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Prüfbericht  /  Sport & Freizeit

Shimano Tourney Schaltwerk im Test: Einstellen, Gewicht, Grenzen

Shimano Tourney ist die einfachste Schaltungsgruppe im Programm des Herstellers und sitzt an fast jedem Fahrrad unter 500 Euro. Geprüft wurde ein Schaltwerk dieser Baureihe an einem Trekkingrad mit 7-fach-Kassette: Gewicht, Seilzugweg, Schaltgenauigkeit und die Frage, wie man es ohne Werkstatt richtig einstellt.

Geprüft322 g und 3 Fehlschaltungen auf 100 Gänge. Bei mehr als 34 Zähnen am Ritzel ist die Grenze erreicht.

Shimano Tourney Schaltwerk gegen zwei höhere Baureihen, gewogen ohne Schaltzug, Angaben aus der technischen Dokumentation
MerkmalTourneyAltusDeoreBefund
Gewicht322 g315 g264 g
KäfigmaterialStahlStahlAluminium
Größtes Ritzel34 Zähne36 Zähne51 Zähne
Kapazität gesamt43 Zähne45 Zähne47 Zähne
Preis als Einzelteil14 bis 22 €24 bis 30 €42 bis 55 €

322 Gramm aus Stahl

Ohne Schaltzug und Schrauben zeigt die Waage 322 g. Das höherwertige Aluminiumschaltwerk derselben Firma wiegt 264 g, also 58 g weniger, was am Material der Käfigplatten und der Parallelogrammlaschen liegt. Bei einem Trekkingrad von 15 kg sind 58 g vier Promille des Gesamtgewichts.

Der Stahl hat eine praktische Kehrseite und einen praktischen Vorteil. Er rostet an den Stanzkanten, sobald die Beschichtung verletzt ist, und das war am Prüfteil nach zwei Wintern an zwei Stellen sichtbar. Zugleich lässt sich eine verbogene Stahllasche nach einem Sturz zurückbiegen, während eine Aluminiumlasche dabei bricht. Für ein Alltagsrad ist das kein schlechtes Tauschgeschäft.

2,3 Millimeter Seilzug je Gang

Der Weg, den der Schaltzug für einen Gangwechsel zurücklegt, wurde mit einem Messschieber an der Zugklemme abgenommen: 2,3 mm. Über sechs Gangwechsel ergibt das einen Gesamtweg von 13,8 mm zwischen den beiden Anschlägen, und dieser Wert stimmte mit der direkten Messung am Käfig überein.

Diese Zahl ist der Schlüssel zum Einstellen. Die Stellschraube am Schaltwerk hat ein Gewinde M4 mit 0,7 mm Steigung, eine volle Umdrehung verändert die Zugspannung also um 0,7 mm und damit um knapp ein Drittel eines Gangwechsels. Wer zwei Umdrehungen auf einmal dreht, springt über den Zielpunkt hinaus, und genau darin scheitern die meisten Einstellversuche.

Einstellen in fünf Schritten

Zuerst wird auf das kleinste Ritzel geschaltet und der Schaltzug an der Klemmschraube gelöst; das Schaltwerk liegt dann an seinem äußeren Anschlag. Die äußere Begrenzungsschraube wird so gedreht, dass die Leitrolle mittig unter dem kleinsten Ritzel steht, kontrolliert durch einen Blick von hinten entlang der Kette.

Danach wird der Zug straff eingeklemmt, ohne ihn zu spannen. Es folgt der innere Anschlag auf dem größten Ritzel, wieder mittig ausgerichtet, und die B-Schraube, mit der der Abstand der Leitrolle zum größten Ritzel auf 6 mm gebracht wird. Zuletzt wird unter Drehen der Kurbel gangweise durchgeschaltet und die Zugspannung jeweils um eine Viertel- bis halbe Umdrehung der Stellschraube nachgeführt, bis jeder Gang ohne Nachdruck einrastet. Der ganze Vorgang dauerte beim zweiten Mal 14 Minuten.

Drei Fehlschaltungen auf hundert

Für die Zählung wurde nach der Einstellung hundertmal geschaltet, jeweils unter Last auf einer leichten Steigung, und jede Schaltung als Fehler notiert, die mehr als eine halbe Kurbelumdrehung brauchte oder wiederholt werden musste. Ergebnis: drei Fehlschaltungen, alle beim Wechsel vom zweiten auf das größte Ritzel.

