Prüfbericht / Elektronik
Dipol-Lautsprecher: Aufstellung, Messung und der Unterschied zum Bipol
Ein Dipol strahlt nach vorn und nach hinten mit umgekehrter Phase, ein Bipol nach vorn und hinten in gleicher Phase, und ein normaler Lautsprecher nur nach vorn. Der Unterschied ist kein Klangbegriff, sondern eine Richtcharakteristik, die sich mit einem Schallpegelmesser in wenigen Minuten sichtbar machen lässt. Gemessen wurden der Pegelverlauf über den Winkel für alle drei Bauformen, der Einfluss des Wandabstands, das Verhalten am Hörplatz in einer Mehrkanalanlage und die Frage, welche Bauform an welcher Stelle gehört.
GeprüftDer Dipol löscht seitlich um 21 Dezibel. Genau daraus folgt seine Aufstellung, und sonst nichts.
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| Winkel zur Achse | Dipol | Bipol | Normaler Lautsprecher | Befund |
|---|---|---|---|---|
| 0 Grad, nach vorn | 0 dB | 0 dB | 0 dB | |
| 45 Grad | minus 6 dB | minus 1 dB | minus 2 dB | |
| 90 Grad, zur Seite | minus 21 dB | minus 3 dB | minus 7 dB | |
| 135 Grad | minus 5 dB | minus 1 dB | minus 12 dB | |
| 180 Grad, nach hinten | minus 1 dB | 0 dB | minus 16 dB | |
| Summe über alle Winkel | geringste Abstrahlung | höchste | mittlere |
Einundzwanzig Dezibel Loch zur Seite
Auf einem drehbaren Ständer wurde der Pegel mit rosa Rauschen in Schritten von 15 Grad abgetastet. Der Dipol lag bei 90 Grad, also seitlich, 21 Dezibel unter dem Wert auf Achse; nach hinten dagegen nur 1 Dezibel darunter. Der Bipol verlor seitlich 3 Dezibel und nach hinten nichts, ein normaler Lautsprecher seitlich 7 und nach hinten 16 Dezibel.
Einundzwanzig Dezibel entsprechen einem Achtel des Schalldrucks und sind kein Nebeneffekt, sondern der Zweck der Bauform: die beiden gegenphasig arbeitenden Chassis löschen sich in der Ebene senkrecht zur Achse gegenseitig aus. Wer einen Dipol hört, hört ihn dort, wo er strahlt, und nichts, wo er auslöscht, und genau darauf beruht seine Aufstellung. Bipol und Dipol sehen von außen gleich aus, unterscheiden sich aber in der Verschaltung eines Chassis, und diese Messung ist der einzige verlässliche Weg, beide auseinanderzuhalten.
Wozu eine Auslöschung gut ist
Sitzt der Hörplatz in der Auslöschungsebene, kommt vom Lautsprecher kein direkter Schall an, sondern nur der von Wänden und Decke zurückgeworfene. Ein Effekt lässt sich dann nicht mehr auf ein Gehäuse zurückführen; er kommt aus dem Raum.
Nachgeprüft am Hörplatz in 2,5 Metern Abstand war ein an der Seitenwand in Ohrhöhe angebrachter Dipol bei richtigem Wandabstand kaum zu orten, ein normaler Lautsprecher an derselben Stelle punktgenau. Bestimmt wurde außerdem, wie schmal die Ebene ist: 22 Zentimeter Abweichung des Ohrs aus der Auslöschungsebene genügten für 6 Dezibel mehr Direktschall. Eine sitzende Person bewegt den Kopf um diese Größenordnung, weshalb die Auslöschung im Alltag nie vollständig ist, und das ist auch nicht nötig.
Achtzig Zentimeter von der Wand
Bei einem Wandabstand von 10 Zentimetern lag der Pegel am Hörplatz bei 100 Hertz um 5,4 Dezibel über der Bezugsaufstellung, bei 40 Zentimetern um 2,1 und bei 80 Zentimetern um 0,4. Gleichzeitig wurde der Lautsprecher mit geringerem Abstand deutlich ortbar.
Beides hat dieselbe Ursache: der rückwärtige Anteil trifft die Wand, wird zurückgeworfen und überlagert den vorderen. Bei kurzem Abstand ist die Laufzeit so klein, dass sich beide Anteile addieren statt auszulöschen, und die Richtcharakteristik bricht zusammen. Ein Dipol, der 10 Zentimeter vor der Wand hängt, ist damit kein Dipol mehr, sondern ein schlecht gebauter normaler Lautsprecher. Wer die Bauform nutzen will, braucht 40 bis 80 Zentimeter Abstand, und daran scheitert sie in vielen Wohnzimmern.
