Prüfbericht / Haushalt
Silvercrest Wasserkocher im Test: was der Lidl-Kocher wirklich verbraucht
Ein Wasserkocher hat einen Wirkungsgrad nahe eins – fast der ganze Strom landet im Wasser. Unterschiede entstehen deshalb nicht beim Heizen, sondern beim Restwasser, beim Überfüllen und beim Kalk.
BestandenVerbrauch auf dem Niveau der Markengeräte. Der Deckel ist die Schwachstelle.
Tabelle scrollen
| Messpunkt | Angabe | Gemessen | Bewertung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Leistungsaufnahme | 2.200 W | 2.164 W | im Rahmen | |
| Energie für 1 l | ohne | 0,109 kWh | gut | |
| Zeit für 1 l | ohne | 3:05 min | gut | |
| Restwasser nach Ausgießen | ohne | 112 ml | hoch | |
| Abschaltverzug nach Kochen | ohne | 6 s | kurz | |
| Gehäusetemperatur außen | ohne | 74 °C | heiß |
Silvercrest Wasserkocher im Test: warum der Verbrauch kaum variiert
Ein elektrischer Wasserkocher wandelt praktisch die gesamte aufgenommene Energie in Wärme im Wasser um. Rechnerisch braucht ein Liter von 14 auf 100 Grad 0,100 Kilowattstunden; gemessen wurden 0,109. Die Differenz von 9 Prozent geht in Gehäuse, Heizplatte und Verdampfung – und sie ist bei jedem Kocher ähnlich.
Damit ist der Verbrauch kein sinnvolles Unterscheidungsmerkmal zwischen Geräten. Ein Markenkocher für den vierfachen Preis lag in derselben Messung bei 0,106 Kilowattstunden. Die Differenz von 3 Prozent entspricht auf 1.000 Kochvorgänge etwa einem Euro.
Was den Verbrauch tatsächlich bestimmt, steht in der zweiten Tabelle: die Füllmenge. Wer 1,7 Liter kocht und einen braucht, verbraucht 71 Prozent mehr Energie als nötig – auf 1.000 Kochvorgänge sind das 24,60 Euro. Das ist der einzige relevante Hebel, und er hängt nicht am Gerät.
Restwasser: 112 Milliliter, die niemand ausgießt
Nach dem Ausgießen bis zum Tropfen blieben 112 Milliliter im Kocher. Das ist mehr als bei den beiden Vergleichsgeräten (68 und 84 Milliliter) und liegt an der Form des Bodens: die Heizplatte ist eingelegt und bildet eine Mulde, aus der Wasser nicht abläuft. Praktisch bedeutet das zweierlei. Erstens wird bei jedem Kochvorgang Restwasser mit erhitzt, das schon einmal gekocht wurde – geschmacklich merkt man das im Tee, weil mehrfach gekochtes Wasser weniger gelöste Gase enthält. Zweitens sammelt sich dort der Kalk, weil beim Verdampfen zurückbleibt, was gelöst war.
Die Konsequenz ist eine Gewohnheit und kein Produktwechsel: den Kocher nach dem Gebrauch ausschütten und offen stehen lassen. Wer das tut, hat sauberes Wasser und deutlich weniger Kalk – gemessen an zwei identischen Geräten über acht Wochen war die Kalkschicht bei dem ausgeschütteten Gerät etwa halb so dick.
Kalk: was er kostet und wie oft entkalkt werden muss
Kalk auf der Heizplatte ist ein Wärmedämmstoff. Eine Schicht von einem Millimeter erhöhte den Energiebedarf für einen Liter von 0,109 auf 0,124 Kilowattstunden, also um 14 Prozent, und die Aufheizzeit von 3:05 auf 3:32 Minuten.
Bei 15 Grad deutscher Härte und einem Liter am Tag bildet sich diese Schicht in etwa acht Wochen. Damit ist das Entkalkungsintervall keine Frage des Aussehens: alle sechs bis acht Wochen bei mittlerer Härte, bei über 20 Grad monatlich, bei unter 8 Grad zweimal im Jahr. Die eigene Härte steht im Trinkwasserbericht des Versorgers.
Entkalkt wird mit Zitronensäure oder Essigessenz, nicht mit beidem gleichzeitig. Zwei Esslöffel Zitronensäurepulver auf einen halben Liter Wasser, aufkochen, eine Stunde stehen lassen, ausspülen. Wichtig ist das Ausspülen: Säurereste greifen die Dichtung am Deckel an, und die Dichtung ist bei diesem Gerät kein Ersatzteil.
Der Deckel und die Verbrühungsgefahr
Die Schwachstelle des Geräts ist der Deckel. Er wird über einen Druckknopf entriegelt und springt dabei vollständig auf; unmittelbar nach dem Kochen tritt dabei Dampf nach oben aus, und die Hand liegt genau darüber. Gemessen 74 Grad an der Gehäuseaußenseite und deutlich mehr im Dampfstrahl.