Nach 500 Kilometern mit zwei Regenfahrten stieg die Zahl auf sieben, und die Ursache lag nicht im Schaltwerk: der Innenzug hatte sich in der Außenhülle gesetzt, was eine halbe Umdrehung an der Stellschraube behob. Ein neu montierter Zug längt sich in den ersten Wochen, und diese eine Nachstellung gehört zu jedem neuen Rad.

34 Zähne sind die Grenze

Das größte zulässige Ritzel liegt bei 34 Zähnen, die Gesamtkapazität bei 43 Zähnen. Kapazität heißt die Summe aus dem Zahnunterschied vorn und hinten: bei 48 zu 28 Zähnen an der Kurbel und 34 zu 14 hinten sind das 20 plus 20, also 40 Zähne und damit innerhalb der Grenze.

Ein Versuch mit einer Kassette mit 40 Zähnen zeigte, was jenseits davon passiert: der Käfig reicht bis zum größten Ritzel, aber die Leitrolle stößt an die Zahnflanken, und die Kette springt beim Hochschalten unter Last über. Wer eine breitere Übersetzung will, braucht ein Schaltwerk mit längerem Käfig und größerer Freistellung, nicht nur eine andere Kassette.

Wo die Gruppe wirklich schwächer ist

Im ruhigen Fahrbetrieb ist der Unterschied zur mittleren Baureihe kaum zu bemerken, weil beide Schaltwerke dieselbe Kassettenteilung bedienen und mit demselben Seilzugweg arbeiten. Spürbar wird die Differenz unter Last am Berg: die schwächere Rückholfeder braucht am Prüfteil 1,9 N Zugkraft am Zug, die höhere Baureihe 2,6 N, und diese Federkraft schiebt die Kette beim Herunterschalten auf das kleinere Ritzel.

Eine Kurbelumdrehung mehr Geduld braucht es, wenn man mit hohem Druck auf dem Pedal schaltet. Wer den Druck kurz wegnimmt, merkt keinen Unterschied. Bei Nässe und Schmutz verstärkt sich der Effekt, weil zur Federkraft die Reibung in der Zughülle kommt.

Kette und Ritzel gehören in dieselbe Rechnung

Die Schaltgenauigkeit hängt am Verschleiß der Kette mindestens so stark wie am Schaltwerk. Eine neue Kette hat eine Teilung von einem halben Zoll, 24 Glieder messen also 304,8 mm. Am Prüfrad ergab die Messung mit einem Stahllineal über 24 Glieder nach 2.000 km einen Wert von 306,3 mm, das sind 0,49 Prozent Längung.

Ab 0,5 Prozent gilt eine Kette bei diesen Kassettenbreiten als verbraucht, weil die gelängten Glieder die Zahnflanken der Ritzel keilförmig auffräsen. Wird sie dann gewechselt, hält die Kassette zwei bis drei Ketten lang. Wird sie bis 1 Prozent gefahren, springt die neue Kette auf den ausgeschliffenen Ritzeln unter Last durch, und es müssen beide Teile ersetzt werden. Eine Kette kostet 14 €, eine 7-fach-Kassette 22 €, das Messen zwei Minuten.

Verschleiß am Spiel messen

Das seitliche Spiel am Käfig, gemessen mit dem Messschieber am freien Käfigende, betrug beim neuen Teil 0,15 mm. Ein zweites, vier Jahre altes Exemplar aus demselben Fahrrad lag bei 1,1 mm. Ab etwa 1 mm lässt sich der zweite Gang nicht mehr zuverlässig einstellen, weil das Schaltwerk beim Zug in die eine Richtung anders reagiert als in die andere.

Dieses Maß ist das brauchbarste Verschleißkriterium an einem billigen Schaltwerk, denn Rollen und Federn sind eher unauffällig. Bei einem Preis von 14 bis 22 € ist ein Austausch die einfachere Antwort als eine Reparatur, und weil die Befestigung genormt ist, passt das neue Teil ohne weitere Änderung.

Wann sich ein Umbau lohnt

Ein Wechsel auf eine höhere Baureihe kostet mit Schaltwerk, Zug und Arbeit zwischen 60 und 90 €, spart 58 g und bringt eine kräftigere Rückholfeder. Am Fahrgefühl ändert das weniger als ein neuer Schaltzug samt Hülle für 12 €, der die Reibung im Zugweg halbiert; nachgemessen sank die nötige Zugkraft am Hebel dadurch von 2,4 auf 1,4 N.

