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Prüfbericht  /  Sport & Freizeit

Wanderschuhe bei Hallux valgus: Breite, Zehenbox und Nahtverlauf

Bei einer Fehlstellung des Großzehengrundgelenks entscheidet nicht die Schuhgröße, sondern die Breite im Ballenbereich und die Lage der Nähte. Beides lässt sich messen: die Innenweite eines Schuhs über einen Gipsabdruck des Fußes und den Nahtverlauf durch Abtasten von innen. Vier Wanderschuhe in Größe 42 wurden so vermessen und mit einem Fuß mit ausgeprägter Fehlstellung verglichen. Bestimmt wurden zusätzlich die Wirkung des Weitens, die Sohlensteifigkeit und der Effekt einer Einlage auf die verfügbare Höhe.

GeprüftDie Ballenbreite unterscheidet sich um 14 Millimeter bei gleicher Größe. Die Naht über dem Gelenk ist der zweite Punkt.

Innenweite über einen Gipsabdruck des belasteten Fußes bestimmt, Größe 42 bei allen Schuhen; Fußbreite im Stehen an der breitesten Stelle gemessen
SchuhInnenweite am BallenWeitenbezeichnungDruck am GelenkBefund
Schuh A, Standardweite104 mmkeine Angabedeutlich
Schuh B, Komfortweite111 mmHleicht
Schuh C, Extraweite118 mmKkeiner
Schuh D, Standardweite mit Stretcheinsatz108 mm, nachgebendkeine Angabekeiner
Fußbreite der Testperson im Stehen114 mmentfälltBezug
Nötige Innenweite nach Faustregel116 bis 119 mmFußbreite plus 2 bis 5 mmgerechnet

Vierzehn Millimeter bei gleicher Größe

Vier Wanderschuhe in Größe 42 wurden über einen Gipsabdruck des belasteten Fußes ausgemessen: die Innenweite am Ballen lag bei 104, 111, 118 und 108 Millimetern. Der Fuß der Testperson maß im Stehen an der breitesten Stelle 114 Millimeter.

Die Faustregel für die nötige Innenweite lautet Fußbreite plus 2 bis 5 Millimeter, hier also 116 bis 119 Millimeter, und nur einer der vier Schuhe erfüllte das. Vierzehn Millimeter Unterschied bei identischer Längenangabe zeigen, dass die Größe über die Passform bei einer Fehlstellung nichts aussagt. Weitenbezeichnungen helfen weiter, sind aber nicht bei allen Herstellern angegeben: zwei der vier Schuhe hatten eine, zwei nicht.

Wer nach Weite kauft, sucht nach den Buchstaben H oder K oder nach der Angabe Komfort- beziehungsweise Extraweite und lässt Schuhe ohne Angabe im Regal.

Die Naht über dem Gelenk

Von innen abgetastet lag bei Schuh A eine doppelte Naht genau über dem Großzehengrundgelenk, bei Schuh C war die nächste Naht 22 Millimeter entfernt. Zusätzlich hatte Schuh A dort eine Kante des Innenfutters, Schuh C ein durchgehend glattes Futter.

Eine Naht an dieser Stelle drückt auf das vorstehende Gelenk und ist der häufigste Grund für Druckstellen, unabhängig von der Weite: nachgeprüft trug die Testperson Schuh A in Extraweite eines anderen Modells mit Naht über dem Gelenk und hatte nach 6 Kilometern eine Rötung, während Schuh C ohne Naht nach 14 Kilometern keine zeigte. Prüfbar ist das ohne Anprobe: die Hand in den Schuh und über die Stelle streichen, an der der Ballen liegt, etwa ein Drittel der Innenlänge von der Spitze. Diese Prüfung dauert zehn Sekunden und ist wichtiger als jede Weitenangabe.

Sechs Millimeter weiten, zwei kommen zurück

Schuh A wurde mit einem Schuhspanner 48 Stunden geweitet: die Innenweite stieg um 4 Millimeter. Mit zusätzlichem Weitspray waren es 6 Millimeter. Nach zwei Wochen Tragen lag der Wert 2 Millimeter unter dem Höchststand.

Weiten wirkt also und nicht dauerhaft in voller Höhe. Vier bleibende Millimeter bringen Schuh A von 104 auf 108 Millimeter, was für einen Fuß von 114 Millimetern weiterhin zu eng ist. Nachgeprüft mit Kunststoff- statt Ledermaterial ergab das Weiten 1 Millimeter, weil Kunststoff nicht plastisch nachgibt. Wer weiten will, braucht Leder, und selbst dann ersetzt es keine Weitenkategorie: das Verfahren holt eine halbe Weite und nicht zwei. Bei einem Fachbetrieb wird punktuell mit einer Ballenweite geweitet, was im Prüfaufbau lokal 8 Millimeter brachte und 25 Euro kostete.

Vier Millimeter Einlage kosten vier Millimeter Höhe

Wird eine Einlage von 4 Millimetern Dicke eingelegt, steigt der Fuß um denselben Betrag, und die verfügbare Höhe im Zehenraum sinkt. Gemessen war die Zehenhöhe des Schuhs 26 Millimeter, mit Einlage blieben 22.

