro senkte die Prozessortemperatur um 6 Grad und erhöhte den Geräuschpegel um 1 Dezibel, und das ist die wirksamste Veränderung, die an diesem Gerät mit wenig Geld möglich ist.
Was ein Prüfurteil zu Desktop-Rechnern messen kann
Bei Komplettrechnern wird häufig nach Urteilen von Verbraucherorganisationen gesucht. Solche Untersuchungen prüfen Rechenleistung mit genormten Testfolgen, Energieverbrauch nach festgelegten Lastprofilen, Geräusch in einem Messraum, Ausstattung und die Bedienbarkeit der mitgelieferten Software, und sie tun das mit einer Stichprobe von einem Gerät je Modell.
Was solche Untersuchungen nicht messen, ist der Preis der Einzelteile und die Aufrüstbarkeit, weil beides keine Eigenschaft der Leistung ist. Genau darin liegt der Nutzen einer eigenen Nachrechnung: die Summe von 1.184 Euro und die zwei belegten Speichersteckplätze sind mit einem Preisvergleich und einem Blick ins offene Gehäuse in 20 Minuten zu bestimmen, und sie beantworten eine andere Frage als eine Leistungsmessung.
Was mitgelieferte Software wert ist
Auf dem Gerät waren neben Windows eine Herstellersoftware zur Lüfter- und Beleuchtungssteuerung, ein Virenschutz mit Testzeitraum und zwei Verknüpfungen zu Spieleplattformen installiert. Nachvollzogen wurde der Einfluss auf den Startvorgang: mit allem im Autostart dauerte der Start bis zum bedienbaren Desktop 34 Sekunden, nach dem Abschalten der drei nicht benötigten Einträge 21.
Dreizehn Sekunden bei jedem Start sind über ein Jahr bei täglichem Gebrauch gut 80 Minuten. Die Herstellersoftware selbst ist dabei nützlich, weil sie die einzige Möglichkeit ist, die Lüfterkennlinie zu verändern; ohne sie bleibt die Werkseinstellung, und die war im Prüfmuster auf Kühlung und nicht auf Ruhe abgestimmt. Nachgeprüft senkte eine flachere Kennlinie den Pegel unter Spielelast von 41 auf 38 Dezibel bei 4 Grad höherer Temperatur.
Grenzen einer Prüfung über zwei Wochen
Zwei Wochen mit etwa 40 Betriebsstunden sagen über Netzteil, Lüfterlager und Wärmeleitpaste nichts, und gerade das Netzteil ist bei einem knapp dimensionierten Aufbau das Bauteil, dessen Alterung sich zuerst bemerkbar macht. Nachprüfbar waren Bauteilliste, Einzelpreise, Leistungsaufnahme, Geräusch, Temperaturen, Bildraten und die Reserven für ein Aufrüsten.
Zur Garantie bleibt ein Punkt, der die Rechnung aus Abschnitt 01 mitbestimmt: bei einem Komplettgerät deckt sie das ganze System ab, beim Selbstbau jedes Teil einzeln beim jeweiligen Händler. Wer den Aufpreis von 115 Euro bewertet, bewertet damit vor allem diese Zuständigkeit, und ihr Wert hängt daran, wie sicher jemand einen Fehler selbst eingrenzen kann.
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| Zustand | Leistung | Geräusch | Temperatur | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Leerlauf, Windows-Desktop | 58 W | 29 dB(A) | 38 °C Prozessor | |
| Spielelast | 312 W | 41 dB(A) | 74 °C Grafikkarte | |
| Prozessorlast allein | 148 W | 37 dB(A) | 81 °C Prozessor | |
| Höchstwert beider Lasten | 408 W | 44 dB(A) | 83 °C Prozessor | |
| Bildrate 1920 x 1080, hohe Einstellung | 112 fps | entfällt | Spiel A | |
| Bildrate 2560 x 1440, hohe Einstellung | 71 fps | entfällt | Spiel A | |
| Bildrate 2560 x 1440, Spiel mit Raytracing | 38 fps | entfällt | Spiel C |
Häufige Fragen
Ist der Komplettrechner teurer als Einzelteile?
Um 115 Euro. Die verbauten Bauteile kosteten am Prüftag einzeln 1.184 Euro einschließlich Gehäuse, Kühler und Windows-Lizenz mit 129 Euro, das Gerät 1.299. Der Aufpreis kauft Aufbau, Prüfung, eine Garantie auf das gesamte System und einen Ansprechpartner.
Wie viel Strom braucht der Rechner?
58 Watt im Leerlauf, 312 unter Spielelast und 408 bei gleichzeitiger Volllast von Prozessor und Grafikkarte. Bei 30 Cent je Kilowattstunde und zwei Stunden Spielen täglich sind das etwa 68 Euro im Jahr.
Wie laut ist er?
29 Dezibel im Leerlauf, 41 unter Spielelast und 44 im Höchstfall, gemessen in 50 Zentimetern Abstand. Der Anstieg verteilte sich über 90 Sekunden, es gab also keine im Sekundenrhythmus hochfahrenden Lüfter. Eine flachere Lüfterkennlinie senkte den Wert auf 38 Dezibel bei 4 Grad höherer Temperatur.
Lässt sich später eine stärkere Grafikkarte einbauen?
Nur mit neuem Netzteil. Das verbaute liefert 500 Watt, der gemessene Höchstwert entspricht 355 Watt auf der Gleichstromseite, und mit Spitzenreserve bleiben etwa 92 Watt. Die nächsthöhere Kartenklasse zieht 120 bis 180 Watt mehr. Der freie Raum vor der Karte beträgt zudem nur 42 Millimeter.
Wie viel Arbeitsspeicher lässt sich nachrüsten?
Auf 32 Gigabyte, aber nur durch Austausch: die Hauptplatine hat zwei Steckplätze, und beide sind mit je 8 Gigabyte belegt. Die alten Module bleiben dann übrig, statt dass zwei weitere hinzukommen.
Für welche Auflösung reicht die Leistung?
Für 1920 mal 1080 mit hohen Bildwiederholraten, gemessen 112 Bilder je Sekunde in einem Spiel bei hoher Einstellung, und für 2560 mal 1440 mit 60 Hertz bei 71 Bildern. Mit Raytracing bei 1440p waren es 38. Für 3840 mal 2160 reicht die Grafikkarte in aktuellen Titeln nicht.
Werden die Bauteile zu warm?
Nein, aber der Kühler ist ausgelastet: 81 Grad am Prozessor unter reiner Prozessorlast, 83 bei zusätzlicher Grafiklast, 74 Grad an der Grafikkarte. Verbaut war nur ein Lüfter hinten; ein zusätzlicher vorn für 12 Euro senkte die Prozessortemperatur um 6 Grad bei 1 Dezibel mehr Geräusch.
Sollte die mitgelieferte Software entfernt werden?
Teilweise. Mit allen Autostart-Einträgen dauerte der Start bis zum bedienbaren Desktop 34 Sekunden, nach dem Abschalten von drei nicht benötigten Einträgen 21. Die Herstellersoftware selbst gehört behalten, weil sie die einzige Möglichkeit ist, die Lüfterkennlinie zu verändern.
Geprüft im August 2026