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Prüfbericht  /  Garten

Unterstand für den Grill: gemessene Temperaturen und die Dachlast

Ein Unterstand über dem Grill hat zwei Gegner, und der Regen ist der harmlosere. Erfasst wurde die Temperatur über dem Rost in vier Höhen, dazu die Last, die ein Dach dieser Größe im Winter und bei Wind aushalten muss.

GeprüftUnter 1,5 m Dachhöhe wird es heiß genug, um Holz dauerhaft zu schädigen.

Temperatur über dem Rost, Deckel geschlossen, Umgebung 22 °C, Thermoelement Typ K
Höhe über dem RostHolzkohlegrillGasgrillBewertung für HolzBefund
60 cm180 °C120 °Cunzulässig
100 cm95 °C70 °Cgrenzwertig
150 cm55 °C45 °Cunkritisch
200 cm38 °C33 °Cunkritisch

Der Abstand nach oben ist die erste Zahl

Bevor über Material, Dachform oder Optik entschieden wird, steht eine Höhe fest. Sie folgt nicht aus der Körpergröße, sondern aus der Temperatur, die über einem geschlossenen Grilldeckel entsteht, und die ist höher als der Augenschein nahelegt.

In 60 cm über dem Rost wurden über einem Holzkohlegrill 180 °C gemessen. Nadelholz beginnt bei dauerhafter Belastung ab etwa 100 °C zu verspröden und zu dunkeln, bei 200 °C ist die Zündung eine Frage der Zeit. Ein Dach in dieser Höhe ist damit ausgeschlossen.

Ab 150 cm über dem Rost lagen die Werte bei 55 °C und damit im unkritischen Bereich. Das ist die untere Grenze für eine Holzkonstruktion, und die Rechnung geht dabei von der Rosthöhe aus, nicht vom Boden: bei einem Kugelgrill mit 80 cm Rosthöhe ergibt das eine lichte Höhe von 230 cm.

Holzkohle heizt das Dach stärker als Gas

Der Unterschied zwischen den beiden Grillarten war in allen vier Höhen deutlich. Über Holzkohle lag die Temperatur in 100 cm bei 95 °C, über einem Gasgrill bei 70 °C, und der Abstand blieb bis 200 cm bestehen.

Zur heißen Abluft kommt die Strahlung der Glut. Ein Gasbrenner gibt seine Wärme fast vollständig über die Luft ab, Glut strahlt zusätzlich nach oben, und Strahlung heizt eine Fläche auch ohne Luftströmung auf.

Für die Bauhöhe heißt das nicht, dass ein Gasgrill 30 cm spart. Die Messung fand mit geschlossenem Deckel statt; ein offenes Anzünden von Holzkohle mit Anzündkamin erzeugte in 100 cm kurzzeitig 140 °C, also mehr als der Dauerbetrieb.

Was das Dach im Winter tragen muss

Ein Grillunterstand steht ganzjährig, und die höchste Last kommt im Januar. In der niedrigsten deutschen Schneelastzone sind 0,65 kN je Quadratmeter anzusetzen; auf 3,0 m² Dachfläche sind das 1,95 kN oder umgerechnet 199 kg.

Bei 6,0 m² sind es 398 kg. Diese Zahl entscheidet über den Sparrenquerschnitt und darüber, ob eine Mittelpfette nötig wird. Für Spannweiten bis 2,0 m ist ein Kantholz von 6 × 12 cm in der Regel ausreichend, darüber wird der Querschnitt schnell unwirtschaftlich.

Regional gilt mehr. In Lagen über 400 m oder in den höheren Schneelastzonen verdoppelt sich der Wert gegenüber der Rechnung oben, und die zuständige Angabe steht in der Schneelastkarte der jeweiligen Gemeinde. Wer danach nicht fragt, baut möglicherweise mit halber Reserve.

Windsog: 38 Kilogramm Zug an jedem Pfosten

Die zweite Last zieht nach oben. Ein flaches Dach wirkt im Wind als Tragfläche, und für ein freistehendes Vordach dieser Größe sind 0,5 kN/m² Sog eine übliche Annahme. Auf 3,0 m² sind das 153 kg, verteilt auf vier Pfosten also 38 kg Zug je Stück.

Der Punkt daran ist die Richtung. Ein Pfosten, der in einer Bodenhülse steckt, trägt Druck ohne weiteres und hält Zug nur über die Verschraubung. Ohne durchgehende Schrauben oder Winkel hebt das Dach den Pfosten aus der Hülse, und genau so verschwinden Vordächer bei Sturm.

