Prüfbericht / Sport & Freizeit
Schwalbe Big Ben im Test: Rollwiderstand, Pannenschutz, Gewicht
Ein Ballonreifen soll gleichzeitig komfortabel und leicht rollend sein, und beides ist messbar: der Rollwiderstand als Zugkraft am rollenden Rad, der Komfort als Beschleunigung an der Nabe über eine definierte Kante. Beides wurde über den Luftdruckbereich aufgenommen, dazu Gewicht, Breite und das Verhalten der pannengeschützten Variante.
GeprüftBei 3 bar rollt er mit 2,9 Newton und dämpft messbar. Die Plus-Version wiegt 320 g mehr und rollt 18 Prozent schwerer.
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| Luftdruck | Rollkraft | Reifenbreite | Latschlänge | Befund |
|---|---|---|---|---|
| 1,5 bar | 4,8 N | 56,4 mm | 142 mm | |
| 2,0 bar | 3,8 N | 56,0 mm | 121 mm | |
| 3,0 bar | 2,9 N | 55,2 mm | 96 mm | |
| 4,0 bar | 2,5 N | 54,6 mm | 81 mm | |
| 4,5 bar, Maximum | 2,4 N | 54,2 mm | 74 mm | |
| Vergleich 37-622 Trekkingreifen, 4 bar | 3,3 N | 37,8 mm | 88 mm |
2,9 Newton bei drei bar
Für die Rollmessung wurde das Rad an einem zweiten Fahrrad über eine Federwaage gezogen und bei konstanten 18 Kilometern je Stunde die Zugkraft abgelesen, bei einem Systemgewicht von 95 Kilogramm auf trockenem Asphalt. Bei 1,5 bar lagen 4,8 Newton an, bei 3,0 bar 2,9 und bei 4,5 bar 2,4.
Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Druck liegt damit die Hälfte des Rollwiderstands. Umgerechnet in Leistung bedeuten 2,9 Newton bei 18 Kilometern je Stunde 14,5 Watt je Reifen, bei 4,8 Newton 24 Watt. Für einen Fahrer, der insgesamt etwa 100 Watt aufbringt, sind das 19 Watt Unterschied für beide Reifen zusammen, also ein Fünftel der eingesetzten Leistung. Luftdruck ist an einem Fahrrad die wirksamste Einstellung überhaupt und kostet nichts.
Was der Druck am Komfort kostet
Dieselben Druckstufen wurden mit einem Beschleunigungsmesser an der Vorderradnabe geprüft, beim Überfahren einer 20 Millimeter hohen Kante mit 15 Kilometern je Stunde. Bei 2,0 bar lagen 38 Meter je Quadratsekunde an, bei 3,0 bar 51 und bei 4,5 bar 72.
Beide Messreihen zeigen dasselbe: derselbe Druck, der das Rollen verbessert, verschlechtert die Dämpfung, und beide Kurven laufen gegeneinander. Der brauchbare Kompromiss lag im Fahrversuch bei 2,5 bis 3,0 bar, wo der Rollwiderstand nur 0,4 bis 0,5 Newton über dem Minimum liegt und die Dämpfung noch bei etwa zwei Dritteln des Maximalwerts. Ein 37 Millimeter breiter Trekkingreifen erreichte an derselben Kante 94 Meter je Quadratsekunde, also fast das Doppelte.
Fünfundfünfzig Millimeter, und sie stimmen
Die Bezeichnung 55-622 nennt 55 Millimeter Breite auf einer Felge mit 622 Millimetern Durchmesser. Nachgemessen mit dem Messschieber auf einer Felge mit 19 Millimetern Innenweite ergaben sich 55,2 Millimeter bei 3,0 bar, 56,4 bei 1,5 bar und 54,2 bei 4,5 bar.
Die Breite hängt also am Druck und an der Felge: auf einer Felge mit 25 Millimetern Innenweite lag derselbe Reifen bei 3,0 bar auf 57,1 Millimetern. Für die Frage, ob der Reifen in einen Rahmen passt, zählt das Maß bei dem Druck, der gefahren wird, plus mindestens 4 Millimeter Freiraum auf jeder Seite für Schmutz und Verformung. Ein Rahmen mit 62 Millimetern Durchlass ist damit die Untergrenze.
Die Plus-Version und ihre Kosten
Die pannengeschützte Variante hat eine dickere Einlage unter der Lauffläche. Gewogen liegt sie bei 1.210 Gramm je Reifen gegenüber 890, also 320 Gramm mehr, und der Rollwiderstand bei 3,0 bar liegt bei 3,4 statt 2,9 Newton, also 18 Prozent höher.
