SagtDerMeisterWerkstatt-Urteile– Startseite

Geöffnet.
Gemessen.
Ehrlich.

Prüfbericht  /  Haushalt

Blutdruckmessgerät im Test: Oberarm gegen Handgelenk

Bei einem Blutdruckmessgerät für den Hausgebrauch sind zwei Entscheidungen zu treffen: Oberarm oder Handgelenk, und geprüft oder nicht geprüft. Beide lassen sich beantworten, die erste durch eine gleichzeitige Messung an einer Person, die zweite durch einen Blick in eine öffentliche Liste. Die Beurteilung der Werte selbst gehört in eine Arztpraxis.

GeprüftOberarm und Handgelenk trennen 9 mmHg. Ein Prüfsiegel und eine Validierungsliste sind das einzige belastbare Auswahlkriterium.

Gleichzeitige Messung: Oberarmgerät links, Handgelenkgerät rechts, danach getauscht, je zehn Messpaare mit zwei Minuten Pause
BedingungOberarmHandgelenkDifferenzBefund
Handgelenk auf Herzhöhe, gestützt128/81134/856 mmHg
Handgelenk auf dem Tisch, tiefer128/81142/8914 mmHg
Handgelenk erhöht über Herzhöhe128/81121/76−7 mmHg
Hand zur Faust geschlossen128/81139/8711 mmHg
Mittelwert über zehn Paare129/82138/869 mmHg
Zwei Oberarmgeräte gegeneinander129/82131/832 mmHg

Neun Millimeter Quecksilbersäule Unterschied

Beide Geräte wurden gleichzeitig angelegt, das Oberarmgerät links und das Handgelenkgerät rechts, danach getauscht, mit je zehn Messpaaren und zwei Minuten Pause. Über alle Paare lag das Handgelenkgerät im Mittel 9 Millimeter Quecksilbersäule höher beim systolischen Wert und 4 beim diastolischen.

Zum Vergleich wurden zwei Oberarmgeräte gegeneinander gemessen: dort lag die Differenz bei 2 Millimeter Quecksilbersäule. Der Unterschied zwischen den Messorten ist damit deutlich größer als der zwischen zwei Geräten derselben Bauart, und das liegt an der Physiologie: am Handgelenk verlaufen zwei Arterien in unterschiedlicher Tiefe, und die Manschette drückt zusätzlich gegen Sehnen und Knochen.

Vierzehn Millimeter allein durch die Haltung

Dieselbe Messreihe wurde mit dem Handgelenk in drei Höhen wiederholt. Auf Herzhöhe gestützt lag der Wert 6 Millimeter Quecksilbersäule über dem Oberarmwert, auf dem Tisch abgelegt und damit tiefer 14 darüber, erhöht über Herzhöhe 7 darunter.

Die Rechnung dahinter ist reine Hydrostatik: eine Blutsäule von 10 Zentimetern erzeugt bei einer Dichte von 1.060 Kilogramm je Kubikmeter 7,8 Millimeter Quecksilbersäule. Am Handgelenk ist der Weg zur Herzhöhe größer und schwerer einzuhalten als am Oberarm, weil der Arm dafür angehoben und gehalten werden muss. Genau das ist der praktische Nachteil der Bauart: nicht die Technik, sondern die Haltung erzeugt den Fehler, und sie ist bei jeder Messung neu einzunehmen.

Die geschlossene Faust kostet elf

Eine dritte Reihe prüfte die Hand: locker geöffnet gegen zur Faust geschlossen. Mit geschlossener Faust lag der systolische Wert am Handgelenk 11 Millimeter Quecksilbersäule höher als am Oberarm, mit offener Hand 6.

Muskelanspannung im Unterarm verändert den Druck in den Gefäßen, und beim Handgelenkgerät liegt die Manschette unmittelbar über den Sehnen dieser Muskeln. Am Oberarm trat derselbe Effekt in geringerem Maß auf: mit geschlossener Faust lag der Wert 4 Millimeter Quecksilbersäule über dem mit offener Hand. Aus beiden Beobachtungen folgt die immer gleiche Anleitung: sitzen, Arm auflegen, Hand offen, zwei Minuten ruhig sein, dann messen.

Wann ein Handgelenkgerät sinnvoll ist

Aus den Messungen folgt keine Ablehnung der Bauart, sondern eine Einordnung. Bei einem Oberarmumfang über 42 Zentimetern passt keine Standardmanschette, und dort ist ein Handgelenkgerät die praktikablere Wahl; die geprüfte Oberarmmanschette deckte 22 bis 42 Zentimeter ab, das Handgelenkband 13,5 bis 21,5.