Bei 6,0 m² Dachfläche sind es 77 kg je Pfosten. Punktfundamente mit einbetonierter H-Anker-Verbindung sind hier die einfachste sichere Lösung; aufgestellte Betonplatten mit aufgeschraubtem Pfostenträger halten den Druck, aber nicht den Zug.

Grillunterstand selber bauen: die Konstruktion in vier Teilen

Der Aufbau besteht aus Fundament, Pfosten, Riegel und Dachfläche. Vier Punktfundamente von 30 × 30 cm und 80 cm Tiefe liegen unter der Frostgrenze; darauf kommen H-Anker, in die Pfosten von 9 × 9 cm eingeschraubt werden.

Die Pfosten werden oben mit einem umlaufenden Riegel verbunden, weil erst der Riegel aus vier Einzelstützen einen Rahmen macht. Ohne ihn nimmt jeder Pfosten das Kippmoment allein auf, und der Unterstand wackelt in Querrichtung sichtbar.

Darauf liegen die Sparren mit einem Gefälle von mindestens 5 Grad in Blickrichtung vom Haus weg, und darüber die Eindeckung. Ein Gefälle unter 5 Grad führt bei jeder Eindeckungsart zu stehendem Wasser an den Überlappungen.

Der Materialbedarf für 2,0 × 1,5 m: vier Pfosten mit 2,6 m Länge, vier Riegel, fünf Sparren mit 1,7 m, dazu Eindeckung, H-Anker, Beton und Schrauben. In Nadelholz mit Trapezblech liegt das bei einem mittleren dreistelligen Betrag, ohne Werkzeug gerechnet.

Holz oder Metall

Metall hat bei diesem Bauwerk zwei echte Vorteile: es ist gegen diese Hitze unempfindlich und braucht bei gleicher Tragfähigkeit dünnere Querschnitte, was bei einem Unterstand von zwei Metern Breite optisch spürbar ist.

Dafür ist die Verarbeitung aufwendiger. Ein verzinktes Stahlprofil lässt sich nicht auf der Baustelle ablängen und wieder korrosionsfest verschließen, und ein Schnitt ohne Nachbehandlung rostet an der Kante innerhalb eines Winters an.

Holz gewinnt bei Änderbarkeit und Kosten und verliert bei der Bauhöhe: der Mindestabstand von 150 cm über dem Rost ist bei Metall keine Bedingung, bei Holz schon. Wer aus Platzgründen niedriger bauen muss, hat damit keine Materialwahl mehr, sondern eine Vorgabe.

Trapezblech, Bitumenwelle oder Polycarbonat

Die drei üblichen Eindeckungen verhalten sich gegenüber dieser Hitze unterschiedlich. Trapezblech ist unkritisch, gibt aber Regengeräusch weiter und wird bei Sonne selbst heiß.

Bitumenwellplatten erweichen ab etwa 70 bis 80 °C. Bei 100 cm über einem Holzkohlegrill sind es 95 °C, und damit ist diese Eindeckung in geringer Höhe ausgeschlossen, auch wenn das Holz darunter noch nicht gefährdet wäre.

Polycarbonat-Stegplatten halten dauerhaft rund 120 °C, lassen Licht durch und sind die einzige Variante, unter der es nicht dunkel wird. Sie sind dafür empfindlich gegen Punktlast beim Verschrauben und brauchen die vorgeschriebenen Dichtscheiben, sonst reißen die Bohrungen im ersten Frost aus.

Regen kommt nicht von oben

Ein Dach genau über der Grundfläche des Grills schützt bei Windstille. Schlagregen fällt in Böen unter 45 Grad, und dann muss das Dach auf der Wetterseite über den Grill hinausreichen: bei einer Höhe von 2,0 m über dem Boden entspricht das 2,0 m Überstand für vollständigen Schutz.

Das ist unpraktikabel, weshalb die brauchbare Lösung eine Seitenwand ist. Eine geschlossene Fläche auf der Hauptwetterseite, in der Regel West bis Südwest, ersetzt jeden Überstand und schützt zusätzlich die Glut vor dem Auswehen.

Zusätzlich verschiebt sie das Rauchproblem, was die nächste Frage aufwirft: mehr als eine geschlossene Seite darf es nicht sein.

Warum ein geschlossener Unterstand die falsche Antwort ist

Beim Grillen mit Holzkohle entsteht Kohlenmonoxid, ein Gas ohne Geruch und Farbe. Im Freien verdünnt es sich sofort. In einem Raum mit Dach und mehreren geschlossenen Seiten sammelt es sich, und die Gefahr wird erst über Kopfschmerzen und Schwindel bemerkt, also spät.

Deshalb ist ein Grillunterstand kein kleines Gartenhaus. Ein Dach und höchstens eine geschlossene Seite halten die Luft in Bewegung; zwei gegenüberliegende offene Seiten sind die Bedingung, unter der das Bauwerk ein Unterstand bleibt.

