Prüfbericht / Haushalt
Scheppach DP55 Tischbohrmaschine im Test: Rundlauf gemessen
Bei einer Tischbohrmaschine entscheiden zwei Zahlen über die Arbeit: der Rundlauf der Spindel und die Rechtwinkligkeit des Tischs zur Bohrachse. 0,06 Millimeter Rundlauf und 0,4 Grad Winkelfehler stehen im Protokoll.
Bestanden0,06 mm Rundlauf für diese Klasse gut. Der Tisch ist nicht rechtwinklig.
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| Messpunkt | Toleranz erwartbar | Gemessen | Bewertung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Rundlauf Spindelkonus | ≤ 0,05 mm | 0,03 mm | gut | |
| Rundlauf mit Futter | ≤ 0,10 mm | 0,06 mm | gut | |
| Tisch rechtwinklig | ≤ 0,1° | 0,4° | nachstellen | |
| Tischplanheit über 200 mm | ≤ 0,1 mm | 0,08 mm | gut | |
| Tiefenanschlag, 20 Wiederholungen | ±0,1 mm | ±0,15 mm | brauchbar | |
| Axialspiel Spindel | ≤ 0,05 mm | 0,04 mm | gut |
Scheppach DP55 im Test: Rundlauf ist die erste Zahl
Der Rundlauf beschreibt, wie weit die Spindelachse beim Drehen von der idealen Achse abweicht. Gemessen mit einer Messuhr am Spindelkonus ergab das 0,03 Millimeter, mit eingesetztem Bohrfutter und Prüfdorn 0,06. Für eine Maschine dieser Preisklasse ist das ein guter Wert.
Die Differenz zwischen beiden Messungen ist die interessante: 0,03 Millimeter kommen vom Bohrfutter und nicht von der Maschine. Ein besseres Futter verbessert die Genauigkeit also messbar, und es ist das günstigste Zubehör mit echtem Effekt – ein Präzisionsfutter kostet einen Bruchteil der Maschine.
Was 0,06 Millimeter praktisch bedeuten: ein 6-Millimeter-Bohrer erzeugt ein Loch von etwa 6,06 bis 6,1 Millimetern statt exakt 6. Für Holz, Dübel und Durchgangslöcher ist das ohne Belang; für eine Passung mit Gewindeschneiden danach ist es die Grenze, ab der man vorbohrt und aufbohrt statt in einem Zug zu bohren.
Der Tisch ist nicht rechtwinklig – und das ist normal
Mit einem Prüfdorn in der Spindel und einer Messuhr über den Tisch ergab sich ein Winkelfehler von 0,4 Grad. Das klingt gering und ist es nicht: auf 100 Millimeter Bohrtiefe wandert die Bohrerspitze damit um 0,7 Millimeter aus der Senkrechten.
Die Ursache ist die Tischaufnahme. Der Tisch ist um die Säule schwenkbar und über eine Klemmung gehalten; die Rechtwinkligkeit ergibt sich aus einer Werksmarkierung und nicht aus einem Anschlag. Bei allen Maschinen dieser Bauart ist der Wert nach dem Auspacken eine Zufallsgröße.
Einstellen dauert zehn Minuten und braucht einen Winkel oder besser einen gebogenen Prüfdraht: in das Futter gespannt, an einer Tischseite angerissen, um 180 Grad gedreht, an der anderen gemessen. Die halbe Differenz ist der Fehler. Nachgestellt lag der Wert bei 0,05 Grad – besser als die erwartbare Toleranz und ohne jedes Ersatzteil.
Tiefenanschlag: Wiederholgenauigkeit
Für Serienbohrungen mit gleicher Tiefe ist der Anschlag das entscheidende Bauteil. Gemessen über 20 Wiederholungen lag die Streuung bei plus/minus 0,15 Millimetern. Das ist für Holzarbeiten mehr als ausreichend und für Sacklöcher mit Passmaß knapp.
Die Ursache der Streuung ist die Gewindespindel des Anschlags mit ihrem Spiel. Wer die Genauigkeit braucht, arbeitet gegen einen Anschlag in einer Richtung: immer von oben heranfahren und nicht nachkorrigieren – damit fiel die Streuung auf plus/minus 0,06 Millimeter.
Zweiter Punkt: die Skala am Anschlag ist eine Orientierung und keine Messung. Der Nullpunkt verschiebt sich mit jedem Bohrerwechsel, weil die Bohrerlänge eingeht. Für maßhaltige Tiefen wird an einem Probestück angebohrt und gemessen – die Skala sagt, wie weit noch, nicht wie tief.
Drehzahl: die Tabelle, die niemand benutzt
Die richtige Drehzahl ergibt sich aus der Schnittgeschwindigkeit des Werkstoffs und dem Bohrerdurchmesser: n gleich Schnittgeschwindigkeit mal 1.000 geteilt durch Pi mal Durchmesser. Für HSS in Baustahl liegt die Schnittgeschwindigkeit bei etwa 25 Metern je Minute, in Holz deutlich höher.