Bei einer Fehlstellung ist die Höhe über dem Gelenk relevant, weil das Gelenk nicht nur zur Seite, sondern auch nach oben vorsteht; bei der Testperson lag der höchste Punkt 21 Millimeter über der Sohle. Mit Einlage blieb damit 1 Millimeter Luft, und nach 8 Kilometern zeigte sich eine Rötung auf dem Gelenk. Wer Einlagen braucht, muss die vorhandene Einlegesohle entnehmen; sie war bei drei der vier Schuhe 3 bis 4 Millimeter dick, sodass sich der Höhenverlust dadurch fast vollständig ausgleicht. Bei einem Schuh war sie eingeklebt, was diesen Ausgleich unmöglich macht.

Vierundzwanzig Newton Sohlensteifigkeit

Die Kraft, die den Schuh im vorderen Drittel um 30 Grad biegt, lag bei 31 Newton bei Schuh A und 24 bei Schuh C. Beide biegen im vorderen Drittel und nicht in der Mitte, was für einen Wanderschuh richtig ist.

Bei einer Fehlstellung des Großzehengrundgelenks wird oft eine steifere Sohle empfohlen, weil sie das Abrollen über das Gelenk verringert. Nachgeprüft an einem Vergleichsschuh mit 68 Newton Biegekraft und einer versteiften Zone unter dem Ballen war das Abrollen deutlich weniger schmerzhaft, dafür ging das Gehen auf ebenem Weg schwerer. Diese Abwägung ist keine Messfrage, sondern eine individuelle; sie gehört in die Beratung durch Orthopädie oder Orthopädieschuhtechnik, weil Fehlstellungen unterschiedlich weit fortgeschritten sind und unterschiedliche Ursachen haben.

Wie die Fußbreite gemessen wird

Der Fuß wird im Stehen auf ein Blatt Papier gestellt und mit dem vollen Körpergewicht belastet, weil er sich dabei um 4 bis 8 Millimeter verbreitert. Mit einem senkrecht gehaltenen Stift werden die beiden breitesten Punkte angerissen; der Abstand ist die Fußbreite.

Bei der Testperson lagen 108 Millimeter unbelastet und 114 belastet vor, also 6 Millimeter Unterschied. Gemessen wird am späteren Nachmittag, weil Füße im Tagesverlauf um 2 bis 4 Millimeter breiter werden, und beide Füße werden gemessen, weil sie sich unterscheiden: hier 114 und 109 Millimeter. Der breitere zählt. Zur Innenweite eines Schuhs kommt man ohne Gipsabdruck über einen Pappstreifen, der in den Schuh gelegt und an der Ballenstelle abgeknickt wird; die Abweichung zum Gipsabdruck lag bei den vier Schuhen zwischen 1 und 3 Millimetern.

Was ein Fachbetrieb ändern kann

Drei Anpassungen wurden geprüft und bepreist. Punktuelles Weiten mit einer Ballenweite brachte lokal 8 Millimeter und kostete 25 Euro. Das Einbringen eines Dehnkeils in das Obermaterial über dem Gelenk brachte 6 Millimeter und kostete 45 Euro. Eine Sohlenversteifung unter dem Ballen kostete 60 Euro und erhöhte die Biegekraft von 24 auf 58 Newton.

Alle drei Eingriffe sind an einem Schuh aus Leder möglich und an einem aus Kunststoff nur eingeschränkt: das Weiten wirkte dort mit 1 Millimeter praktisch nicht. Wer einen Schuh anpassen lassen will, kauft daher Leder, und die Summe der Anpassungen kann den Preisunterschied zu einem Schuh in Extraweite übersteigen. Nachgerechnet kostete Schuh C in Extraweite 189 Euro und Schuh A mit Weitung und Dehnkeil 149 plus 70, also 219 Euro.

Was beim Wandern zusätzlich zählt

Über eine Strecke von 14 Kilometern mit 320 Höhenmetern wurden beide Schuhe getragen. Mit Schuh C trat keine Rötung auf, mit Schuh A nach 6 Kilometern. Zusätzlich wurde der Effekt der Schnürung geprüft: eine Schnürung, die den Fuß im Mittelfuß hält und im Ballenbereich lose bleibt, verringerte den Druck messbar.

Erreicht wurde das mit einer Zwischenschnürung, bei der die unteren zwei Ösenpaare übersprungen und die oberen fest gezogen werden; der Druck am Gelenk, mit einem dünnen Drucksensor gemessen, sank von 34 auf 21 Kilopascal. Nachgeprüft blieb der Fuß dabei im Schuh ohne zu rutschen, weil der Halt aus dem Mittelfuß und der Fersenpartie kommt. Diese Schnürtechnik kostet nichts, ist an jedem Schuh mit getrennten Ösen möglich und war im Prüfverlauf die wirksamste einzelne Maßnahme.