Bei den Vergleichsgeräten öffnete der Deckel nach hinten, sodass der Dampf weg von der Hand austritt. Das ist eine Konstruktionsentscheidung ohne Mehrkosten und der Punkt, an dem sich Preisklassen tatsächlich unterscheiden – nicht im Verbrauch.
Praktisch hilft eine Wartezeit von etwa 30 Sekunden nach dem Abschalten, dann ist der Dampfdruck weg. Wer den Kocher direkt nachfüllen will, gießt besser durch die Ausgussöffnung statt den Deckel zu öffnen; bei diesem Gerät ist die Öffnung dafür knapp, aber ausreichend.
Wasser für Babynahrung: worauf es ankommt
Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gilt: Leitungswasser muss abgekocht und auf etwa 40 Grad abgekühlt werden, und es soll frisch aus der Leitung kommen, nicht aus der Standleitung über Nacht. Der Kocher spielt dabei nur eine Rolle – er muss kochen, und das tut er.
Zwei Punkte sind wichtiger als das Gerät. Erstens Blei- und Kupferleitungen in alten Häusern: dort ist Leitungswasser für Säuglingsnahrung nicht ohne Prüfung geeignet, und der Wasserversorger gibt auf Anfrage Auskunft über die Werte im Netz – nicht aber über die Hausinstallation.
Zweitens der Nitratwert bei Hausbrunnen. Der Grenzwert für Säuglinge liegt niedriger als der allgemeine Trinkwassergrenzwert, und ein Brunnen braucht dafür eine Analyse. Beides steht in keiner Kocheranleitung und entscheidet über die Eignung – der Kocher tut nur den letzten Schritt.
Wer hinter der Marke steht
Silvercrest ist eine Eigenmarke von Lidl, kein Hersteller. Die Geräte werden von Zulieferern gebaut, die auch für andere Marken produzieren; erkennbar ist der Hersteller an der Typbezeichnung und der Adresse im Kleingedruckten der Anleitung, nicht am Markennamen.
Das erklärt zwei Beobachtungen. Erstens: Geräte derselben Marke aus verschiedenen Jahren können sich vollständig unterscheiden, weil der Zulieferer gewechselt hat.
Zweitens: dasselbe Gerät gibt es unter anderem Namen im Fachhandel, gelegentlich zum mehrfachen Preis.
Für die Praxis heißt das: ein Testbericht ohne Typnummer bezieht sich auf ein unbekanntes Gerät. Die Nummer steht auf dem Typenschild an der Unterseite oder am Sockel, und sie ist auch für Ersatzteile die einzige verlässliche Angabe.
Garantie und Ersatzteile bei Aktionsware
Auf Aktionsgeräte gibt es üblicherweise drei Jahre Garantie, abgewickelt über den Servicepartner des Zulieferers und nicht über die Filiale. Der Kassenbon ist der Nachweis – bei Thermopapier, das innerhalb von drei Jahren verblasst, ist ein Foto davon kein Übermaß an Vorsicht.
Ersatzteile sind der schwache Punkt. Beim geprüften Gerät waren Deckeldichtung, Kalksieb und Sockel nicht einzeln lieferbar. Damit ist ein Kocher, dessen Dichtung nach vier Jahren hart wird, ein Wegwerfartikel – auch wenn Heizung und Schalter funktionieren.
Das ist bei einem Gerät dieses Preises eine legitime Rechnung und sollte bewusst gemacht werden: ein Kocher für 15 Euro über vier Jahre ist günstiger als einer für 70 Euro über acht, sofern der Verbrauch gleich ist – und das ist er. Wer Reparierbarkeit will, muss sie beim Kauf als Kriterium mitnehmen, nicht später einfordern.
Kleine Gewohnheiten mit messbarem Effekt
Vier Dinge, die zusammen mehr bringen als jeder Gerätewechsel. Erstens nur so viel Wasser einfüllen wie gebraucht: bei einer Tasse sind das 0,3 statt 1,7 Liter, also 1,1 statt 6,0 Cent. Zweitens entkalken nach Plan statt nach Optik: 14 Prozent Energie.
Drittens den Kocher nach Gebrauch ausschütten: halbierte Kalkbildung und besserer Geschmack. Viertens die Mindestmenge beachten – die Markierung ist keine Empfehlung, sondern der Punkt, unter dem die Heizplatte nicht vollständig bedeckt ist; darunter schaltet der Trockengehschutz, und wiederholtes Auslösen kostet Lebensdauer.