Am Ende zählt, dass ein 3-Millimeter-Bohrer in Stahl 2.500 Umdrehungen braucht und ein 16er nur 470. Bei zu hoher Drehzahl wird die Schneide heiß, verliert ihre Härte und ist nach wenigen Löchern stumpf – erkennbar an einer blau angelaufenen Spitze.
Der Punkt, an dem die Maschine an ihre Grenze kommt: die niedrigste Stufe. Ein 25-Millimeter-Forstnerbohrer in Holz möchte etwa 500 Umdrehungen; liegt die kleinste Stufe darüber, verbrennt der Bohrer die Bohrung und die Späne stauen sich.
Für große Durchmesser in Holz ist die niedrigste Drehzahl die wichtigste Angabe einer Maschine, nicht die höchste.
Aufstellen und Verschraubung
Eine Tischbohrmaschine wird verschraubt, und zwar nicht wegen der Standfestigkeit, sondern wegen der Genauigkeit. Auf einer nicht verschraubten Maschine bewegt sich der Fuß beim Anbohren minimal, und diese Bewegung ist im Bohrbild als leichter Versatz sichtbar.
An derselben Maschine mit und ohne Verschraubung: die Rundheit einer 10-Millimeter-Bohrung in 5 Millimeter Stahlblech verbesserte sich von 0,12 auf 0,05 Millimeter Abweichung. Zwei Schrauben in eine Werkbankplatte sind damit die wirksamste Maßnahme an der ganzen Maschine.
Die Ausrichtung der Säule zur Senkrechten prüft man mit einer Wasserwaage an zwei um 90 Grad versetzten Stellen. Eine schiefe Säule bedeutet, dass der geschwenkte Tisch bei jeder Höhe einen anderen Winkel hat – und das ist der Fehler, der beim Bohren tiefer Löcher am stärksten auffällt.
Spannen: Schraubstock statt Hand
Ein Werkstück von Hand zu halten ist bei einer Tischbohrmaschine die häufigste Ursache für Verletzungen. Ein Bohrer, der beim Durchbrechen fasst, dreht ein Blech mit erheblicher Kraft mit; besonders bei dünnem Blech und großen Durchmessern ist das kein Randfall, sondern der Regelfall.
Ein Maschinenschraubstock kostet wenig und wird auf dem Tisch verschraubt oder mit Spannpratzen gehalten. Wichtig ist, dass er selbst gehalten ist: ein loser Schraubstock dreht mit dem Werkstück mit und ist dann ein größeres Wurfgeschoss als das Blech allein.
Für Rundmaterial gehört eine Prismenauflage dazu, für dünnes Blech eine Opferplatte aus Holz unter dem Werkstück. Die Opferplatte verhindert zugleich den Grat auf der Austrittsseite – gemessen war die Gratbildung mit Unterlage etwa um zwei Drittel geringer.
Was nach 200 Bohrungen nachließ
Nach 200 Bohrungen in Stahl und Holz war der Rundlauf unverändert bei 0,06 Millimetern – die Spindellagerung hielt. Verändert hatte sich zwei Dinge: das Bohrfutter fasste bei kleinen Durchmessern unter 3 Millimetern schlechter, und der Keilriemen war etwas gelängt.
Der Riemen ist ein Verschleißteil und lässt sich über eine Verstellung nachspannen; ein zu lockerer Riemen rutscht unter Last, erkennbar an einem Drehzahleinbruch beim Anbohren. Das war nach dem Nachspannen behoben und ist alle paar Monate zu prüfen.
Das Bohrfutter ist der Punkt, an dem sich eine Investition lohnt. Ein Zahnkranzfutter hält kleine Bohrer besser als ein Schnellspannfutter, ist dafür langsamer im Wechsel. Bei einer Tischbohrmaschine, an der man ohnehin nicht in Eile arbeitet, ist das Zahnkranzfutter die sinnvollere Wahl.
Für wen die Maschine reicht
Für Holzarbeiten, Metallbau im Hobbybereich, Dübellöcher, Sacklöcher und Aufbohrarbeiten ist die Maschine ausreichend genau – nach dem Einstellen des Tischs. 0,06 Millimeter Rundlauf sind für alles, was verschraubt oder verklebt wird, deutlich unterhalb der relevanten Grenze.
Nicht ausreichend ist sie für zwei Dinge. Erstens Passungen mit Toleranzen unter einem Zehntelmillimeter – dafür wird gebohrt und danach gerieben, was mit dieser Maschine möglich ist, aber ein zusätzliches Werkzeug braucht. Zweitens große Durchmesser in Holz, wenn die niedrigste Drehzahl über 500 Umdrehungen liegt.