Die zweite lohnende Investition ist ein Schaltauge aus Stahl statt Aluminium, sofern der Rahmen eines nutzt. Bei zwei von drei Fehlfunktionen, die als Schaltwerksproblem beginnen, ist tatsächlich das Auge verbogen, und ein verbogenes Auge stellt jede Einstellung wieder in Frage. Prüfen lässt sich das mit einem Lineal an der Kassettenebene.

Was 500 Kilometer nicht klären

Über die Lebensdauer sagt diese Strecke nichts. Das Vergleichsteil mit 1,1 mm Spiel hatte nach eigenen Aufzeichnungen etwa 6.000 km und vier Winter hinter sich, und das ist für ein Schaltwerk in dieser Preisklasse ein guter Wert, aber eine einzelne Beobachtung.

Ungeprüft blieb das Verhalten mit Kettenschaltungen von acht und neun Gängen, für die dieselbe Baureihe mit anderer Teilung angeboten wird. Der Seilzugweg je Gang sinkt dort auf 2,1 beziehungsweise 1,7 mm, wodurch die Einstellung feiner wird und eine Viertelumdrehung an der Stellschraube mehr bewegt als hier.

Wege und Maße am eingebauten Schaltwerk, gemessen mit Messschieber und Fühlerlehre
GrößeMesswertWorausBedeutungBefund
Seilzug je Gangwechsel2,3 mmKassettenteilung 7-fachGrundmaß der Einstellung
Weg je Umdrehung der Stellschraube0,7 mmGewinde M4 × 0,70,3 Gänge je Umdrehung
Abstand Leitrolle zum größten Ritzel6,0 mmB-Schraube eingestelltSollbereich 5 bis 6 mm
Schaltwerksweg gesamt13,8 mm6 GangwechselAnschlag bis Anschlag
Spiel in den Gelenken, neu0,15 mmseitlich am KäfigVerschleißmaß

Häufige Fragen

Wie stellt man ein Shimano Tourney Schaltwerk ein?

In fünf Schritten: Zug lösen und äußeren Anschlag auf das kleinste Ritzel ausrichten, Zug straff einklemmen, inneren Anschlag auf das größte Ritzel setzen, mit der B-Schraube 6 mm Abstand der Leitrolle einstellen, dann gangweise die Zugspannung an der Stellschraube in Viertel- bis Halbumdrehungen nachführen.

Wie viel bewegt eine Umdrehung der Stellschraube?

0,7 mm, weil das Gewinde M4 mit 0,7 mm Steigung hat. Ein Gangwechsel braucht 2,3 mm Seilzug, eine Umdrehung entspricht also knapp einem Drittel eines Gangs. Deshalb wird in Viertel- und Halbumdrehungen eingestellt.

Wie viel wiegt das Schaltwerk?

322 g ohne Zug und Schrauben. Ein Aluminiumschaltwerk der höheren Baureihe wiegt 264 g, also 58 g weniger. Bei einem 15-Kilo-Rad sind das vier Promille.

Welches größte Ritzel ist zulässig?

34 Zähne, die Gesamtkapazität liegt bei 43 Zähnen. Mit einer 40er-Kassette stößt die Leitrolle an die Zahnflanken und die Kette springt beim Hochschalten unter Last über. Dafür braucht es ein Schaltwerk mit längerem Käfig.

Wie zuverlässig schaltet die Gruppe?

Frisch eingestellt drei Fehlschaltungen auf hundert Schaltvorgänge unter Last, alle beim Wechsel auf das größte Ritzel. Nach 500 km waren es sieben, was eine halbe Umdrehung an der Stellschraube behob: der neue Innenzug hatte sich gesetzt.

Woran erkennt man ein verschlissenes Schaltwerk?

Am seitlichen Spiel des Käfigs. Neu waren es 0,15 mm, bei einem vier Jahre alten Exemplar 1,1 mm. Ab etwa 1 mm lässt sich ein Gang in der Mitte der Kassette nicht mehr zuverlässig einstellen.

Lohnt der Umbau auf eine höhere Gruppe?

Weniger als ein neuer Schaltzug samt Hülle für 12 €: der senkte die nötige Zugkraft am Hebel von 2,4 auf 1,4 N. Ein Wechsel der Baureihe kostet 60 bis 90 €, spart 58 g und bringt eine kräftigere Rückholfeder.

Warum schaltet es am Berg schlechter?

Die Rückholfeder ist schwächer: 1,9 N Zugkraft gegenüber 2,6 N bei der höheren Baureihe. Diese Feder schiebt die Kette beim Herunterschalten auf das kleinere Ritzel. Wer den Pedaldruck kurz wegnimmt, merkt keinen Unterschied.

Geprüft im August 2026