Wo ein Dipol hingehört
Die Bauform wurde für die Effektkanäle einer Mehrkanalanlage entwickelt, weil dort ein diffuses, nicht lokalisierbares Schallfeld gewünscht ist. Für die Kanäle vorn ist sie ungeeignet, denn dort soll Sprache aus einer bestimmten Richtung kommen; nachgeprüft mit einem Dipol als Mittenkanal wanderte die Stimme sichtbar von der Bildmitte weg.
Umgekehrt lag ein normaler Lautsprecher als Effektkanal seitlich der Sitzposition punktgenau ortbar, was bei Regen oder Applaus im Filmton als Kette einzelner Quellen wahrgenommen wird statt als Fläche. Bei Mehrkanalformaten mit Deckenkanälen ändert sich die Aufgabe erneut: dort sollen Objekte ortbar sein, und Dipole sind dafür ausdrücklich nicht vorgesehen. Wer eine ältere Anlage mit Dipolen an der Seite betreibt und auf ein solches Format umstellt, tauscht diese Lautsprecher, und das ist der häufigste Anlass, überhaupt über die Bauform nachzudenken.
Bipol ist die Zwischenlösung
Der Bipol verlor seitlich nur 3 Dezibel und strahlte nach hinten voll. Damit ist er der Lautsprecher mit der größten insgesamt abgestrahlten Leistung und der geringsten Richtwirkung, ohne eine Auslöschung zu haben.
Am Hörplatz war er breiter als ein normaler Lautsprecher, aber weiterhin lokalisierbar. Bei einem Wandabstand von 80 Zentimetern lag sein Pegel bei 100 Hertz 0,8 Dezibel über dem Bezugswert, also ähnlich unauffällig wie beim Dipol. Praktisch verhält er sich damit wie ein normaler Lautsprecher mit sehr breiter Abstrahlung, und für Effektkanäle in Räumen, die keine 80 Zentimeter Wandabstand hergeben, ist er die robustere Wahl: er verliert bei Wandnähe an Ausgeglichenheit, aber nicht sein Funktionsprinzip.
Was die Bauform an Verstärkerleistung kostet
Der Kennschalldruck der drei Prüfmuster lag bei 87, 89 und 88 Dezibel bei einem Watt in einem Meter Abstand. Der Dipol erreichte damit auf Achse denselben Pegel wie die anderen, obwohl er insgesamt weniger Leistung in den Raum abgibt.
Am Hörplatz sieht die Bilanz anders aus, weil dort der Raumanteil zählt: um denselben Pegel am Hörplatz zu erreichen, brauchte der Dipol 2,1 Dezibel mehr Verstärkerleistung als der Bipol, also gut die 1,6-fache Leistung. Bei einem Effektkanal, der ohnehin 6 bis 10 Dezibel unter dem Frontkanal eingestellt wird, ist das ohne Bedeutung; bei einem Versuch, einen Dipol als Hauptlautsprecher zu betreiben, kommt es zu den Nachteilen aus Abschnitt 04 hinzu.
Wie sich beide Bauformen zu Hause unterscheiden lassen
Ohne Datenblatt lässt sich die Verschaltung mit einer Batterie prüfen: an die Klemmen gelegt bewegen sich bei einem Bipol beide Membranen nach außen oder beide nach innen, bei einem Dipol eine nach außen und eine nach innen. Beobachtbar war das an allen drei Prüfmustern eindeutig, wenn man die Abdeckungen abnimmt und flach von der Seite blickt.
Die zweite Möglichkeit ist die Pegelmessung bei 90 Grad, die im Abschnitt 01 beschrieben ist und ein Handmessgerät genügt. Beide Prüfungen dauern zusammen fünf Minuten und beantworten eine Frage, die bei gebraucht gekauften Lautsprechern ohne Beschriftung sonst offenbleibt; die Bezeichnungen auf dem Markt sind dabei nicht verlässlich, und mehrere Modelle werden mit beiden Begriffen beworben.
Was in einem Wohnraum überhaupt messbar ist
Eine Richtcharakteristik lässt sich im Wohnraum bestimmen, weil sie eine Differenzmessung ist: derselbe Lautsprecher, dieselbe Position, nur ein anderer Winkel, und der Raumanteil bleibt annähernd gleich. Ein Frequenzverlauf lässt sich dagegen nicht sinnvoll bestimmen, weil Raummoden und Reflexionen ihn überlagern.
Verlässlich sind daher die 21 Dezibel Unterschied bei 90 Grad, die 5,4 Dezibel Unterschied durch den Wandabstand und die 22 Zentimeter Breite der Auslöschungsebene, weil jede dieser Zahlen aus zwei Messungen unter gleichen Bedingungen entsteht. Absolutwerte zu Bass und Höhen bleiben dem reflexionsarmen Raum überlassen. Diese Trennung ist der Grund, weshalb eine Prüfung im Wohnzimmer zu diesen Bauformen etwas beitragen kann und zu vielen anderen Fragen nicht.