Dasselbe gilt für die Nutzung eines Carports oder einer offenen Garage als Grillplatz bei Regen. Beide sind an drei Seiten geschlossen, und in beiden ist Holzkohle deshalb keine Option, unabhängig davon, wie hoch die Decke liegt.

Thermoelemente über dem Rost, drei Durchläufe je Höhe

Gemessen wurde mit Thermoelementen Typ K auf einem Stativ über der Rostmitte, in 60, 100, 150 und 200 cm Höhe, bei 22 °C Umgebungstemperatur und Windstille. Jede Höhe lief dreimal, gemittelt über die letzten fünf Minuten einer 20-minütigen Aufheizphase mit geschlossenem Deckel.

Der Holzkohlegrill lief mit 1,5 kg Briketts, der Gasgrill mit allen Brennern auf Vollleistung. Beide Deckel blieben geschlossen, weil das der Zustand mit der höchsten Ablufttemperatur nach oben ist.

Die Lastzahlen sind gerechnet und nicht gemessen: Schneelast und Windsog kommen aus den üblichen Ansätzen für kleine freistehende Vordächer. Sie ersetzen keine Statik, sondern zeigen die Größenordnung, in der Verankerung und Querschnitt zu wählen sind. Ob für das Bauwerk am gewählten Standort ein Grenzabstand oder eine Genehmigung gilt, ist landesrechtlich verschieden und beim Bauamt zu klären.

Dachlast gerechnet – Schneelastzone 1 mit 0,65 kN/m², Windsog mit 0,5 kN/m², vier Pfosten
DachflächeSchneelastWindsogZug je PfostenBefund
2,0 × 1,5 m = 3,0 m²199 kg153 kg38 kg
3,0 × 1,5 m = 4,5 m²298 kg230 kg57 kg
3,0 × 2,0 m = 6,0 m²398 kg306 kg77 kg

Häufige Fragen

Wie hoch muss ein Grill-Unterstand sein?

Mindestens 150 cm über dem Rost, wenn er aus Holz besteht. Dort liegen 55 °C an. In 100 cm sind es 95 °C und in 60 cm 180 °C, was Nadelholz dauerhaft schädigt. Bei 80 cm Rosthöhe ergibt das eine lichte Höhe von 230 cm.

Braucht ein Gasgrill weniger Abstand als Holzkohle?

Er heizt weniger: 70 statt 95 °C in 100 cm Höhe. Der Mindestabstand sinkt dadurch aber kaum, weil beim Anzünden von Holzkohle mit Kamin kurzzeitig 140 °C in dieser Höhe auftraten, also mehr als im Dauerbetrieb mit Deckel.

Welche Last muss das Dach aushalten?

In der niedrigsten Schneelastzone 0,65 kN/m², auf 3,0 m² also 199 kg und auf 6,0 m² 398 kg. Dazu 0,5 kN/m² Windsog nach oben, das sind bei 3,0 m² 153 kg oder 38 kg Zug je Pfosten.

Warum reicht ein Pfostenträger auf einer Betonplatte nicht?

Weil der Wind nach oben zieht. Druck nimmt jede Auflage auf, die 38 bis 77 kg Zug je Pfosten hält nur eine Verbindung, die auf Zug ausgelegt ist. Punktfundament mit einbetoniertem H-Anker ist die einfache Lösung.

Welche Dacheindeckung passt?

Trapezblech ist gegen die Hitze unempfindlich, Polycarbonat hält rund 120 °C und lässt Licht durch. Bitumenwellplatten erweichen ab 70 bis 80 °C und sind bei den in 100 cm gemessenen 95 °C ausgeschlossen.

Wie viel Gefälle braucht das Dach?

Mindestens 5 Grad, und zwar vom Haus weg. Darunter steht bei jeder Eindeckungsart Wasser an den Überlappungen, was zuerst die Dichtungen und dann die Verschraubung angreift.

Darf der Unterstand rundum geschlossen sein?

Nein. Holzkohle setzt Kohlenmonoxid frei, das geruchlos ist und sich in geschlossenen Räumen sammelt. Ein Dach und höchstens eine geschlossene Wetterseite sind die Grenze; Carport und offene Garage sind aus demselben Grund keine Grillplätze.

Wie viel Überstand braucht der Regenschutz?

Für vollständigen Schutz bei 45 Grad Schlagregen so viel Überstand wie Dachhöhe, bei 2,0 m also 2,0 m. Praktikabel ist stattdessen eine geschlossene Fläche auf der Wetterseite, meist West bis Südwest.

Geprüft im Juli 2026