Ebenso bei eingeschränkter Beweglichkeit der Schulter, bei Lymphödem nach einer Operation am Arm oder wenn das Anlegen einer Oberarmmanschette allein nicht möglich ist. Wichtig ist dann, dass die Verlaufsbeobachtung mit demselben Gerät am selben Handgelenk und in derselben Haltung erfolgt, weil die 9 Millimeter Quecksilbersäule Differenz konstant bleiben und ein Verlauf davon unberührt ist.

Woran ein geprüftes Gerät erkennbar ist

Der wichtigste Punkt beim Kauf steht auf keiner Verpackung als Messwert: die klinische Validierung. Dafür wird ein Gerät nach einem festgelegten Protokoll an mindestens 85 Personen gegen eine Referenzmessung geprüft, und die Ergebnisse werden veröffentlicht.

Erkennbar ist das an zwei Wegen. Erstens tragen geprüfte Geräte in Deutschland häufig ein Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga, das auf der Packung abgebildet ist. Zweitens gibt es öffentliche Datenbanken, in denen validierte Geräte nach Hersteller und Modellbezeichnung gelistet sind, und diese Suche dauert zwei Minuten. Ein Gerät, das in keiner Liste steht und kein Siegel trägt, kann funktionieren, aber niemand hat es überprüft, und das ist bei einem Messgerät für eine behandlungsrelevante Größe der entscheidende Unterschied.

Manschettenbreite und Umfang

Die Oberarmmanschette ist 14,2 Zentimeter breit und für Umfänge von 22 bis 42 Zentimetern angegeben. Die anerkannte Regel lautet, dass die Breite etwa 40 Prozent des Armumfangs betragen soll: für 30 Zentimeter sind das 12, für 36 Zentimeter 14,4 und für 42 Zentimeter 16,8.

Am oberen Ende des angegebenen Bereichs ist die Manschette damit relativ zu schmal, und eine zu schmale Manschette liefert systematisch zu hohe Werte. Nachgeprüft an einem Arm mit 40 Zentimetern Umfang lag der Wert mit der Standardmanschette 8 Millimeter Quecksilbersäule über dem mit einer 17 Zentimeter breiten Manschette. Der Armumfang wird mittig zwischen Schulter und Ellenbeuge am hängenden Arm gemessen, und über 36 Zentimetern gehört eine breitere Manschette dazu.

Was die Funkübertragung taugt

Beide Geräte übertragen ihre Werte per Funk auf ein Telefon. Nachgeprüft wurden zwanzig Messungen: alle wurden übertragen, im Mittel 3,1 Sekunden nach dem Ende der Messung, und Datum und Uhrzeit stimmten. Ohne Telefon speichern die Geräte 60 Messungen je Nutzer.

Der Nutzen liegt nicht in der Übertragung, sondern in der Auswertung: die Anwendung bildete auf Wunsch den Mittelwert über sieben Tage, getrennt nach Morgen und Abend, und genau diese Form wird für ein Blutdruckprotokoll gebraucht. Von Hand geführt kostet dasselbe Protokoll etwa fünf Minuten in der Woche. Zu bedenken ist die Datenlage: die Werte liegen dann bei einem Anbieter, und wer das nicht will, führt das Protokoll auf Papier und nutzt den Gerätespeicher.

Batterien und Ruhestrom

Die Ladung je Messung wurde über einen Nebenwiderstand bestimmt: 1,21 Milliamperestunden am Oberarmgerät und 0,64 am Handgelenkgerät, weil dort die Pumpe weniger Volumen füllen muss. Vier Alkalizellen mit 2.000 Milliamperestunden reichen damit rechnerisch für 1.650 beziehungsweise 3.100 Messungen.

Zwei Messungen am Tag ergeben also über ein Jahr bei beiden Geräten reichlich Reserve. Der Ruhestrom lag bei 8 Mikroampere, was über ein Jahr 70 Milliamperestunden ausmacht und ohne Bedeutung ist. Beide Geräte laufen alternativ an einem Netzteil; beim Oberarmgerät zog es im Betrieb 3,4 Watt und im Ruhezustand 0,3, also über ein Jahr 2,6 Kilowattstunden, wenn es gesteckt bleibt. Batteriebetrieb ist damit die sparsamere Wahl.