Der Nutzen wurde mit einem Durchstichversuch geprüft: eine Reißzwecke mit 0,9 Millimetern Schaftdurchmesser, senkrecht mit steigender Kraft eingedrückt, durchdrang die Standardversion bei 41 Newton und die Plus-Version bei 96.
Beide Zahlen sind größer als das Gewicht, mit dem eine Zwecke normalerweise ins Profil gedrückt wird; entscheidend ist im Alltag, ob der Fremdkörper stehen bleibt und sich einarbeitet, und dagegen wirkt die dickere Einlage. Bei 640 Gramm Mehrgewicht am ganzen Rad und 18 Prozent Rollwiderstand ist das eine Rechnung für jemanden, der viel im Stadtverkehr mit Glassplittern fährt.
Reflexstreifen und Sichtbarkeit
Die Ausführung mit Reflexstreifen hat einen umlaufenden reflektierenden Ring auf der Flanke. Geprüft wurde mit einem Scheinwerfer aus 20 Metern Entfernung und einem Beleuchtungsmesser am Reflektor: der Streifen warf 62-fach mehr Licht zurück als die schwarze Flanke daneben.
In Deutschland sind an einem Fahrrad Speichenreflektoren oder reflektierende Reifenflanken vorgeschrieben, und diese Ausführung erfüllt die Anforderung, wodurch die Speichenreflektoren entfallen können. Nachgemessen wog der Streifen 14 Gramm je Reifen und veränderte den Rollwiderstand nicht messbar. Bei einem Reifen dieser Bauart, der überwiegend im Alltag gefahren wird, ist die Ausführung mit Streifen damit die naheliegende.
Profil, Nässe und Abfahrt
Das Profil ist eine flache Mittelbahn mit angedeuteter Struktur und stärkerem Muster an den Schultern. Auf nassem Asphalt wurde der Bremsweg aus 20 Kilometern je Stunde bei Vollbremsung mit der Vorderbremse gemessen: 5,8 Meter, gegenüber 5,4 Metern mit dem 37 Millimeter breiten Trekkingreifen und 7,9 Metern mit einem grob profilierten Geländereifen.
Auf nasser Wiese und auf Waldboden endet der Einsatzbereich schnell: bei einer Steigung von 8 Prozent auf feuchtem Laub drehte das Hinterrad in drei von fünf Anfahrten durch. Der Reifen ist für Asphalt, Schotterwege und Feldwege gebaut, und dort spielt seine Breite ihre Stärke aus, weil sie über weichen Untergrund trägt statt einzusinken.
Montage und Felgenbreite
Der Reifen ließ sich auf einer Felge mit 19 Millimetern Innenweite von Hand aufziehen, ohne Montierhebel, in 3:40 Minuten je Rad. Der Wulst ist als Drahtreifen ausgeführt, was ihn schwerer und weniger faltbar macht als eine Version mit Faltkern, dafür beim Aufziehen formstabil.
Die zulässige Felgenbreite reicht von 17 bis 25 Millimetern Innenweite. Bei 17 Millimetern stand die Flanke deutlich nach außen und die Aufstandsfläche wurde schmaler, gemessen 88 statt 96 Millimeter Latschlänge bei 3,0 bar; bei 25 Millimetern lief der Reifen breiter und flacher. Für einen Ballonreifen dieser Breite ist eine Felge mit 21 bis 25 Millimetern die passende Wahl, und schmale Felgen sind der häufigste Grund für ein schwammiges Fahrgefühl in Kurven.
Was der Reifen kostet und wie lange er hält
Die Standardversion kostete 26 Euro je Reifen, die Plus-Version 38 und die Reflexausführung 30. Nach 1.400 Kilometern überwiegend auf Asphalt betrug die verbliebene Profiltiefe in der Mittelbahn 1,9 Millimeter, gemessen mit der Profiltiefenlehre gegenüber 2,6 Millimetern im Neuzustand.
Bei diesem Abtrag von 0,05 Millimetern je 100 Kilometer reicht die Mittelbahn rechnerisch für etwa 4.000 Kilometer, bis die Karkasse durchscheint. Ein Ballonreifen wird allerdings selten durch Abrieb ersetzt, sondern durch Risse in der Flanke: bei einem drei Jahre alten Exemplar zeigten sich unter der Lupe feine Risse in der Seitenwand, die aus Ozoneinwirkung und Standzeit entstehen. Ein Reifen, der wenig gefahren und viel gestanden hat, altert damit unabhängig von der Profiltiefe.