Wozu drei Lautsprecher nicht reichen
Drei Prüfmuster über zwei Wochen sagen über die Streuung zwischen Modellen, über Frequenzweichen und über die Belastbarkeit nichts. Nachprüfbar waren die Richtcharakteristik über den Winkel für alle drei Bauformen, der Einfluss des Wandabstands, die Ortbarkeit am Hörplatz, die Breite der Auslöschungsebene, der Kennschalldruck und der Batterietest zur Verschaltung.
Bemerkenswert bleibt, wie eindeutig die Aufstellungsfrage aus der Messung folgt: 40 bis 80 Zentimeter Wandabstand und der Hörplatz seitlich, nicht auf Achse. Wer diese zwei Bedingungen nicht herstellen kann, kauft keinen Dipol, und diese Auskunft ist mit einem Bandmaß vor dem Kauf zu prüfen, nicht nach dem Aufhängen.
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| Aufstellung | Ortbarkeit | Pegel bei 100 Hz | Bemerkung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Dipol, 10 cm von der Wand | deutlich ortbar | plus 5,4 dB | Auslöschung gestört | |
| Dipol, 40 cm von der Wand | schwach ortbar | plus 2,1 dB | brauchbar | |
| Dipol, 80 cm von der Wand | kaum ortbar | plus 0,4 dB | Bezugsaufstellung | |
| Bipol, 80 cm von der Wand | ortbar | plus 0,8 dB | breiter, aber lokalisiert | |
| Normaler Lautsprecher, auf den Hörplatz gerichtet | genau ortbar | plus 0,6 dB | punktförmig | |
| Dipol, Hörplatz in der Auslöschungsebene | nicht ortbar | entfällt | das Prinzip | |
| Abstand Ohr zur Auslöschungsebene für 6 dB | 22 cm | entfällt | nachgemessen |
Häufige Fragen
Was unterscheidet Dipol und Bipol?
Die Verschaltung: beim Dipol arbeiten die Chassis gegenphasig, beim Bipol gleichphasig. Gemessen verlor der Dipol seitlich 21 Dezibel, der Bipol 3 und ein normaler Lautsprecher 7. Nach hinten lagen die Werte bei 1, 0 und 16 Dezibel unter dem Wert auf Achse.
Wie erkennt man die Bauform ohne Datenblatt?
Mit einer Batterie an den Klemmen: bewegen sich beide Membranen in dieselbe Richtung, ist es ein Bipol, in entgegengesetzte ein Dipol. Alternativ misst man den Pegel bei 90 Grad zur Achse. Beide Prüfungen dauern zusammen fünf Minuten, und die Bezeichnungen auf dem Markt sind nicht verlässlich.
Wie weit muss ein Dipol von der Wand weg?
40 bis 80 Zentimeter. Bei 10 Zentimetern lag der Pegel am Hörplatz bei 100 Hertz 5,4 Dezibel höher und der Lautsprecher war deutlich ortbar, bei 80 Zentimetern nur 0,4 Dezibel höher und kaum ortbar. Zu nah an der Wand bricht die Richtcharakteristik zusammen.
Wo gehören Dipole hin?
In die Effektkanäle einer Mehrkanalanlage, seitlich der Sitzposition in Ohrhöhe, weil dort ein diffuses Schallfeld gewünscht ist. Als Mittenkanal wanderte eine Stimme im Versuch sichtbar aus der Bildmitte, und für Formate mit ortbaren Objekten in Deckenkanälen sind sie nicht vorgesehen.
Wie genau muss der Hörplatz sitzen?
Nicht sehr: 22 Zentimeter Abweichung des Ohrs aus der Auslöschungsebene genügten für 6 Dezibel mehr Direktschall. Eine sitzende Person bewegt den Kopf um diese Größenordnung, sodass die Auslöschung im Alltag nie vollständig ist.
Brauchen Dipole mehr Verstärkerleistung?
Für denselben Pegel am Hörplatz 2,1 Dezibel mehr als ein Bipol, also gut die 1,6-fache Leistung, weil sie insgesamt weniger Leistung in den Raum abgeben. Bei Effektkanälen, die 6 bis 10 Dezibel unter den Frontkanälen liegen, ist das ohne Bedeutung.
Ist ein Bipol die bessere Wahl?
In Räumen ohne 80 Zentimeter Wandabstand ja. Er strahlt breit ab, bleibt aber ortbar und verliert bei Wandnähe an Ausgeglichenheit, ohne sein Funktionsprinzip zu verlieren. Ein Dipol nahe der Wand verliert beides.
Lässt sich das im Wohnzimmer überhaupt messen?
Die Richtcharakteristik ja, weil sie eine Differenzmessung ist: gleicher Lautsprecher, gleiche Position, nur anderer Winkel. Ein Frequenzverlauf nicht, weil Raummoden und Reflexionen ihn überlagern; dafür braucht es einen reflexionsarmen Raum.
Geprüft im Juli 2026