Was Messwerte nicht sind

Diese Seite vergleicht zwei Messorte und beschreibt, wie man ein geprüftes Gerät findet. Sie beurteilt keine Werte: welche Zahl bei welcher Person behandlungsbedürftig ist, hängt von Vorerkrankungen, Alter und Medikamenten ab und wird in der Praxis festgelegt. Ein Heimgerät liefert Messwerte für dieses Gespräch.

Vier Punkte gehören trotzdem hierher, weil sie in jeder Anleitung stehen: eine einzelne Messung ist keine Aussage, gemessen wird nach zwei Minuten Ruhe im Sitzen, protokolliert wird über sieben Tage morgens und abends, und bei stark abweichenden Werten oder bei Beschwerden wie Kopfschmerz, Sehstörungen oder Brustschmerz gehört der Weg in eine Praxis und im Verdachtsfall in die Notaufnahme.

Manschetten und Ausstattung, Maße mit Zollstock am flach ausgelegten Band abgenommen
MerkmalOberarmgerätHandgelenkgerätBemerkungBefund
Manschettenbreite14,2 cm7,0 cm40 % des Umfangs sind ideal
Umfangsbereich22 bis 42 cm13,5 bis 21,5 cmSkala am Band
Messdauer31 s22 sStoppuhr
Speicherplätze2 × 602 × 60mit Datum und Zeit
Funkübertragungjajaauf das Telefon
Ladung je Messung1,21 mAh0,64 mAhNebenwiderstand

Häufige Fragen

Wie groß ist der Unterschied zwischen Oberarm und Handgelenk?

Im Mittel 9 Millimeter Quecksilbersäule systolisch und 4 diastolisch über zehn gleichzeitige Messpaare, wobei das Handgelenkgerät höher lag. Zwei Oberarmgeräte gegeneinander unterschieden sich nur um 2 Millimeter Quecksilbersäule.

Warum sind Handgelenkgeräte anfälliger?

Wegen der Haltung. Auf dem Tisch abgelegt und damit unter Herzhöhe lag der Wert 14 Millimeter Quecksilbersäule über dem Oberarmwert, auf Herzhöhe gestützt nur 6, erhöht 7 darunter. Eine Blutsäule von 10 Zentimetern erzeugt rechnerisch 7,8 Millimeter Quecksilbersäule.

Verfälscht eine geschlossene Faust die Messung?

Ja. Am Handgelenk lag der Wert mit Faust 11 statt 6 Millimeter Quecksilbersäule über dem Oberarmwert, am Oberarm selbst 4 Millimeter Quecksilbersäule über dem Wert mit offener Hand. Gemessen wird sitzend, mit aufgelegtem Arm und offener Hand.

Wann ist ein Handgelenkgerät die richtige Wahl?

Bei Oberarmumfängen über 42 Zentimetern, bei eingeschränkter Schulterbeweglichkeit, bei Lymphödem nach einer Operation am Arm oder wenn das Anlegen einer Oberarmmanschette allein nicht möglich ist. Dann immer dasselbe Gerät, dasselbe Handgelenk und dieselbe Haltung verwenden.

Woran erkennt man ein geprüftes Gerät?

Am Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga auf der Packung und am Eintrag in öffentlichen Datenbanken für validierte Geräte, in denen nach Hersteller und Modell gesucht werden kann. Für eine Validierung wird ein Gerät an mindestens 85 Personen gegen eine Referenzmessung geprüft.

Welche Manschettenbreite ist richtig?

Etwa 40 Prozent des Armumfangs: 12 Zentimeter bei 30, 14,4 bei 36 und 16,8 bei 42 Zentimetern Umfang. An einem Arm mit 40 Zentimetern lag der Wert mit der 14,2 Zentimeter breiten Standardmanschette 8 Millimeter Quecksilbersäule über dem mit einer 17 Zentimeter breiten.

Wozu dient die Funkübertragung?

Zur Auswertung. Alle zwanzig Messungen wurden im Mittel 3,1 Sekunden nach dem Ende übertragen, und die Anwendung bildete Wochenmittelwerte getrennt nach Morgen und Abend, wie sie für ein Protokoll gebraucht werden. Ohne Telefon speichern die Geräte 60 Messungen je Nutzer.

Wie lange halten die Batterien?

Rechnerisch 1.650 Messungen am Oberarmgerät und 3.100 am Handgelenkgerät, bei 1,21 beziehungsweise 0,64 Milliamperestunden je Messung und vier Alkalizellen mit 2.000 Milliamperestunden. Der Ruhestrom von 8 Mikroampere ist ohne Bedeutung.

Geprüft im August 2026