Auf 1.000 Kochvorgänge gerechnet sind die ersten beiden Punkte zusammen etwa 29 Euro. Das ist mehr als der Kaufpreis des Geräts – und der einzige Ort in dieser ganzen Warengruppe, an dem sich ernsthaft sparen lässt.
Energiemessgerät und Rückwaage
Gemessen wurde mit einem Energiemessgerät am Stecker, Wasser aus der Leitung bei 14 Grad Eingangstemperatur und 15 Grad deutscher Härte, Raumtemperatur 22 Grad. Jeder Wert ist der Mittelwert aus fünf Durchgängen; die Streuung beim Energiebedarf lag unter 2 Prozent.
Das Restwasser wurde nach dem Ausgießen bis zum Abtropfen zurückgewogen. Die Kalkmessung erfolgte an zwei identischen Geräten über acht Wochen mit einem Liter täglich, eines nach jedem Gebrauch ausgeschüttet, das andere nicht; die Schichtdicke wurde nach dem Trocknen gemessen.
Nicht Teil der Prüfung war die Lebensdauer. Aussagen zu Dichtung und Schalter beruhen auf zwei Geräten über acht Wochen und auf der Verfügbarkeit von Ersatzteilen zum Prüfzeitpunkt – daraus lässt sich keine Haltbarkeit über Jahre ableiten.
Tabelle scrollen
| Vorgehen | Energie | Kosten | Auf 1.000 Kochvorgänge | Befund |
|---|---|---|---|---|
| genau 1,0 l für 1 l Bedarf | 0,109 kWh | 3,5 ct | 34,90 € | |
| 1,7 l gefüllt, 1 l gebraucht | 0,186 kWh | 6,0 ct | 59,50 € | |
| 1,0 l, Gerät verkalkt | 0,124 kWh | 4,0 ct | 39,70 € | |
| 0,3 l für eine Tasse | 0,034 kWh | 1,1 ct | 10,90 € |
Häufige Fragen
Verbraucht ein günstiger Wasserkocher mehr Strom?
Praktisch nicht. Gemessen 0,109 Kilowattstunden je Liter gegen 0,106 bei einem Markengerät zum vierfachen Preis – auf 1.000 Kochvorgänge etwa ein Euro Unterschied. Ein Wasserkocher hat einen Wirkungsgrad nahe eins.
Wo lässt sich beim Wasserkochen wirklich sparen?
Bei der Füllmenge. 1,7 Liter zu kochen, wenn einer gebraucht wird, verbraucht 71 Prozent mehr – auf 1.000 Vorgänge 24,60 Euro. Eine Tasse mit 0,3 Litern kostet 1,1 Cent statt 6,0.
Wie oft muss ein Wasserkocher entkalkt werden?
Bei mittlerer Härte alle sechs bis acht Wochen, über 20 °dH monatlich, unter 8 °dH zweimal jährlich. Ein Millimeter Kalk erhöhte den Energiebedarf um 14 Prozent und die Aufheizzeit von 3:05 auf 3:32 Minuten.
Womit entkalkt man richtig?
Mit Zitronensäure oder Essigessenz, nicht mit beidem: zwei Esslöffel Zitronensäure auf einen halben Liter, aufkochen, eine Stunde stehen lassen, gründlich ausspülen. Säurereste greifen die Deckeldichtung an, und die ist meist kein Ersatzteil.
Warum bleibt so viel Restwasser im Kocher?
Weil die eingelegte Heizplatte eine Mulde bildet. Hier blieben 112 Milliliter gegen 68 und 84 bei den Vergleichsgeräten. Ausschütten lohnt doppelt: kein mehrfach gekochtes Wasser, und die Kalkschicht war über acht Wochen nur etwa halb so dick.
Taugt das Wasser für Babynahrung?
Der Kocher tut, was er soll – abkochen und auf etwa 40 Grad abkühlen lassen, mit frischem Wasser aus der Leitung. Entscheidender sind Blei- oder Kupferleitungen im Haus und bei einem Hausbrunnen der Nitratwert; für Säuglinge gilt dort ein niedrigerer Grenzwert.
Wer stellt Silvercrest her?
Silvercrest ist eine Eigenmarke von Lidl, kein Hersteller. Gebaut wird von Zulieferern, die wechseln – deshalb können Geräte derselben Marke aus verschiedenen Jahren völlig verschieden sein. Der Hersteller steht im Kleingedruckten der Anleitung, die Typnummer am Sockel.
Wie lange hält so ein Gerät?
Das lässt sich aus dieser Prüfung nicht sagen. Was sich sagen lässt: Deckeldichtung, Kalksieb und Sockel waren nicht einzeln lieferbar, damit ist ein Kocher mit harter Dichtung ein Wegwerfartikel. Wer Reparierbarkeit will, muss sie beim Kauf als Kriterium mitnehmen.
Geprüft im August 2026