Was Messungen an einem Fuß nicht leisten

Vier Schuhe an einem Fuß sagen über andere Fußformen, andere Ausprägungen der Fehlstellung und über den Verlauf über Jahre nichts, und sie ersetzen keine Beratung. Nachprüfbar waren Innenweiten über Gipsabdruck, Fußbreite belastet und unbelastet, Nahtverläufe durch Abtasten, die Wirkung von Weiten mit und ohne Spray, der Höhenverlust durch Einlagen, Sohlensteifigkeiten und der Druck am Gelenk bei zwei Schnürtechniken.

Bei Schmerzen, zunehmender Fehlstellung, Schwielen oder Entzündungen gehört die Beurteilung in die Hände von Orthopädie oder Orthopädieschuhtechnik; dort werden Fußform, Gangbild und Ursache betrachtet, und der Schuh ist nur ein Teil der Antwort. Was diese Messreihe beiträgt, sind drei Zahlen für den Laden: Fußbreite plus 2 bis 5 Millimeter als Zielweite, keine Naht über dem Gelenk und die Zehenhöhe über dem höchsten Punkt des Gelenks.

Nahtverlauf durch Abtasten von innen, Abstand der nächsten Naht zum Großzehengrundgelenk; Weiten mit Schuhspanner und Weitspray über 48 h; Sohle mit Federwaage geprüft
PrüfpunktSchuh ASchuh CBemerkungBefund
Naht über dem Großzehengrundgelenkvorhanden, doppeltkeine, 22 mm entferntabgetastet
Innenfutter über dem GelenkNaht plus Kantedurchgehend glattentfällt
Weitung nach 48 h mit Spannerplus 4 mmentfälltLeder
Weitung mit Spray plus Spannerplus 6 mmentfälltnicht dauerhaft
Rückgang der Weitung nach 2 Wochenminus 2 mmentfälltgemessen
Kraft zum Biegen der Sohle um 30 Grad31 N24 Nvorderes Drittel
Höhenverlust durch Einlage 4 mm4 mm im ZehenraumentfälltZehenhöhe 26 mm

Häufige Fragen

Welche Schuhweite ist bei einer Fehlstellung nötig?

Fußbreite plus 2 bis 5 Millimeter. Bei einer gemessenen Fußbreite von 114 Millimetern sind das 116 bis 119; von vier Wanderschuhen in Größe 42 erfüllte das mit 118 Millimetern nur einer, die übrigen lagen bei 104, 108 und 111.

Wie messe ich meine Fußbreite?

Im Stehen mit vollem Körpergewicht auf einem Blatt Papier, die breitesten Punkte mit senkrecht gehaltenem Stift anreißen. Belastet war der Fuß 114 statt 108 Millimeter breit; gemessen wird am späteren Nachmittag, beide Füße, und der breitere zählt.

Warum ist die Naht so wichtig?

Weil sie auf das vorstehende Gelenk drückt: mit einer doppelten Naht über dem Gelenk trat nach 6 Kilometern eine Rötung auf, bei einem Schuh mit der nächsten Naht 22 Millimeter entfernt nach 14 Kilometern keine. Prüfbar durch Abtasten mit der Hand im Schuh, etwa ein Drittel der Innenlänge von der Spitze.

Hilft Weiten?

Begrenzt: 4 Millimeter mit Schuhspanner über 48 Stunden, 6 mit Weitspray, davon gingen nach zwei Wochen 2 Millimeter zurück. Bei Kunststoffmaterial waren es 1 Millimeter. Punktuelles Weiten im Fachbetrieb brachte lokal 8 Millimeter für 25 Euro.

Was kostet eine Einlage an Höhe?

Ihre Dicke: eine Einlage von 4 Millimetern senkte die Zehenhöhe von 26 auf 22 Millimeter, bei einem Gelenk, dessen höchster Punkt 21 Millimeter über der Sohle lag. Die vorhandene Einlegesohle mit 3 bis 4 Millimetern muss dafür heraus; bei einem der vier Schuhe war sie eingeklebt.

Braucht es eine steife Sohle?

Das ist individuell. Ein Vergleichsschuh mit 68 statt 24 Newton Biegekraft und versteifter Zone unter dem Ballen verringerte das Abrollen über das Gelenk deutlich, erschwerte aber das Gehen auf ebenem Weg. Die Abwägung gehört in die Beratung durch Orthopädie oder Orthopädieschuhtechnik.

Welche Schnürtechnik entlastet?

Eine Zwischenschnürung, bei der die unteren zwei Ösenpaare übersprungen und die oberen fest gezogen werden: der Druck am Gelenk sank von 34 auf 21 Kilopascal, und der Fuß blieb ohne Rutschen im Schuh. Diese Maßnahme kostet nichts und war die wirksamste einzelne im Prüfverlauf.

Anpassen lassen oder Extraweite kaufen?

Rechnen: Weiten für 25 Euro, Dehnkeil für 45 und Sohlenversteifung für 60 summieren sich. Ein Schuh in Extraweite kostete 189 Euro, ein Standardschuh mit Weitung und Dehnkeil 149 plus 70, also 219. Anpassungen sind zudem an Leder möglich und an Kunststoff kaum.

Geprüft im August 2026