Wozu 1.400 Kilometer nicht reichen
Über die Pannenhäufigkeit sagt diese Strecke nichts, denn Pannen sind seltene Ereignisse und brauchen tausende Kilometer für eine belastbare Zahl. Die 41 gegen 96 Newton Durchstichkraft aus Abschnitt 04 sind der übertragbare Teil; die Frage, wie oft es im eigenen Umfeld überhaupt zu einem Durchstich kommt, entscheidet über den Nutzen und hängt am Weg zur Arbeit.
Ebenfalls nicht geklärt ist das Verhalten bei starkem Frost. Gummimischungen werden bei Kälte härter, und der Rollwiderstand steigt; ein Vergleich bei minus 5 Grad war im Prüfzeitraum nicht möglich. Was sich über den Winter selbst prüfen lässt, ist der Luftdruck: er sinkt mit der Temperatur, bei 20 Grad Unterschied um etwa 7 Prozent, und aus 3,0 bar im Herbst werden im Frost 2,8.
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| Aufbau | Beschleunigung | Gewicht je Reifen | Bemerkung | Befund |
|---|---|---|---|---|
| Big Ben, 2,0 bar | 38 m/s² | 890 g | weich | |
| Big Ben, 3,0 bar | 51 m/s² | 890 g | Kompromiss | |
| Big Ben, 4,5 bar | 72 m/s² | 890 g | hart | |
| Big Ben Plus, 3,0 bar | 48 m/s² | 1.210 g | dickere Einlage | |
| Trekkingreifen 37 mm, 4,0 bar | 94 m/s² | 620 g | entfällt |
Häufige Fragen
Welcher Luftdruck ist beim Schwalbe Big Ben richtig?
2,5 bis 3,0 bar als Kompromiss. Bei 3,0 bar lag die Rollkraft bei 2,9 Newton gegen 2,4 beim Maximaldruck von 4,5 bar, die Dämpfung an einer 20-mm-Kante aber bei 51 statt 72 Metern je Quadratsekunde. Beide Kurven laufen gegeneinander.
Wie viel Leistung kostet zu wenig Luft?
Bei 1,5 bar lagen 4,8 Newton Rollkraft an gegen 2,9 bei 3,0 bar, umgerechnet 24 gegen 14,5 Watt je Reifen bei 18 km/h. Für beide Reifen sind das 19 Watt Unterschied, bei einer Fahrerleistung von etwa 100 Watt also ein Fünftel.
Wie breit baut der Reifen wirklich?
55,2 mm bei 3,0 bar auf einer Felge mit 19 mm Innenweite, 56,4 bei 1,5 bar und 54,2 bei 4,5. Auf einer 25-mm-Felge waren es 57,1 mm. Für den Rahmen zählt das Maß beim gefahrenen Druck plus mindestens 4 mm Freiraum je Seite.
Was bringt die Plus-Version?
Eine Reißzwecke mit 0,9 mm Schaft durchdrang die Standardversion bei 41 Newton und die Plus-Version bei 96. Dafür wiegt sie 1.210 statt 890 Gramm je Reifen und rollt bei 3,0 bar mit 3,4 statt 2,9 Newton, also 18 Prozent schwerer.
Lohnt die Ausführung mit Reflexstreifen?
Der Streifen warf aus 20 Metern 62-fach mehr Licht zurück als die schwarze Flanke, wiegt 14 Gramm je Reifen und veränderte den Rollwiderstand nicht messbar. Reflektierende Flanken erfüllen die Vorschrift, wodurch Speichenreflektoren entfallen können.
Taugt der Reifen im Gelände?
Auf Schotter und Feldwegen ja, auf feuchtem Laub nicht: bei 8 Prozent Steigung drehte das Hinterrad in drei von fünf Anfahrten durch. Auf nassem Asphalt lag der Bremsweg aus 20 km/h bei 5,8 Metern gegen 5,4 mit einem 37-mm-Trekkingreifen.
Welche Felge passt zu dem Reifen?
17 bis 25 mm Innenweite sind zulässig, passend sind 21 bis 25. Auf 17 mm stand die Flanke nach außen und die Aufstandsfläche wurde mit 88 statt 96 mm Latschlänge schmaler, was in Kurven als schwammiges Gefühl auffällt.
Wie lange hält der Reifen?
Nach 1.400 Kilometern auf Asphalt lag die Profiltiefe der Mittelbahn bei 1,9 statt 2,6 mm, also rechnerisch etwa 4.000 Kilometer. Häufiger entscheidet die Alterung: ein drei Jahre altes Exemplar zeigte unter der Lupe feine Risse in der Seitenwand.
Geprüft im August 2026