Die drei Maßnahmen mit dem größten Effekt kosten zusammen weniger als ein Zehntel des Maschinenpreises: Tisch rechtwinklig einstellen, Maschine verschrauben, ein besseres Bohrfutter. Damit war die Bohrungsrundheit besser als die Toleranz, die diese Klasse erwarten lässt.
Messuhr an Spindel und Tisch
Der Rundlauf wurde mit einer Messuhr mit 0,01 Millimeter Auflösung an einem eingespannten Prüfdorn von 12 Millimetern gemessen, 50 Millimeter unterhalb des Futters, über eine volle Umdrehung von Hand; angegeben ist die volle Anzeigespanne. Die Konusmessung erfolgte direkt am Spindelkonus ohne Futter. Die Rechtwinkligkeit wurde mit einem gebogenen Prüfdraht bestimmt: eingespannt, an einer Tischseite auf null gestellt, um 180 Grad gedreht, Differenz an der Gegenseite abgelesen. Die halbe Differenz über den gemessenen Abstand ergibt den Winkelfehler. Planheit mit Haarlineal und Endmaßen über 200 Millimeter.
Nicht erfasst wurde die Leistung unter Dauerlast und die Lebensdauer der Lagerung. Die Angabe nach 200 Bohrungen ist eine Zwischenmessung an einer Maschine und keine Verschleißprüfung; die Drehzahltabelle enthält Richtwerte aus der Zerspanungstechnik und keine eigenen Messungen.
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| Durchmesser | Stahl S235 | Holz | Stufe an der DP55 | Befund |
|---|---|---|---|---|
| 3 mm | 2.500 /min | 3.000 /min | höchste | |
| 6 mm | 1.250 /min | 2.400 /min | obere | |
| 10 mm | 750 /min | 1.500 /min | mittlere | |
| 16 mm | 470 /min | 900 /min | niedrigste | |
| 25 mm Forstner | – | 500 /min | zu hoch |
Häufige Fragen
Wie genau läuft die Spindel?
0,03 Millimeter am Spindelkonus und 0,06 mit eingesetztem Bohrfutter. Die Differenz kommt vom Futter – ein Präzisionsfutter ist damit das günstigste Zubehör mit messbarem Effekt.
Warum ist der Tisch nicht rechtwinklig?
Weil die Rechtwinkligkeit bei dieser Bauart aus einer Werksmarkierung kommt und nicht aus einem Anschlag – nach dem Auspacken ist der Wert eine Zufallsgröße. 0,4 Grad, was auf 100 Millimeter Bohrtiefe 0,7 Millimeter Abweichung bedeutet.
Wie stelle ich den Tisch rechtwinklig?
Mit einem gebogenen Prüfdraht im Futter: an einer Tischseite anreißen, um 180 Grad drehen, an der anderen messen – die halbe Differenz ist der Fehler. Nachgestellt lag der Wert bei 0,05 Grad. Zehn Minuten, kein Ersatzteil.
Wie genau wiederholt der Tiefenanschlag?
Plus/minus 0,15 Millimeter über 20 Wiederholungen. Wer immer von oben heranfährt und nicht nachkorrigiert, kommt auf plus/minus 0,06. Die Skala am Anschlag ist eine Orientierung – ihr Nullpunkt verschiebt sich mit jedem Bohrerwechsel.
Welche Drehzahl für welchen Bohrer?
In Baustahl mit HSS: 3 mm etwa 2.500/min, 6 mm 1.250, 10 mm 750, 16 mm 470. In Holz jeweils deutlich höher. Bei zu hoher Drehzahl läuft die Schneide blau an und ist nach wenigen Löchern stumpf.
Was ist bei großen Durchmessern in Holz die Grenze?
Die niedrigste Drehzahlstufe. Ein 25-Millimeter-Forstnerbohrer möchte etwa 500 Umdrehungen; liegt die kleinste Stufe darüber, verbrennt der Bohrer die Bohrung und die Späne stauen sich. Für Holzarbeiten ist die niedrigste Drehzahl die wichtigere Angabe, nicht die höchste.
Muss die Maschine verschraubt werden?
Für die Genauigkeit ja. Mit Verschraubung verbesserte sich die Rundheit einer 10-Millimeter-Bohrung in Stahlblech von 0,12 auf 0,05 Millimeter Abweichung – zwei Schrauben in die Werkbankplatte sind die wirksamste Maßnahme an der ganzen Maschine.
Warum bricht der Drehzahl beim Anbohren ein?
Meist wegen eines gelängten Keilriemens, der unter Last rutscht. Er lässt sich nachspannen und sollte alle paar Monate geprüft werden. Nach 200 Bohrungen war der Rundlauf unverändert, der Riemen aber nachzuspannen.
Geprüft im August 2026